Blume (G. Lorenz)

Vorgärten, Aushängeschilder einer Siedlung

„Den eigenen Garten kann man ganz nach seinen Bedürfnissen, Vorstellungen und Möglichkeiten gestalten, mehr noch als das Haus. Das gilt für Vorgärten genauso. Daher lässt sich bei einem Spaziergang durch eine Siedlung recht gut ablesen, wer hinter der jeweiligen Haus- und Gartentüre wohl wohnen mag. Es gibt dezente, zurückhaltende Vorgärten und solche, die vor Fülle und Dekoration überquellen, ganz sachlich funktionale Bereiche oder romantisch verspielte. Manche Hausbesitzer gewähren allem, was Räder hat, den Vorrang, während andere die Garagenzufahrt begrünen. Wo Einblick unerwünscht ist, wird der gesamte Garten mit Mauern oder undurchsichtigen Hecken umschlossen, andernorts öffnet er sich dem Straßenraum. Oft verraten Gestaltung und Materialauswahl die finanziellen Möglichkeiten der Besitzer. Es gibt traditionelle und moderne Vorgärten, angepasste und sehr individuelle, pfiffige und auch langweilige. Kurzum, der Streifen zwischen Haus und Straßenraum ist zusammen mit der Hausfassade so etwas wie ein Aushängeschild.

Nicht selten spiegeln die Vorgärten nicht nur die Individualität ihrer Besitzer, sondern auch das nahezu globale Angebot der Baumärkte und Gartencenter wider. Das wirkt nicht immer überzeugend.“ So beginnt das Fachblatt „Vorgärten“ des Bayerischen Landesverbandes für Gartenbau und Landespflege e.V..

Die Vorgärten sind das Bindeglied zwischen Straßenraum und Bauzone. Ihnen ist zu verdanken, ob eine ländliche Siedlung für den Besucher gut durchgrünt ist, lebenswert oder eher trist und schlimmstenfalls abweisend erscheint. Dem Grundstücksbesitzer sind außer ein paar wenigen grünordnerischen Festsetzungen des Bebauungsplanes keine Grenzen gesetzt. Während viele ihren Vorgarten als eigene Visitenkarte und Willkommensgruß betrachten, ist er für manche eher eine Belastung. Eine Freifläche, die gepflegt werden muss, aber nicht genutzt wird. Wer will schon seine Freizeit im Liegestuhl im Vorgarten verbringen, auf dem Präsentierteller, sichtbar für alle Passanten. Da der Fuhrpark vor allem bei Familien mit Kindern immer größer wird, ist es keine Seltenheit, dass die Garagenzufahrt oftmals breiter ist als die vorbeiführende Straße. Eine gestalterische Disharmonie, die bei reiflicherer Überlegung meistens zu vermeiden wäre. 

Eine andere Notwendigkeit ist die Unterbringung von Wertstoff- und Restmülltonnen. Nicht jeder hat die Möglichkeit, diese sperrigen Tonnen in der Garage oder in einem Nebengebäude unterzubringen. Damit sie vom Haus gut erreichbar und leicht zum Abtransport an den Straßenrand zu schieben sind, stehen sie häufig in der Zufahrt oder im Vorgarten, so dass jeder Besucher vor allem bei warmem Wetter durch die Geruchsbelästigung gleich erraten kann, was es zu essen gibt. Durch Holzpalisaden, durch Eingrünung mittels einer geschnittenen Hecke oder durch gefällige Verkleidungen aus Holz oder Metall, die mittlerweile der Handel anbietet, kann man die Abfallbehälter auch im Vorgarten integrieren. Sein Eigentum nach außen abzugrenzen ist für viele Gartenbesitzer ein Bedürfnis. Hierbei muss man aber darauf achten, welche Festlegungen der Bebauungsplan wegen Einzäunung hat. In manchen Baugebieten ist ein Zaun nur auf Höhe der Häuser zulässig, so dass durch die offene Vorgartengestaltung vor allem bei engeren Siedlungen eine gewisse Großzügigkeit entsteht. Da die Einfriedung nicht nur zur Abwehr ungebetener Gäste dient, sondern vor allem die Visitenkarte der Gartenbesitzer ist, sollte die Art des Zaunes nicht nur in das Ortsbild, sondern auch zu der Architektur des Hauses und zum Garten passen. Leider haben sich auch übergroße Sichtschutzzäune aus massiven Holzkonstruktionen und Steingabionen, die aus dem Wildbachverbau stammen, durchgesetzt.

Das wichtigste Gestaltungselement im Vorgarten sind aber die Pflanzen, die durch ihre Blätter, Blüten, Aussehen und Größe Leben in ein Siedlungsbild bringen und ganz individuell die Fläche dem Besitzer zuordnen. Selbst an Häusern ohne Vorgärten, wo der Gehsteig bis an die Fassade heranreicht, ist meistens eine Begrünung durch Kletterpflanzen noch möglich. Auch bei der Pflanzung von Bäumen ist der Bebauungsplan heranzuziehen, der meistens vorsieht, dass an bestimmten Stellen bestimmte Bäume gepflanzt werden müssen, damit eine gewisse Durchgrünung des Baugebietes gewährleistet ist.