Wie schneiden wir?

Erziehungsschnitt:
einige Jahre zum Kronenaufbau

Auslichtungsschnitt:
jährlicher Überwachungsschnitt

Verjüngungsschnitt:

  • um den Baum wieder zu jungem Trieb anzuregen
  • wenn die Äste lang und schwach sind
  • wenn ein größerer Baum gepflanzt wird

(© G. Lorenz)





Erziehungsschnitt

Ausführung des Schnittes:
Der Schnitt sollte knapp über dem Auge, jedoch ohne dieses zu verletzen durchgeführt werden.

(© G. Lorenz)





Schnitt eines Seitenastes:

Wichtig beim Zuschnitt ist, keine Stummeln stehen zu lassen, da diese eintrocknen und die Verheilung der Wunde hemmen können. Stumpfe Scheren erzeugen Quetschwunden die schlecht verheilen.

(© G. Lorenz)




Pflanzschnitt

Wir lassen nur einen Mitteltrieb (SV) und drei Seitenäste (L) stehen, da nicht mehr benötigt werden. Die Seitenäste sollen gleichmäßig verteilt sein. Sind nur zwei Seite-näste vorhanden, so wird der dritte später weiter oben nachgezogen. Die drei Seite-näste werden, wenn erforderlich, in die gleiche Schräge von ca. 45 Grad gebracht und zwar durch Abspreizen oder Hereinbinden. Nur Äste der gleichen Schräge treiben gleichmäßig stark aus. Der Rückschnitt erfolgt so weit, daß das Ziel des Schnittes (siehe oben) erreicht wird. Es ist auf die "Saftwaage" zu achten, d.h. höherstehende Seitentriebe werden kürzer geschnitten, da sie günstiger zum Saftkreislauf stehen und deshalb besser wachsen.



Merksatz:

  • Je senkrechter ein Seitenast steht, um so stärker wächst er.
  • Je waagrechter ein Seitenast steht, um so schwächer wächst er, aber um so eher fruchtet er.
  • Bei Seitenästen soll das oberste Auge nach außen stehen und beim Mitteltrieb so, daß die Stammverlängerung gerade wird.

(© G. Lorenz)

Weiterer Erziehungsschnitt in den folgenden Jahren

Bei normal wachsenden Bäumen werden jährlich die Seitenastverlängerungen und die Stammverlängerungen um die Hälfte eingekürzt. Die nebenstehende Skizze zeigt einen Baum im 3. Standjahr nach dem Schnitt. Der besseren Übersicht wegen wurde der 3. Seitenast weggelassen. "Saftwaage" beachten! d.h. alle drei Seitenäste, auch Leitäste genannt, müssen auf gleiche Höhe geschnitten werden. Die drei Leitäste müssen auch die gleiche Schräge von 45 Grad haben. Evtl. noch weiterhin spreizen und binden. An den drei Leitästen werden Triebe, die nach innen wachsen, entfernt oder zumindest eingekürzt. Triebe, die nach außen wachsen, bleiben dagegen unbeschnitten. An den Leitastverlängerungen werden keine Konkurrenztriebe geduldet. Am Mittelast, auch Stammverlängerung genannt, wird keine weitere Astserie mehr anberaumt, sondern nur möglichst waagrecht stehendes Zweigwerk gezogen, welches die Belichtung des Kroneninneren nicht beeinträchtigt und Früchte trägt. Alle Obstarten bedürfen dieses Erziehungsschnittes! Kleine Unterschiede bestehen darin, daß z.B. die Kirsche keine so starken Äste benötigt und von selbst lichtere Kronen bildet. Sie braucht deshalb nicht so stark geschnitten werden. Die Äste der Hauszwetschge wachsen immer zu steil und müssen deshalb öfter ausgespreizt werden. Bei der Birne neigt die Stammverlängerung immer zu sehr starkem Längenwachstum und muß öfter stark zurückgenommen werden, damit die Leitäste nicht verkümmern. Die Walnuß braucht meist gar keinen Schnitt, sondern nur gelegentlich eine kleine Korrektur. Nach ca. 5-6 Jahren ist der Erziehungsschnitt abgeschlossen und wir gehen zum

Überwachungsschnitt

über.

Die Leitastverlängerungen und die Stammverlängerung werden nicht mehr eingekürzt, wenn es das Gleichgewicht der Krone nicht verlangt. Es werden nur Zweige und kleinere Äste entfernt oder eingekürzt, die zu dicht stehen, sich kreuzen oder nach innen wachsen.


Verjüngungsschnitt

Wenn der Obstbaum trotz bester Pflege keinen ausreichenden Neutrieb mehr bildet, wird er verjüngt, d.h. die Äste werden auf Seitenzweige gesetzt.

(© G. Lorenz)



Je nachdem, ob man eine Astverlängerung nach unten oder oben stehen läßt, kann man die spätere Wuchsrichtung des Astes bestimmen. Zu waagrecht wachsende Äste werden wir dadurch aufrichten, und zu steile Äste nach außen ableiten. Es ist immer eine Aststellung von 45 Grad anzustreben und die Saftwaage bei den Leitästen zu beachten. Grundsätzlich werden wir vor dem Verjüngungsschnitt erst die Krone kräftig auslichten und alle dürren Äste entfernen. Bei hohen Birnbäumen die Stammverlängerung kräftig zurücknehmen. Bei Apfel- und Birnbaum auch altes, abgetragenes Fruchtholz entfernen. Sauerkirschen und Pfirsiche tragen nur am jungen Holz und müssen deshalb öfter, in Erwerbsanlagen jährlich, verjüngt werden. Zur besseren Belichtung der einjährigen Triebe werden deshalb bei diesen beiden Obstarten oft auch die Mitteläste entfernt.

Nach dem Verjüngungsschnitt entstehen oft, besonders an zu waagrecht stehenden Ästen, sogenannte Wasserschosse.

(© G. Lorenz)

Die Wasserschosse, die besser Verjüngungs- oder Kronen-Erneuerungstriebe genannt werden sollen, werden zur Neubildung von Fruchtholz dringend benötigt. Bei zu dichtem Stand schneidet man die zu steil stehenden und die schwächeren heraus, nicht zu steil stehende läßt man stehen. Sind nur steil stehende vorhanden, so werden die zur Erneuerung des Fruchtholzes benötigten, eingekürzt oder niedergebunden oder man wartet, bis sie fruchten und von selbst herunterkommen. Sollten sie sich zu sogenannten Ständern auswachsen, so kann man sie später immer noch entfernen oder auf einen Seitenzweig ableiten.