Wilder Wein in der Herbstfärbung (© C. Jobst.)

Kletterpflanzen, Begrünung ohne Platzverlust

Mit Beginn der Herbstpflanzperiode machen sich viele Gartler Gedanken über Neupflanzungen im eigenen Garten. Was kann man ändern, was kann man verschönern? In den Baumschulen und Gartencentern werden neben den vielen Bäumen, Sträuchern und Stauden auch Kletterpflanzen angeboten. Die Unwissenheit über diese Pflanzenart hält viele davon ab, sie zu verwenden.

Fassadenbegrünung ist eine Platz sparende Methode, auch in kleinen Gärten wirkungsvolles Grün zu bekommen. Seit jeher wurden Kletterpflanzen dazu verwendet, die Architektur von Häusern und Gebäuden zu betonen, Bausünden zu kaschieren oder einfach kahle Wände zu gliedern und zu begrünen. In mittelalterlichen Stadtkernen kann man dies oftmals bewundern und die wohltuende Wirkung auf das menschliche Gemüt erleben. Die Furcht vor Ungeziefer und Bauschäden ist ebenso unbegründet wie die Angst vor zu hohem Pflegeaufwand. Kletterpflanzen schützen die Hauswände vor Wind und Wetter und halten das Fundament trocken. Sie helfen das Haus zu temperieren und verbessern das Kleinklima. Kletterpflanzen sind ein einfacher Beitrag zur Hausisolierung. Und sie machen die Architektur lebendig.

Um die richtige Kletterpflanze für sein Gebäude zu finden, sollte man über die Wuchseigenheiten der verschiedenen Kletterpflanzen und über ihre Art zu klettern Bescheid wissen.

Schlinger
Sie umwinden ihre Stütze mit dem gesamten Spross. Die Triebspitze klimmt zunächst senkrecht nach oben und beginnt dann in kreisförmigen Wachs-tumsbewegungen herumzutasten, bis sie einen geeigneten Halt gefunden hat. Erst wenn der Spross fest an der Stütze sitzt, entwickeln sich die Blätter. Bei senkrecht gespannten Drahtseilen kann man diese mit den Pflanzen zur Renovierung der Fassade abhängen. Dazu gehören u.a. Feuerbohne, Hopfen, Geißblatt, Knöterich, Blauregen, Pfeifenwinde und Baumwürger.

Ranker
Hier haben sich Ranken als spezielle Kletterorgane entwickelt. Sie sind elastisch und umwickeln ihre Stütze mit besonders langen Blattstielen. Die Ranke führt kreisförmige Suchbewegungen aus und rollt sich zusammen, sobald sie einen festen Halt gefunden hat. Benötigt gitterartige Konstruktionen.  Waldrebe, Duftwicke, Wilder Wein, Passionsblume.

Selbstklimmer (Selbstkletterer oder Haftwurzler)
Sie bilden Haftorgane aus, rankende Haftscheiben, und brauchen keine zusätzlichen Kletterhilfen, Selbsklimmender Wein und Efeu, Kletterhortensie.

Spreizklimmer
Sie verfügen über keine besonders ausgebildeten Kletterorgane, sondern schieben sich mit ihren Trieben an größere Pflanzen empor, wobei sie sich mit Dornen, Stacheln oder Seitensprossen festkrallen z.B. Kletterrosen, Brombeeren und Winterjasmin.

Spalierobst
Streng genommen gehören diese Pflanzen nicht zu den Kletterpflanzen, doch lassen sich mit ihnen Wände, Mauern und freistehende Gerüste reizvoll und nutzbringend begrünen. Spaliere waren schon immer eine ästhetische Bereicherung für alle Arten von Gebäude. Gerade mit Spalieren lässt sich die Architektur jedes Gebäudes besonders hervorheben, sofern das Spalier auf die Architektur abgestimmt ist.

Hängepflanzen (auch Ampelpflanzen)
Einige Pflanzen klettern nicht nur in die Höhe, sie wachsen auch frei nach unten hängend. Mit diesen Hängepflanzen kann man große Balkonbrüstungen oder Mauern, die man unten nicht bepflanzen kann, begrünen.

Alle Pflanzen benötigen einen ausreichend feuchten und nahrhaften Boden. Immergrüne Gewächse bevorzugen eher einen schattigen bis halbschattigen, während sommergrüne Pflanzen halbschattigen bis sonnigen Standort brauchen.