Bedeutenster Marien-Wallfahrtsort Bayerns- Kapellplatz Altötting (© Medienzentrum Lkr Aö)

Der Landkreis Altötting - ein uralter, geschichtlich gewachsener Raum im altbayrischen Kernland

Die Besiedelung unseres Landkreisgebietes ist nach den Orts- und Flurnamen, sowie den vor- und frühgeschichtlichen Bodenfunden, bereits vor mehreren tausend Jahren erfolgt. Dabei wurden die fruchtbaren Bereiche entlang des Inns, der Isen und hauptsächlich die Altmoränengebiete südlich der Alz wahrscheinlich bevorzugt zur Ansiedlung gewählt. Der tertiäre Norden, der durch die hügelige Landschaft und den umfangreichen Waldbestand als Holzland bezeichnet wird, war für die Menschen damals dagegen weniger attraktiv. Über Jahrhunderte hinweg haben Kelten und Römer die Entwicklung des Raumes beeinflußt. Unter anderem wird den Römern zugeschrieben, das Christentum in diesen Raum gebracht zu haben.

Nach den Römern kamen die Bajuwaren die hier ihr Stammesherzogtum fortführten und durch zahlreiche Reihengräber viele Zeugnisse über ihre Lebensweise hinterließen. Die Agilolfinger legten das Gebiet des Landkreises Altötting als Verwaltungseinheit in Form einer Gaugrafschaft fest. Im 13. Jahrhundert formten die Wittelsbacher aus dieser Struktur im Zuge der Ämterorganisation die ältesten Verwaltungsbezirke Bayerns. Aus der Zeit des agilolfingischen Herzog Tassilo III. (748-788) stammt im übrigen die erste urkundliche Erwähnung von "Oetting", dem Gebiet des heutigen Mittelzentrums der Städte Alt- und Neuötting. Die religiöse Prägung unseres Landkreises begann mit dem von König Karlmann (876-880) gegründeten, durch die Ungarneinfälle vernichteten und von Herzog Ludwig dem Kelheimer (1183-1231) wiedergegründeten Chorherrenstift St. Philipp und Jakob in Altötting. Das Zisterzienserkloster in Raitenhaslach, das im 12. Jahrhundert gegründet wurde, war als größtes und bedeutendstes Kloster dieses Raumes ein Markstein in der religiösen, kulturellen und auch wirtschaftlichen Entwicklung dieser Zeit.

Klosterkirche Raitenhaslach (© G. Lorenz)

Vom ausgehenden 15. Jahrhundert an entwickelte sich die Kreisstadt zum bedeutendsten Marien-Wallfahrtsort Bayerns. Die Folge waren weitere Klostergründungen in Alt- und Neuötting sowie in Burghausen.

Neben Bauernfleiß und beachtlicher bäuerlicher Kultur blühten einst in den Städten Burghausen und Neuötting, aber auch in den Märkten Tüßling und Marktl Handel, Gewerbe und Wohlstand, gepaart mit Kunstsinn, Bürgerstolz und Traditionsbewußtsein. Trotz der Veränderungen, die in den vergangenen Jahrhunderten vonstatten gingen, ist ein außerordentlich vielfältiges und umfangreiches kulturelles Erbe erhalten, das bis in die Gegenwart fortwirkt.

Rückschläge in der Entwicklung des Landkreisgebietes waren Seuchen, Kriege, Hungersnöte, Brand- und Hochwasserkatastrophen, welche die Bewohner in Stadt und Land heimsuchten. So unter anderem im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), im Spanischen (1701-1714) und Österreichischen (1741-1745) Erbfolgekrieg, in den Napoleonischen Kriegen mit den dazugehörenden Seuchen, den Soldateneinquartierungen, dem Hunger, den Zwangsablieferungen, dem Raub und den Plünderungen.