Buchsbaumtriebsterben (© C. Jobst)

Neues vom Buchsbaumzünsler

Starkes Auftreten des Buchsbaumzünslers in Alt- und Neuötting

Seit langem zieren sie unsere Gärten, freiwachsend oder geschnitten in kleinen Formhecken, als Kugeln, Pyramiden oder sonstigen Figuren. In den barocken Schlossgärten waren sie das grundlegende Stilelement und in den Bauerngärten hatten sie eine lange Tradition.

Der Schrecken aller Gartenbesitzer, die Buchsbäume ihr Eigen nennen, ist der Buchsbaumzünsler (lat. Cydalima perspectalis).  Bei diesem Schädling handelt es sich um einen Falter, weiß mit schwarzem Muster und braunen Außenrändern an den Vorderflügeln, der seine Eier an den äußeren Blättern des Buchsbaums ablegt. Daraus schlüpfen grüne, schwarz gepunktete Raupen, die bis zu 5 cm lang werden können und erst die Blätter des Buchsbaumes und anschließend sogar die Rinde an den Ästen fressen. Dabei können die Pflanzenteile des Buchsbaums oberhalb der Fraßstelle absterben. Stark befallene Pflanzen sehen meist beigegelblich aus, haben wenige Blätter, dafür häufig Nester mit eingesponnenen Raupen. Vermutlich wurde der Buchsbaumzünsler vor einigen Jahren aus Ostasien eingeschleppt und tritt seitdem unterschiedlich stark in der Region auf.

Der Falter, der nur ca. 8 Tage lebt, sitzt vornehmlich an der Unterseite der Blätter des Buchsbaums und legt in dieser Zeit seine Eier. Bei guten klimatischen Bedingungen entsteht von Frühjahr bis Spätsommer, ca. alle 2 Monate eine neue Generation, also bis zu vier Buchsbaumzünslergenerationen pro Jahr. Ein Falter kann bis zu 150 Eier ablegen. Optimale Bedingungen zur Entwicklung der Zünsler sind Temperaturen zwischen 18 und 30 °C. Die letzte Generation überwintert zwischen den Blättern und Ästen des Buchsbaums in einem Kokon aus verklebten Blättern und Spinnweben zum Schutz vor Kälte und vor Angreifern. Dieser Umstand erschwert auch die Bekämpfung der Schädlinge.

Der Befall beginnt meistens an den unteren Ästen des Buchsbaums. Die Schäden sind gering. Erst bei fortschreitendem Befall wird auch das Innere der Pflanze geschädigt. Wegen der dicht bewachsenen Äste und der dichten Verzweigung ist es allerdings schwierig, einen Befall frühzeitig zu erkennen. Erst wenn am Außenbereich der Pflanze zahlreiche Blätter angefressen sind, ist der Befall deutlich zu erkennen. Auch beginnt der Buchsbaumzünsler damit, die Rinde der Äste oder sogar schon jüngere Zweige des Buchsbaums zu fressen und  zum Schutz vor Kälte und Regen sich einzuspinnen, was einem Gespinst wie ein Knäuel aus dichten Spinnennetzen ähnelt.

Betroffen sind vor allem die in Deutschland beheimateten Arten „Gewöhnlicher Buchsbaum“ (Buxus sempervirens) und der seltener vorkommende „Kleinblättrige Buchsbaum“ (Buxus microphylla). Ein befallener Buchsbaum stirbt nicht zwangsläufig ab, sondern kann sich durchaus wieder erholen, sofern er ansonsten gesund ist und die Nährstoff- und Wasserversorgung gewährleistet ist. Bei wiederholtem Befall der Pflanze durch den Schädling wird allerdings ein Überleben der Pflanze immer schwieriger und sollte deshalb nach Möglichkeit vermieden werden.

Das rechtzeitige Erkennen des Befalls ist die Grundlage einer erfolgreichen Bekämpfung. Daher empfiehlt es sich im Frühjahr, seine Buchsbäume regelmäßig auf Befall zu inspizieren, wobei Pheromonfallen unterstützend verwendet werden können, aber die regelmäßige Sichtkontrolle nicht ersetzen.

Der Hobbygärtner sollte bei Befall der Buchsbäume durch Buchsbaumzünsler die Schädlinge zuerst per Hand von den Buchsbäumen absammeln. Ist der Befall großflächiger, so kann man die Buchsbäume mit einem Hochdruckreiniger abspritzen, wobei die Spritzdüse in den Buchsbaum hineingehalten werden muss. Die heruntergefallenen Schädlinge einsammeln und vernichten. Durch Auslegen einer wasserdurchlässigen Folie verhindert man das Eindringen der abgeschwemmten Schädlinge in das Erdreich.

Zusätzlich können die Raupen mit einem Bacillus thuringiensis – Mittel (z. B. Neudorff Raupenfrei) oder mit Neem behandelt werden. Beide Biomittel wirken recht gut. Eine einmalige Behandlung reicht aber meistens nicht aus. Auch ist es schwierig, ohne entsprechende Hochdruckspritzen das Insektizid an den Schädling heranzubringen, der oft im Innern des Buchsbaumes und manchmal noch geschützt durch ein Gespinst sich seiner zerstörerischen Fraßtätigkeit hingibt. Wichtig ist, dass die Spritzbrühe vor allem das Innere des Buxes ausreichend benetzt. Das Einsetzen von Insektiziden kann also nur eine zusätzliche Bekämpfungsmaßnahme sein, ersetzt aber nicht alle anderen Maßnahmen. Insektizide dürfen auf keinen Fall vorbeugend angewendet werden, sondern erst bei Befall und dann unbedingt bis in das Zentrum der Pflanze spritzen. Auch dürfen im Hausgarten nur Insektizide verwendet werden, die in Deutschland für Haus- und Kleingärten zugelassen sind. Die Ausbringung von nicht zugelassenen Präparaten in Hausgärten ist laut Pflanzenschutzgesetz verboten und kann mit einer empfindlich hohen Geldbuße belegt werden.

Wurde der Buchsbaum durch den Befall stark geschädigt, kann ein starker Rückschnitt das Gehölz noch vor dem endgültigen Absterben bewahren. Im darauf folgenden Frühjahr können die Äste neu austreiben, allerdings ist dann peinlichst genau darauf zu achten, dass bei Neuaustrieb der Buchsbaum auf keinen Fall erneut befallen wird. Sonst ist dieser nicht mehr zu retten.

Nur in Extremfällen sollte das letzte Mittel der Bekämpfung die vollständige Rodung der befallenen Buchsbäume sein. Damit sich der Schädling nicht weiter ausbreiten kann, sind Kleinmengen von abgeschnittenen Buchsbäumen luftdicht verpackt in den Restmüll zu geben, der im Müllheizkraftwerk verbrannt wird. Größere Mengen von befallenen Pflanzen können in Kompostieranlagen entsorgt werden. Bei der Kompostierung der Bioabfälle entstehen so hohe Temperaturen, dass der Buchsbaumzünsler als auch seine Raupen und Eier die rund 70 Grad warme Hygienisierungsphase im Kompostwerk nicht überleben. Es besteht also keine Gefahr, dass der Buchsbaumzünsler über den Kompost weiter verbreitet wird.