Im überreifen Zustand haben die Beeren der Felsenbirne den höchsten Vitamingehalt.

Vergessene Wildfrüchte

Ab dem Spätsommer bis zu den ersten Frosttagen können wir nicht nur die bekannten Obstarten und Beeren, wie Stachel-, Johannis-, Josta-, Brombeere und Himbeere sondern auch viele Wildfrüchte ernten. Unsere Vorfahren, die keine Möglichkeit hatten, ihre Speisekammer im Supermarkt aufzufrischen, sammelten Wildfrüchte wegen ihres Vitamingehaltes und der gesundheits-fördernden Stoffe. Auf die Verwendung verschiedener Pflanzenteile von Wildgehölzen zur Bereicherung des Speiseplanes und zur Behandlung mancher Krankheiten war man früher angewiesen. Dieses Wissen ist leider zwischenzeitlich fast in Vergessenheit geraten. Aber immer häufiger treten Produkte wie Marmeladen, Liköre, Gelees, Eingemachtes und Säfte aus Wildfrüchten auf, die nicht nur gesund sondern vor allem auch sehr wohlschmeckend sind.

Felsenbirne, Kornelkirsche, Schlehe, Sanddorn und Hagebutten sind die Rohstoffe für Marmeladen, Gelees und vielen anderen Köstlichkeiten. Der Kreativität der Hausfrau sind dabei keine Grenzen gesetzt. Ob als Brotaufstrich oder als Mus zu einer Mehlspeise und zu einem Wildbraten, auch in der Gourmetgastronomie haben diese Naturprodukte wegen ihres charakteris-tischen Aromas ein hohes Ansehen.

Scheinquitte, Zier- und Wildapfel, Eberesche, Berberitze und Schwarzer Holunder werden erst durch Kochen oder andere Aufbereitungsarten essbar. Gerade der Schwarze Holunder ist für uns wegen seiner vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten ein Segen der Natur. Ob als Marmelade, Gelee, Saft, Likör, Sekt oder Tee, die Holunderprodukte sind wohlschmeckend und gesundheitsfördernd. Holunder war für die Volksmedizin ein wichtiger Bestandteil. Der Volksmund sagt: „Wenn du am Hollerbusch vorbeigehst, dann zieh deinen Hut“. Ein Ausdruck hoher Wertschätzung für ein Segen bringendes Wildgehölz. Wichtig ist nicht zu vergessen, dass die Früchte des Schwarzen Holunders roh gegessen giftig sind. Erst durch Kochen der Beeren oder Dampfentsaften wird der Giftstoff, ein Blausäure abgespaltetes Glykosid, neutralisiert.

Wer Wildfrüchte erntet und verarbeiten will, sollte diese Früchte aber auch genau kennen. Wir dürfen nicht vergessen, dass es auch ungenießbare und giftige Wildfrüchte gibt. Dazu zählen vor allem Tollkirsche, Heckenkirsche, Eibe, Pfaffenhütchen und einige mehr.
Vor allem unsere Kinder sollten wir frühzeitig den Umgang mit Wildbeeren lehren, damit sie essbare von giftigen Früchten unterscheiden können. Das Verbannen giftiger Pflanzen aus dem eigenen Garten ist kein dauerhafter Schutz für unsere Kinder. Denn man findet sie überall, in öffentlichen Anlagen, in Nachbars Garten, am Schulweg und in der freien Natur.