Kiesgarten

Der Kiesgarten (Gärten aus Stein und Kies)

Die Verwendung von Kies in den Gärten liegt seit einiger Zeit im Trend. Vordergründig wegen des geringeren Pflegeaufwandes, was allerdings nur bedingt den Tatsachen entspricht. Gerne wird dann auch die japanische Gartenkultur kopiert und deren Bedeutung für die geistige Einkehr herausgestellt. Japanische Meditationsgärten haben eine über Jahrtausend alte Tradition in einem fremdländischen Kulturkreis. Flächen aus Sand und Kies symbolisieren das Wasser, Bäche, Flüsse, Seen und das Meer. Große Steine bilden das Gebirge, die Quelle des Wassers, des Lebens oder auch Inseln im Meer. Wenige aber ausgesuchte und meist in Formen geschnittene Gehölze geben den Rahmen für ein Landschaftsbild.

Beth Chatto, die englische Gartenkönigin, hat durch ihre Veröffentlichungen dem Kiesgarten zu einem Aufschwung verholfen. Anders, wie allerdings meistens ursächlich, war der Gartenliebhaberin nicht die geringere Pflege wichtig, sondern sie versucht durch entsprechende Pflanzenauswahl extrem trockene Bodensituationen, wie steile Böschungen, Trockenstandorte, natürlich vorhandene Kiesflächen intensiv zu begrünen und durch eine Vielzahl an blühenden Stauden auch an solchen Standorten farbenprächtige Oasen zu schaffen. Ihr Schwerpunkt ist die Auswahl der Pflanzen, nicht die Kiesfläche, die bereits vorhanden ist und nicht erst geschaffen wird.

Der ideale Standort für Kiesgärten sind trockene und besonnte Stellen, auf denen von Natur aus wenig wächst, wie unter dem Dachüberstand eines Hauses. Auch der Uferbereich an einem Teich oder Bachlauf ist geeignet; hier lässt sich gut ein Flussbett nachahmen. Nicht geeignet sind Standorte auf schweren, undurchlässigen Böden und sehr feuchte Lagen, da hier durch größere Drainagemaßnahmen und Bodenaustausch eine für den Garten untypische, unwirkliche Fläche geschaffen werden muss. Auch im Bereich von Bäumen und Großsträuchern macht wegen den herabfallenden Blättern und Nadeln eine Kiesfläche keinen Sinn, da einerseits das Entfernen des Falllaubes einen erhöhten Arbeitsaufwand bedeutet, andererseits durch den Schattenwurf der Gehölze die typischen sonnenhungrigen Stauden nicht verwendet werden können.

Bei der Anlage eines Kiesgartens werden die obersten 30 cm des Bodens ausgebaut und die Fläche entsprechend modelliert. Dieser Aushub sollte möglichst frei von Wurzelunkräutern sein und muss mit entsprechenden Materialien wie Sand, groben Splitt oder Schotter abgemagert werden. Dieses abgemagerte Substrat baut man bis 10 cm unter fertiger Höhe wieder ein. Darüber kann man ein Geo-Vlies ausbreiten, das die Vermischung der verschiedenen Bodensubstrate verhindern soll. Über dieses Vlies bringt man dann Kies in den verschiedenen Körnungen und größere Steine.

Das wichtigste in Kiesgärten ist die Verwendung der richtigen Pflanzen, lichthungrige, hitze- und trockenheitsverträgliche Pflanzen, die sich in einem mageren, trockenen und durchlässigen Boden wohlfühlen. Die Auswahl reicht von mediterranen Gehölzen und Duftsträuchern (Tamariske, Lavendel, Steppensalbei, Thymian, Mauerpfeffer) über verschiedene Gräserarten und Sukkulenten (Fette Henne) bis zu heimischen Pionierpflanzen (Ginster, Wacholder, Königskerze). Bei der Pflanzung wird das Vlies kreuzförmig eingeschnitten, damit die Wurzeln in den Untergrund gelangen.

Bei richtiger Anlage und Bepflanzung benötigen Kiesgärten im eingewachsenen Zustand wenig Pflege, aber ohne Arbeit geht es auch nicht. Die trockenheitsliebenden Pflanzen müssen nur bei lang andauernden Trockenzeiten bewässert werden. Düngergaben sind nur wenig, aber gezielt nötigt. Trotz des Vlieses kann es durch Windeintrag von feinen Humusteilchen, Laub und anderen organischen Materialien und durch Samenflug nach einigen Jahren auch zu Unkrautwuchs gelangen. Niederfallendes Laub fordert oft den Einsatz von Laubsaugern, die aus Umweltschutzgründen umstritten sind.

In Gärten mit den richtigen Bodenverhältnissen und dem passenden Umfeld können gut gestaltete und richtig bepflanzte Kiesgärten oder Kiesbereiche eine Bereicherung und Hingucker sein. Gute Beispiele findet man teilweise auch in ortsnahen, sonnenüberfluteten Verkehrskreiseln. An falschen Standorten wirken sie oft deplatziert und nur des Trends wegen errichtet.