Die Pracht der blühenden Obstbäume

Blühende Obstbäume (c) Clemens Jobst

Seit einigen Tagen erfreuen wir uns an der üppigen Blütenpracht der Obstbäume. Nicht alle Jahre setzen die Obstbäume so viele Blüten an wie in diesem Jahr. Die Freude auf eine gute Obsternte ist groß. Wenn nicht die Erinnerung an Krankheiten, Schädlingen und zum Teil schlechten Ernten im letzten Jahr wäre. Man denkt vor allem an die braunen Blätter an den Obstbäumen und ordnet ihnen eine Krankheit zu, die einem bekannt ist. Das Internet liefert entsprechende Bilder und bestätigt mehr oder weniger die eigene Vermutung, meistens Feuerbrand, Monilia und Schorf.

Es gibt aber nur wenige Krankheiten und Schädlinge, wie Gitterrost, Schrotschusskrankheit, Raupenfraß oder Gallmilbenbefall, wo das Aussehen des Blattes eine eindeutige Diagnose zulässt. Das Auftreten von braunen Blättern, mit oder ohne scharfer Abgrenzung, eingerissen, gelöchert oder ganz, vertrocknet oder welk, kann viele Ursachen haben. Braunverfärbungen zeigen auf, dass die Assimilation der Blätter behindert ist und dadurch das Blatt in seiner Funktion beeinträchtigt wird. Aber wer ist schuld daran? Ein Schädling, ein böser Pilz, das Wetter oder hat die Pflanze einfach Hunger?

Eine falsche Diagnose kann eine gutgemeinte Bekämpfung zunichte machen. Mittel gegen Schädlinge sind bei Pilzkrankheiten absolut wirkungslos und auch umgekehrt. Je nach Mittel wird dann nur die Umwelt belastet. Während der Hobbygärtner bei Pilzbefall als Notbremse auch mal chemische Präparate einsetzen kann, ist er bei der Schädlingsbekämpfung auf mechanische, biologische oder biotechnische Maßnahmen angewiesen.

Auch das Wetter kann zu braunen Blättern speziell an Obstbäumen führen. Lange Trockenperioden während der Vegetationszeit lassen die Bäume dursten, die dann Blätter abstoßen, also braun werden lassen, um zu überleben. Aber auch die immer aggressivere Sonneneinstrahlung, die nicht nur bei den Menschen zu Hautverbrennungen und Hautkrebs führt, verursacht bei Pflanzen Sonnenbrand, der sich vor allem in braunen Blättern zeigt. Leider war der Insektenflug auf Grund der geringen Temperaturen mäßig, so dass durch zu wenig Bestäubung die Ernte nicht so groß ausfallen wird, wie es der Blütenreichtum hoffen lässt.

Und zuletzt kommt ein Übel, an denen die meisten Obstbäume leiden – Hunger. Während wir für die Blütenpracht in unseren Balkonkästen, Rosen- und Staudenbeeten, und für eine gute Ernte in unserem Gemüsegarten gern mehr Dünger verwenden als notwendig, behandeln wir unsere Obstbäume stiefmütterlich. Da wir im Herbst jegliches Laub penibel entfernen, ist die natürliche Nährstoffversorgung nicht gegeben. Von den Düngergaben der Rasenflächen bekommen die Obstbäume nichts ab und eine obstbaumspezifische Düngung ist uns Gartlern meist zu aufwendig. Also hungern unsere Obstbäume, dass sich eben auch durch Braunfärbung der Blätter zeigen kann. Übrigens, hungrige Bäume sind auch anfälliger bei Pilzkrankheiten und Schädlingsbefall.

Was kann man tun? Wenn man sich bei der Diagnose nicht sicher ist, sollte man einen Fachmann zu Rate ziehen, der nach Begutachtung befallener Blätter oder Triebe die Krankheit bestimmt und eine sinnvolle Bekämpfungsmaßnahme aufzeigen kann. Die befallenen Pflanzenteile sind frisch abzuschneiden. Bei Nährstoffmangel ist es ratsam, eine Bodenuntersuchung auf die Hauptnährstoffe durchführen zu lassen, damit man eine optimale Düngung ausführen kann. Eine Liste der zuständigen Untersuchungslabore ist im Landratsamt erhältlich.