Baum bis zur Unkenntlichkeit zurückgeschnitten (Foto C. Jobst)

Baumfrevel - Bäume bis zur Unkenntlichkeit gequält

Menschen brauchen Bäume –
der Körper den Sauerstoff,
die Seele das Rauschen der Blätter im Wind

Wenn wir uns diese Aussage von Dipl.-Ing. Roland Dengler, einen öbv. Sachverständigen für Baumpflege und Baumsicherheit, vor Augen halten und mit diesen Augen aufmerksam die Gärten, die Siedlungen und die Landschaften betrachten, werden wir immer öfters Greueltaten sehen, die an Bäumen begangen werden.

Ein Baum in der freien Natur braucht keine Pflege. Bei guten Standortbedingungen kann er sich entfalten. Bäume in der freien Landschaft verführen den Erholungssuchenden durch ihr majestätisches Aussehen zum Verweilen. Sie sind oft Motive auf Postkarten, werben in Tourismusbroschüren für eine heile Welt, werden auch auf Wahlplakaten als Garant für eine glückliche Zukunft eingesetzt.

Bäume im Siedlungsbereich haben oftmals schwierige Lebensbedingungen, zu wenig Standraum, schlechte Bodenverhältnisse, Sauerstoff- und Wassermangel im Boden. Aber vor allem auch die Einstellung des Menschen gegenüber den Bäumen, speziell gegenüber denen, die ihnen selbst nicht gehören. Sie werfen Schatten und Laub, sie werden zu hoch, sie verdecken Werbeanlagen von Geschäften und Gewerbebetrieben, die jeder Bürger sowieso kennt. Und jeder Baumbesitzer hat die Pflicht, Maßnahmen zu ergreifen, die die Verkehrssicherheit der Bäume gewährleisten. Und deshalb werden überall gegen Ende des Winters, für die Bäume ein physiologisch ungünstiger Zeitpunkt, Baumschnittmaßnahmen durchgeführt. Es wird gekappt, gestutzt und geschnitten und so mancherorts zeigt sich dem Betrachter ein trauriges Bild von einer geschundenen und gequälten Kreatur. Es wird oft vergessen, dass ein Baum, wie jede andere Pflanze auch, ein Lebewesen ist, das bei der Keimung geboren wird, wächst und gedeiht, sich ein Leben lang den Witterungsbedingungen und Stürmen widersetzt, sich selbst ernährt, Wunden selbst heilt und am Ende stirbt.

Durch den Eingriff des Menschen verändern sich die Lebensbedingungen, aber nicht immer zum Besseren. Düngung, Bodenbelüftung und Bodenverbesserungs-maßnahmen sind eine Hilfestellung bei der Ernährung. Schnittmaßnahmen können eine Baumkrone entlasten. Aber vor allem Kappungen und massive Rückschnitte der Krone sind langfristig baumzerstörend. Bei einer Kappung entstehen große Wundflächen, die nicht verheilen, einen Herd für Holzfäule bilden und zusätzlich das Versorgungsgleichgewicht zwischen Krone und Wurzeln zerstören. Der meist besenartige Austrieb unterhalb der Kappungsstelle ist instabil und bildet zusammen mit der eindringenden Fäule eine erhöhte Bruchgefahr.

Ein fachgerechter Baumschnitt fällt dagegen nicht auf. Das Ziel ist, durch einen möglichst geringen Eingriff die Verletzungen am Baum so gering wie möglich zu halten. Die Verkehrs- und Standsicherheit des Baumes wird wieder hergestellt, ohne das typische Aussehen des Baumes zu verändern.

Der Weg zu einem Baumspezialisten lohnt sich. Billige Pfuscharbeit kommt meist sehr viel teurer, da sie zusätzliche Pflegemaßnahmen nach sich zieht oder das Sterben eines Baumes verursacht. Bäume werden in Volksliedern besungen, sie sind Teil unserer Kultur. Bäume bringen uns Menschen Segen, sie liefern den für uns so lebenswichtigen Sauerstoff. Und wenn man die Diskussionen über die Feinstaub-belastungen in den Städten verfolgt, sollte man bedenken, dass vor allem Bäume durch ihre Filterwirkung hier erhebliche Verbesserung bieten könnten. Jeder Baum erfüllt Aufgaben, die technisch weder nachzuahmen, noch zu bezahlen sind. Jede Menge Gründe, sorgfältiger mit unseren Bäumen umzugehen.