Weidenkätzchen (c) Pixabay / Hans, 2017

Karwoche und Ostern


Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche, deren Brauchtumsgeschehen aus einem religiösen Ursprung entstanden ist. Nach der Palmprozession werden zu Hause die geweihten Zweige nach altem Brauch auf die Felder gesteckt oder in den Garten gesteckt, das soll nach altemGlauben reiche Ernte bringen. Auch der Hergottswinkel in der Stube erhält ein paar Zweige.
Die Karwoche selbst wird als die Trauerwoche des Herrn genannt. Es sollen keine öffentlichen Feste oder Feierlichkeiten abgehalten werden. Das Tanzverbot wird heute nur noch von kirchlichen Vereinen, Volkstanzgruppen und Trachtenvereinen eingehalten. Nur am Karfreitag ist generelles Tanzverbot, teils eingeschränkt, in allen Bundesländern.

   

Der Palmbuschen

Die Zweige des Weidenbaumes werden am Sonntag vor Ostern zum Palmbuschen gebunden.
Der Überlieferung nach wurde Jesus vom Volk mit Palmzweigen begrüßt. Am Palmsonntag kommen die Buben, inzwischen auch Mädchen, mit Palmbuschen in die Kirche. Nach unserem Glauben erlangt der Palmbuschen durch die Weihe eine große Kraft und bildet somit einen guten Haussegen. Um den Stecken einer Haselstaude,sie schützt vor Blitzschlag und Feuer, wurde ein Buschen aus mehrerlei Grün gewunden. Neunerlei heil- und zauberkräftige Kräuter gehörten früher zu einem Palmbuschen. Die verschiedenen Zweige und Pflanzen bewahrten,so glaubten damals die Leute vor mancherlei Unbill und Krankheit. Palmweide, Buchs, Wacholder, Erfeu, Segenbaum und Thuja gehörten dazu. Der Haselstecken wurde geschält und verziert. Früher glaubte man, die Hexen schliefen besonders gern zwischen Holz und Rinde.
Wer am Palmsonntag als letzter vom Schlaf aufsteht, den darf man den ganzen Tag „Palmesel“ nennen. Das gleiche gilt am Gründonnerstag, da ist man die „Speisfinsterglock'n, am Karfreitag die Karfreitagsratschn, am Karsamstag die  Karsamstagsschlamp'n, am Ostersonntg das „Osterlampe“ und am Ostermontag das „stinkende Ei“- ein lieber Brauch, bei dem man, ohne es einem übel zu nehmen, noch derblecken darf.

   

Gründonnerstag

In der Mundart wird dieser Tag bei uns Speisfinster genannt. An diesem Tag, dem Einsetzungstag des hl. Abendmahles, erfolgte ehemals die Lossprechung oder Entlassung öffentlicher Büßer von Ihren Vergehungen und Kirchenstrafen, und Wiederaufnahme derselben in die Gemeinschaft der Christen (Schmeller I/1507).
„Aus toten Gliedern der Kirche werden wieder lebende, aus dürren Zweigen wieder grüne“. Da die Kirchenbüßer wieder Zutritt in die Kirche erhielten, wurde die Kirche an diesem Tag mit Grün geschmückt. Davon soll dieser Tag seinen Namen erhalten.
Die Eier, die an diesem Tag von den Hühnern gelegt werden, hießen Antlaßeier. Ihnen wohnte nach dem Volksglauben eine besondere Kraft inne. Diese Eier werden heute am Ostersonntag zur kirchlichen Osterweihe getragen. Jedes Familienmitglied soll am Ostertag ein solches Ei bekommen.Es schützt gegen körperliche Schäden, die beim und Tragen und Heben eintreten können.

    

Karfreitagsratschn

Die Karfreitagsratsch'n, ein Holzgerät, das beim Drehen der Kurbel lärmende Töne erzeugt, wird nur am Karfreitag anstatt der Kirchenglocke vor der Kirche eingesetzt. Die Glocken dürfen am Kreuzigungstag Christi nicht läuten.

Wer in der Familie am Morgen als Letztes aufstand, wurde die Karfreitagsratsch'n. Das war  hauptsächlich unter den weiblichen Familienmitgliedern eine lustige Aufmunterung am Morgen.

Früher gingen in der Karwoche die Kinder mit der Karfreitagsratsch'n von Haus zu Haus. Nachdem sie sich bei den Hausbewohnern bemerkbar gemacht haben, stellen sie sich im Halbkreis vor der Haustüre auf. Alle sprechen den folgenden Spruch: „Wir ratschen, wir ratschen zur Karwochzeit und bitten Euch um a bißl a Aufmerksamkeit“. Die weiteren drei Gesetzl können von einzelnen oder von Zweiergruppen oder auch von allen miteinander langsam und deutlich vorgetragen werden, während dazwischen immer kurz geratscht wird:

 

ratschen

Wir suchen den Herrn Jesu  - wo ist er zu finden  
Pilatus laßt ihn mit Stricken schon binden

ratschen
Verurteilt, gekreuzigt für unsere Sünden
wo ist Jesus der Herr, wir wollen ihn finden.

ratschen
Vom Grabe erstanden - Christus erlöst das menschliche Leid,
und so wünschen wir Euch allen eine frohe Osterzeit.

ratschen

(Brauchtum im Jahreslauf im Rottal)

Anschließend kann den Familien ein geweihtes Palmbüscherl übergeben werden oder ein österliches Andachts- und Gebetsblatt mit einem Palmzweigerl oder es wird eine Strophe eines Karwochenliedes gesungen. Die „Karfreitagsratscher“ verabschieden sich wieder und ziehen weiter.

