Cottagegarten

Der englische Cottage-Garten

Die Pilcherfilme werden vor allem wegen den schönen englischen Landschaftsaufnahmen, den romantischen Dörfern und den lieblichen Häusern mit ihren Gärten so gerne gesehen. Auch die englische Krimiserie „Inspector Barnaby“ ist geprägt von herrlichen Cottage-Gärten, die durch ihre Blütenpracht oftmals von der Grausamkeit der Morde ablenken. Aber was macht einen Cottage-Garten so interessant, so anziehend. Er ist eine Symbiose von fast verschwenderischer Pflanzenverwendung mit romantischen, meist älteren Häusern.

Christa Hasselhorst, Journalistin und Buchautorin, schrieb: „Mit der Lust aufs Land, ob real oder geträumt, wird auch der Cottage-Garten immer beliebter. Weil er unnachahmliche Nonchalance besitzt, eine Mixtur aus subtiler Eleganz und ungezähmter Wildheit. Natur ja, aber very sophisticated. Viel feiner als der Bauerngarten“. Der deutsche Bauerngarten ist ein Nutzgarten aus Gemüse, Kräutern, Beerensträuchern und Obstbäumen, oftmals geometrisch streng gegliedert, von kreuzförmig angelegten Wegen durchzogen, als Mittelpunkt ein Blumenrondell oder ein Wasserschöpfbecken. Die gartenvernarrten Briten haben den klassischen Bauerngarten zum Cottage-Garten umgewandelt und somit einen idyllischen Wohngarten mit Nutzwert erschaffen. „Sein Geheimnis ist die perfekte Nachlässigkeit. Erst die Unordnung macht ihn schön“. Diese Sätze kann man in der Welt online nachlesen.

Der Cottage-Garten ist nichts anderes als ein Garten, in dem man sich wohl und geborgen fühlt, sich ein Stück Natur geschaffen hat, ohne sich den Gefahren der Natur aussetzen zu müssen, ein kleines Paradies, in dem man die Seele baumeln lassen kann. Und somit ist dieser Gartenstil nicht nur auf Großbritannien beschränkt, er kann überall sein, auch in Deutschland und auf der ganzen Welt. Was macht ihn so einzigartig?

Sein Erfolgsrezept liegt daran, dass das Wohnhaus ein Teil des Gartens ist, eingebettet in eine vielfältige Pflanzenwelt, beschützt durch Bäume und umrandet von Sträuchern und Hecken. Das Haus selbst wird durch Spaliere, Kletterpflanzen und Blumenschmuck verschönert. Blumenrabatten, Staudenpflanzungen und Rosenbeete führen zum Haus, oder gliedern den Garten mit Hilfe von Rankgerüsten, Pergolen und Rosenbögen in grüne Räume. Der Garten wird zum erlebnisreichen Labyrinth, ausgestattet mit verschiedenen Sitzmöglichkeiten, die je nach Tageszeit dem Gartenbesitzer eine optimale Erholungspause ermöglichen. Die verwendeten Materialien sind natürlichen Ursprungs. Gebrannte Ziegel oder ortsübliche Natursteine für Mauern und Treppen, die durch eine lebende Kleinflora wie Flechten, Moose und niedrige Polsterstauden Leben erhalten. Naturbelassenes Holz für Rankgerüste und Spaliere, die mit Würde altern und Patina ansetzen dürfen und dadurch ein malerisches Ambiente erzeugen.

Man hat das Gefühl, dass im Cottage-Garten die Pflanzen das Sagen haben. Ein rein sonniger Garten ohne jeglichen Schatten wird nie diese Atmosphäre hervorbringen, wie ein Garten, in dem Licht und Schatten während des Tagelaufes immer neue Bilder hervorrufen. Der Laubbaum hält sein schützendes Blätterdach über einen Teil des Gartens. Klein- und Großsträucher, Wild- und Ziersträucher geben dem Garten seinen Rahmen. Frühjahrsblüher, wie Tulpen, Narzissen, Blausternchen, sommer- und herbstblühende Stauden, wie Lupinen, Fingerhut, Schafgarbe, Ziertabak, Stockrosen, Rittersporn, Lilien, Lavendel, Salbei, Phlox und vor allem Rosen bringen Leben und verbreiten zusätzlich betörende Düfte. Die bunten Blumenrabatten und der Blumenschmuck am Haus sind ein unabdingbarer Bestandteil. Während Obstbäume in diesem Pflanzengefüge ihren Platz haben, wird für Salat, Gemüse und Küchenkräuter eine spezielle Nutzecke geschaffen. Auch diese Nutzpflanzen haben zum Teil einen hohen Zierwert, man denke hier an die Artischocke oder an Mangold.

Der Cottage-Garten ist ein geplanter Garten, in dem man den Pflanzen das Recht zuspricht, sich nach ihren ureigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten entfalten zu dürfen und sich im natürlichen Umfeld behaupten zu müssen. Gerade das macht ihn so lebendig und erlebnisreich. Sein Geheimnis ist, dass er nie perfekt wirkt, sondern eher lässig, leger, aber dies auf höchstem Niveau. Einen Garten in dieser Form zu haben, bedeutet auch, ihn sich ein wenig selbst zu überlassen. Die Pflegearbeiten nur auf das Notwendigste zu beschränken. Das gibt uns aber auch die Zeit, ihn genießen zu können.