Gespenstische Gebilde an kahlen Bäumen (Gespinstmotte)

Jetzt sieht man sie wieder, gespenstisch anmutende Gespinste an kahl oder fast kahlgefressenen Bäumen und Sträuchern in der freien Landschaft, am Straßenbegleitgrün, weniger in den Gärten. Verantwortlich dafür ist eine Schmetterlingsfamilie (Yponomeutidae), genannt die Gespinstmotte.  Weltweit gibt es etwa 900 Arten, hauptsächlich in den Tropen. In Europa  sind 116 Arten bekannt, von denen wiederum 74 auch in Mitteleuropa vorkommen.

Die Gespinstmotten sind kleine helle Falter von ca. einem Zentimeter Länge und einer Flügelspannweite von bis zu 25 Millimetern. Die weißen Flügel sind auffällig schwarz gepunktet. Im Mai und Juni bilden hellgraue oder cremefarbene Larven auffällige Gespinste, in denen große Mengen von Larven leben. Nach vollendeter Larvenentwicklung verpuppen sich die Tiere innerhalb des Gespinstes. Die Falter schlüpfen im Juli und legen ihre Eier ab. Die Junglarven überstehen den Winter unter einer sekretartigen Schutzschicht. Lange und kalte Winter haben dadurch keinen Einfluss auf die Entwicklung des Schädlings.

Die Gespinstmottenarten sind wirtsspezifisch auf die Blätter von nur wenigen Baum- oder Straucharten angewiesen. Auf der Suche nach neuen Futterpflanzen spinnen die Raupen  alles ein,  auch Gräser, Sträucher, oder Gegenstände wie Zaunpfosten und ganze Bänke. Das seidige Gespinst schützt die kleinen Raupen vor Fressfeinden wie Vögel oder vor Regen.

In den Hausgärten treten Gespinstmotten eher selten auf. Stellt man rechtzeitig erste  Gespinstbildungen fest, kann man sie mechanisch entfernen. In der freien Landschaft, bei Feldgehölzen oder an Weg- und Waldrändern verursachen die Gespinstmotten in manchen Jahren erhebliche Schäden. Die Wildgehölze sind in der Regel sehr widerstandsfähig und regenerieren sich sehr gut, so dass oftmals noch im gleichen Jahr neue Blätter ausgebildet werden.

Außer der mechanischen Bekämpfung gibt es noch eine naturgegebene Bekämpfung. Etwa  80 verschiedene Insekten, darunter Schlupfwespen, Raubwanzen sowie einige Parasiten haben diesen Schädling auf ihrem Speiseplan. Sie verhindern dauerhaft eine ungehemmte Ausbreitung. Die Tiere mit der chemischen Keule zu vernichten, ist meistens nicht möglich. Bei einem ausgebildeten Gespinst  kann das Spritzmittel nicht zu den Raupen durchdringen. Ein chemischer Einsatz ist ebenso sinnlos wie gefährlich für die Umwelt, da von Insektengiften auch die natürlichen Feinde der Gespinstmotten betroffen sind.

Die gespenstischen Bilder, silbrig glänzende, kahl gefressene und eingesponnene  Bäume und Sträucher an Weg-, Straßen- und Waldrändern, an den Badeseen oder in der freien Landschaft, sehen oftmals bedrohlicher aus, als es in Wirklichkeit ist.