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Foto der Herrenmühle um 1900

Foto der Herrenmühle um 1900

Die Geschichte der Herrenmühle

Die Geschichte der Herrenmühle ist sehr eng mit der Geschichte des Mörnbaches (bei der Herrenmühle wird der Mörnbach als Mühlbach bezeichnet) und damit nicht zuletzt auch mit der Geschichte der Städte Alt- und Neuötting verbunden.

Bei der „Bruckmayer-Mühle“ in Altötting wurde wohl schon zum Ende des 12. Jahrhunderts ein Wehr geschaffen, um das Wasser des Baches vom natürlichen Bachlauf, dem Gries, umzuleiten.

Die früheren Kanalbauer erkannten sehr aufmerksam, dass sich hier, bei einer natürlichen Geländestufe von über 10 Metern, eine Ableitung des Baches anbot. Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass die bauliche Gründung der Stadt Neuötting in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Schaffung des künstlichen Bachlaufes steht, der die Stadt bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts auf drei Seiten umrundete. Der Bach bewässerte die Wiesen, die für das Grünfutter von z. B. Zug- und Reittieren benötigt wurden, betrieb Mühlen, lieferte den zahlreichen Gerbereien und Färbereien das nötige Wasser und anderen Gewerben den Wasserdampf. Das Neuöttinger Spital, eine wohltätige Stiftung des 15. Jahrhunderts wäre ohne den Bach wohl kaum oder nicht an dieser Stelle entstanden!

Das ganze Gebiet rings um Altötting, mitsamt dem Mörnbach, stand unter der Herrschaft der Wittelsbacher Herzöge. Das Bestehen der Herrenmühle wird bereits zur Zeit der Errichtung des Stiftes (1228) angenommen. Die Mühle trug damals noch den Namen „Stiftsmühle“. Betrieben wurde die Mühle vermutlich von Müllern, die im Dienste des Stiftes standen.

Im Jahr 1380 erließ Herzog Friedrich von Bayern-Landshut eine Anordnung, die die Mühlen am Mörnbach betraf.  Die erste gesicherte Erwähnung der „Prandt“(Herren-)mühle findet sich in einer Neuöttinger Gerichtsurkunde des Jahres 1441. Auch in einer weiteren Urkunde der Stadt Neuötting aus dem Jahr 1493 wird diese Mühle genannt. Der Name „Prandtmühle“ stammt vom zwischenzeitlichen Betreiber der Mühle, dem Zinsmüller und Lehensmann Conrad Prandt.

Eine „Mörnbachordnung“ des Jahres 1488 regelt die Rechte und Pflichten von Anliegern und Nutzern am Mörnbach noch genauer, als die Anordnung von 1380. Diese Mörnbachordnung wurde 1528 nochmals ergänzt. Dieser Nachtrag ist besonders interessant, da in ihm zum ersten Mal die am Mörnbach bestehenden Mühlen aufgeführt werden. Im Altöttinger Hofmarkgebiet werden die Wiesmühl, die Gißmühle (heute Bruckmayer), Prantlmühle (Herrenmühle) und Pogenmühle (Straßmühle) aufgeführt. Im Neuöttinger Stadtgebiet  werden acht Mühlen genannt: Radlmühle (Wispeck), Mauerberger-, Albrecht-, Lederer-, Steindl-, Subner-, Spatz-, Spital- und Krautmühle.

Der Name „Herrenmühle“ (benannt nach dem Chorheerenstift) taucht erstmalig gegen Ende des 18. Jahrhunderts in einer Notiz im Altöttinger Administrationsarchiv auf. Als in der Säkularisation 1803 das Chorherrenstift aufgelöst wurde, bestand die Möglichkeit die Mühle zu erwerben. Mehrere Müller hatten das Anwesen in ihrem Besitz, bis die Familie Trenker die Mühle im Jahr 1831 kaufte und dann über 100 Jahre lang bewirtschaftete, so dass auch der Name „Trenker-Mühle“ gebräuchlich wurde. Zur Zeit der Trenker bestand die Mühlenanlage aus der Mahlmühle, der Schleifmühle, dem Sägewerk, einer Schreinerei, dem Wohnhaus, Stall und Stadel.

Die Bauten der heutigen „Herrenmühle“ stammen zum Teil noch aus dem Jahr 1902. Bauherr war Alfons Trenker, der auch 2. Bürgermeister der Stadt Altötting war. 1934 verpachtete Alfons Trenker die Mahlmühle und zog sich in seinen gegenüberliegenden Ruhesitz zurück. Neben der Einfahrt der Mühle ließ er eine Kapelle errichten.

Alfons Trenker verstarb im Jahr 1944, wodurch ihm das große Leid erspart blieb, das über die Familie seiner Tochter Maria kam. Deren Ehemann, Martin Seidel, Beamter der Stadt Altötting wurde beim Versuch die Stadt Altötting vor der drohenden Vernichtung vor Kriegsende zu retten durch ein SS-Kommando erschossen. Die Witwe Seidel führte den Mühlbetrieb mit ihren heranwachsenden Söhnen so gut wie möglich weiter. Viele Alt- und Neuöttinger holten das Mehl auf Handkarren oder im Winter mit Schlitten bis weit in die 1960er Jahre noch direkt von der Mühle ab.

Als die Mühle zur Zeit des „Mühlensterbens“ keinen Gewinn mehr abwarf, konnte der Betrieb nicht mehr aufrechterhalten werden. Die Gebäude wurden an einen privaten Interessenten verkauft.

In den 1990er Jahren erwarb der Landkreis Altötting die „Herrenmühle“ und gestaltete sie zu einem Haus für die Jugend, welches vom Kreisjungendring Altötting heute genutzt wird, um.

Wir haben einige Urkunden, Karten und Bilder für Sie zusammentragen können. Sollten Sie über weitere Bilder verfügen, dann melden Sie sich bitte bei Pascal Lang.

Verantwortlich: Pascal Lang

Textquellen:

  • Baumann, Eduard (1993): Von der Stifts-, Prandt- und Herrenmühle zu Altötting. Erschienen in "Oettinger Heimatland" e.V. (Hrsg.): Öttinger Land Band 13. S. 234-241.
  • Klöpper, Klaus (1984): Der Mörnbach – ein Beitrag zur Geschichte des Wasserbaues und der Wasserwirtschaft im Landkreis. Erschienen in "Oettinger Heimatland" e.V. (Hrsg.): Öttinger Land Band 4. S. 86-106.
  • Renate Heinrich, Kreisheimatpflegerin.

Bilder- und Dokumentquellen:

  • Baupläne + Foto Herrenmühle um 1900: Archiv des Landkreises Altötting
  • Lithografie: Neuötting, Stadtansicht von Süden, Ausschnitt aus der Lithografie von Josef Günther, 1848, Stadtmuseum Neuötting, Inv.Nr. 01137
  • Auflistung und Übersichtsplan der Triebwerke am Mörnbach 1926: Klöpper, Klaus (1984): Der Mörnbach – ein Beitrag zur Geschichte des Wasserbaues und der Wasserwirtschaft im Landkreis. Erschienen in "Oettinger Heimatland" e.V. (Hrsg.): Öttinger Land Band 4. S. 86-106.