Linde im Herbstkleid (© C. Jobst)

Bäume, des einen Freud, des anderen Leid

Einst wohnten unsere Götter in ihnen, jetzt gehen sie im Weg um. Gerade in den Herbstmonaten kann man überall beobachten, wie Bäume gefällt oder an ihnen herumgeschnipselt wird. Die Gründe sind vielfältig, aber nicht immer nachvollziehbar.

Die Bäume waren immer ein Symbol des Lebens, des Schutzes und der Geborgenheit. Wir pflanzten sie zur Geburt unserer Kinder, zur Hochzeit und zu vielen uns wichtigen Anlässen. Bäume, wie alle Pflanzen, sind lebenswichtig für uns Menschen. Sie verwandeln nicht nur graue Städte und Dörfer in grüne Oasen, sondern verbergen auch triste Gebäudefassaden, betonen Plätze und Gebäude und sind vor allem ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur. Dies zeigt sich in vielen Volksliedern, in denen wir die Bäume besingen.

Der eigentliche Wert eines Baumes, der weit über den Holzwert hinausgeht, lässt sich zwar in Zahlen, aber nicht in Euro ausdrücken. Ein großkroniger Laubbaum verbessert das Klima, spendet an heißen Tagen Schatten, bindet Schadstoffe, reinigt  jährlich  die  Luft  von über 100 kg Staub, nimmt  täglich 10 kg CO2 auf und liefert den Sauerstoff für 10 Menschen.

Bäume werden Hunderte von Jahre alt, brauchen aber je nach Standort-verhältnissen manchmal ein wenig Pflege. Je nach Boden und Standort sind fehlende Nährstoffe durch Düngung zu ersetzen. Diese Pflegemaßnahme wird leider zu wenig beachtet. Dafür wird das Schneiden als Pflegemaßnahme zu oft und zu radikal ausgeführt. Dabei sind Kronenrückschnitte bis mehr um die Hälfte des Kronenvolumens, Kappen von Starkästen und planloses Hochasten an der Tagesordnung. Die Gründe sind vielfältig. Der Baum wird zu groß, er wirft zu viel Schatten oder ein Geschäftshaus, Gewerbebetrieb, Tankstelle oder Werbung wird zuviel verdeckt. Die Folgeschäden sind immens und führen oft in einigen Jahren zum Tod des Baumes.

Das Schneiden von Laubbäumen hat das Ziel, durch kleinere Korrekturen die Gesundheit des Baumes zu fördern und die Stand- und Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Es setzt das Wissen über die Physiologie eines Baumes, dessen Aufbau und seine Reaktionen auf die einzelnen Schnittmaßnahmen voraus. Die meist rigorosen Schnittmaßnahmen, die nur das extreme Einkürzen der Krone zum Ziele haben, schwächen die Bäume und fördern die Fäulnis-bildung. Durch willkürliches Hochasten älterer Bäume wird deren Schwerpunkt nach oben verlagert, was oftmals die Verkehrssicherheit der Bäume negativ beeinflusst. Das Prinzip des Baumschneidens ist vergleichbar einer Operation, soviel wie nötig, so wenig wie möglich. Unsere heimischen Bäume eignen sich nicht für Bonsai, sondern entwickeln ihre Schönheit nur durch ihre eigene angeborene Form, Größe und Aussehen. Bäume mit kugelförmiger Krone sind spezielle Züchtungen.

Bäume sind Lebewesen, die für ihre Gesundheit manchmal unsere Hilfe benötigen. Bäume werden auch sehr alt und haben mit dem menschlichen Alter nichts gemein. Bei der Linde sagt man: „300 Jahre kommt sie, 300 Jahre bleibt sie und 300 Jahre geht sie“.