Geistliches Volkslied:
Für mich nahmst du das Kreuz auf dich, o mein Jesus!
Das Kreuz das du trägst, das rühret mich, o mein Jesus!
O mein Heiland, mein Erlöser von dem Tod,
errette mich aus aller Not, o mein Jesus!

    

Karsamstag

Der Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe Christi. Nachdem Jesus am Karfreitag vom Kreuz abgenommen und im leeren Grab des Josef von Arimathäa bestattet wurde, herrschen Trauer und Verzweiflung bei seinen Jüngern.
Die Kirchen sind von allem Schmuck leergeräumt. Der Tabernakel, in dem sonst die Kommunion aufbewahrt wird, steht offen. Dieser Tag ist der einzige katholische Kirchentag des Jahres, an dem keine Messe gefeiert werden darf.

In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag verwandelt sich die Trauer in Freude.
Die Feier der Osternacht ist der Höhepunkt der Liturgie im kirchlichen Jahr. Erst seit 1951 ist die große Feier der Auferstehung nach Einbruch der Dunkelheit erlaubt. Damals legte ein Bescheid aus Rom fest, dass die Osternachtsfeier am Karsamstag  bis auf weiteres erst ab 20 Uhr beginnen darf. Das ist bis heute so geblieben. In vielen Kirchengemeinden ist man dazu übergegangen, die Feier der Auferstehung am frühen Ostersonntagmorgen, kurz vor Sonnenaufgang anzusetzen.

Die Lichtfeier ist der erste Teil der Osterliturgie. Vor der Kirche wird ein Holzfeuer entfacht, ein Ritus fränkischen Ursprungs. Damit sollten heidnische Frühlingsfeuer durch den christlichen Kult verdrängt werden. Die Osterkerze scheint in den antiken Mysterienkulten ihren Ursprung zu haben. Bevor die Kerze brennt, zeichnet der Priester darauf ein Kreuz. An den Enden und im Schnittpunkt der Kreuzarme fügt er fünf  Weihrauchkörner ein – als Zeichen für die fünf Wundmale des gekreuzigten Christus. Die Kerze wird nun am Feuer entzündet und in einer Prozession in die dunkle Kirche getragen. Dabei singt der Priester dreimal „Lumen Christi“ - „Christus, das Licht“.

Die Gläubigen entzünden ihre mitgebrachten Kerzen an der Osterkerze. Danach folgt das „Exsultet“, der älteste Lobpreis auf die christliche Osternacht.

Im Wortgottesdienst werden bis zu neun Lesungen vorgetragen, die Lesung vom Durchzug durch das Rote Meer darf dabei niemals fehlen. In der christlichen Deutung wurde der Durchzug durch das Rote Meer außerdem immer als Bild für die Taufe verstanden: Die Osternacht ist der bevorzugte Tauftermin.

Nach den alttestamentlichen Lesungen erklingt wieder das Gloria, das während der ganzen Fastenzeit nicht gesungen wurde. Auch die Orgel ertönt wieder und es läuten die Glocken. Nach dem Volksmund sollen sie ja am Gründonnerstag nach Rom geflogen sein.

Die Christen feiern in dieser Osternacht die sogenannte Tauferneuerung, bei der sie jedes Jahr ihr Taufversprechen erneuern. Inzwischen werden wieder einige Kinder auf Bemühung des Pfarrers hin  in der Osternacht getauft.


Lied zum Taufbekenntnis:
Fest soll mein Taufbund immer stehn, ich will die Kirche hören.
Sie soll mich allzeit gläubig sehn und folgsam ihren Lehren.
Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad in seine Kirch berufen hat;
nie will ich von ihr weichen.

      

Ostersonntag und Ostermontag

Der Ostersonntag ist das wichtigste Fest für die Christen auf der Erde. Es wird die Auferstehung Christi von den Toten gefeiert. Nach christlichem Glauben überwand der gekreuzigte Jesus den Tod. Er erfüllte damit seinen göttlichen Erlösungsauftrag auf Erden. Der Tod wird nicht als Ende, sondern als Beginn eines neuen Lebens gesehen. Das ist der Glaube und die Hoffnung aller Christen in der Welt.

In Bayern ist es Brauch, dass im Ostergottesdienst die mitgebrachten Speisen der Gläubigen wie Brot, Fleisch, Eier, Salz und gebackene Osterlämmer gesegnet werden. Die Eierschalen werden von strenggläubigen Christen heute noch mit Palmenzweigen auf die Felder und in den Gärten verteilt.
Sie sollen für gutes Wachstum und eine gute Ernte sein.

Wer am Ostersonntag in der Familie als letzter aus dem Bett steigt, wird im Volksmund das „Osterlamm“ für diesen Tag. Damit fängt der Tag schon fröhlich an.

Am dritten Tag nach der Kreuzigung, dem Ostermontag, trafen laut Lukasevangelium zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus einen Unbekannten. Erst später erkannten sie in ihm Christus und verkündeten in Jerusalem die Auferstehung des Herrn.

Am Ostermontag finden in Bayern, z. B. In Traunstein und in manchen anderen Orten Georgi-Umritte statt. Ansonsten wird der Ostermontag für Verwandtenbesuche genutzt.
In der heutigen Zeit wird in den Osterferien oft auch eine Urlaubsreise in den Süden angetreten.

Leider entgehen damit den Familien und Kindern die Feiertage und das  Zusammengehörigkeitsgefühl in den Dörfern und die Brauchtümer zu Ostern.