Feier unter einem Nussbaum

Der Nussbaum, ein Symbol der Fruchtbarkeit

Die Walnuss genießt seit alters her in Bayern ein hohes landeskulturelles Ansehen und wird sowohl aus wirtschaftlichen und ästhetischen Gründen sehr geschätzt. Kein anderer Baum hatte in der Mythologie unserer Vorfahren diesen hohen Stellenwert wie der Nussbaum. Wenn es auch den Römern zugeschrieben wird, dass sie die Walnuss aus Griechenland nach Deutschland brachten, so wurde sie, laut Ausgrabungsfunden in süddeutschen Pfahlbauten, hier schon viel früher kultiviert. Seit über 9.000 Jahren wird die Walnuss als Nahrungsmittel genutzt. Die ursprüngliche Heimat erstreckt sich vom östlichen Mittelmeergebiet bis nach China.

Die Echte Walnuss (Juglans regia) ist ein mittelgroßer sommergrüner Baum, der eine Höhe von etwa 15-25 Meter und ein Alter weit über 150 Jahren, je nach Standort,  erreichen kann. Der Baum benötigt ausreichend Standraum, um seine Krone gesund und artgerecht entwickeln zu können. Er bevorzugt lockeren, humusreichen und tiefgründigen Boden mit ausreichender Feuchtigkeit. Der erwünschte pH-Wert soll im Bereich von schwach sauer bis schwach alkalisch (pH 6,5 - 7,5) liegen, was für viele unserer Böden zutrifft. Nussbäume beginnen mit einem Alter von 10 bis 20 Jahren zu tragen, wobei ein erwachsener, großkroniger Baum bis zu 150 kg Nüsse pro Ernte hervorbringen kann. Zum einen verrotten die Blätter wegen des hohen Gerbstoffanteiles nur sehr langsam, zum anderen gibt der Baum über seine Wurzeln Hemmstoffe ab, die einen Bewuchs unter seiner Krone erschweren, aber auch lästige Insekten fern halten. Deshalb ist der Platz unter einem Walnussbaum ein idealer Schattensitzplatz, an dem störende Insekten kaum zu finden sind.

Die wirtschaftliche Bedeutung wurde immer schon hoch eingeschätzt. Die Walnusskerne mit einem Fettanteil von ca. 50 Prozent, rund 15 Prozent Eiweiß und etwa 20 Prozent Kohlenhydrate werden nicht nur roh verzehrt, sondern auch zum Backen und Kochen verwendet, Schnaps gebrannt oder Likör angesetzt und bei Speiseeis benötigt. Gerade unter dem Weihnachtsbaum dürfen sie nicht fehlen. Mittlerweile werden Walnüsse in großen Plantagen angebaut, wobei in Kalifornien jährlich etwa 300.000 Tonnen geerntet werden, was etwa zwei Drittel der Weltproduktion ist. Extrakte aus der Walnuss werden auch heute noch in der Naturheilkunde verwendet. Sie sollen eine antiseptische, wurmtreibende und blutreinigende Wirkung haben. Diese Extrakte werden auch zum Färben von Haaren, Textilien oder das Extrakt aus der Nussbaumrinde als Beizmittel für Holz verwendet. Das Holz spielt je nach Modetrend in der Möbelindustrie, aber auch beim Innenausbau, für Täfelungen und Parkett eine große Rolle.

Bei der Pflanzung von Walnussbäumen sollte man unbedingt auf Ballen- oder Containerware zurückgreifen. Wegen der Frostempfindlichkeit, vor allem in jungen Jahren, ist eine Frühjahrspflanzung zu bevorzugen. Der Stamm ist durch Umwicklung mit einem Jutetuch zu schützen und Baumpfähle sollten einige Jahre die Standfestigkeit des Baumes unterstützen. Verschiedene Sorten, wie „Esterhazei II“, „Auslese Nr. 120“, „Jupiter“, „Milotai 10“, „Ockerwitzer Lange“ oder „Weinsberg 1“, gewähren eine Verwendung auf den verschiedensten Standorten.

Nüsse gelten in der Mythologie als Symbol für Fruchtbarkeit und haben somit im Volksglauben eine große Rolle gespielt. Eine gute Nussernte im Herbst wurde als Zeichen gedeutet, dass im kommenden Jahr viele Jungen geboren werden. In Oberösterreich warfen heiratsfähige Mädchen Stöcke in die Krone. Blieb der Stock in der Krone hängen, heiratete die Werferin noch im selben Jahr. An den Bauernhöfen pflanzte man gerne die Walnuss in der Nähe von Misthaufen, damit die Fliegen und Insekten vertrieben wurden. Einem römischen Hochzeitsbrauch zufolge warf der Bräutigam Walnüsse unter die Gäste. Ergaben diese beim Aufprall einen hellen Klang, konnte man eine glückliche Ehe erwarten.

In einer Siedlung in Töging am Inn lädt ein Walnussbaum, der auf der Grenze zweier Wohngrundstücke steht, alljährlich die Nachbarschaft zu einem Nussbaumfest ein. In seinem Schatten treffen sich zwanglos die Nachbarn, bringen ihr Essen und die Getränke selber mit, es wird gegrillt, Neuigkeiten erzählt und Meinungen ausgetauscht. Dies fördert den Zusammenhalt in der Siedlung und das gegenseitige Verständnis füreinander. Der Nussbaum als Treffpunkt gemeinsamer Kommunikation.