Der Flugzeugabsturz in Ehrnsberg bei Reischach 1944 (Band 29)

Als Geburtsjahrgang 1935 besuchten wir vor 65 Jahren, im Kriegsjahr 1944, in Reischach die dritte Volksschulklasse. Klassenlehrer war Max Berleb. Das Schulzimmer für die beiden zusammen unterrichteten Klassen III und IV war im 1. Stock des sogenannten Oberen Schulhauses (heute Vereinsheim, Aushofener Straße 3) an der Westseite in Richtung Pfarrhof.

Eigene Erlebnisse und Bericht des damaligen Gemeindechronisten

Es war am Dienstag, den 13. Juni 1944; die 10-Uhr-Pause war schon beendet und der Schulunterricht wieder fortgeführt. Um etwa 10.30 Uhr hörten wir plötzlich die Luftschutzsirene und einen ohrenbetäubenden Lärm. Wir sahen von den vier westlichen Fenstern des Schulzimmers aus einem brennenden Flugzeug, das im Tiefflug nahe an Reischach vorrüber mit ziemlich hoher Geschwindigkeit in Richtung Süden, nach Aushofen zu flog. Einige Sekunden später hörten wir einen dumpfen Einschlag und damit war dieses dramatische "Schauspiel" für uns Kinder pflichtgemäß wieder beendet, aber nur vorerst.

Natürlich war es die Neugierde, die uns Buben, aber auch einige Mädchen, trotz Warnung von Seiten des Lehrers bewog, sofort nach Beendigung des vormittägigen Unterrichts in der langen Mittagspause in Richtung Süden nach Aushofen zu eilen, um wegen dieses Vorfalls Genaueres zu erfahren.

Als wir im nahen, nur einen guten Kilometer entfernten Aushofen angekommen waren, sahen wir nichts von dem Geschehen. Man sagte uns dort, der brennende Flieger sei noch weiter südlich, hinter dem Ehrnsbergerhof abgestürzt, worauf wir dann noch weitere 750 Meter nach Ehrnsberg liefen. Hier sahen wir etwa 100 Meter südwestlich des Hofes, ungefähr 20 - 25 Schritte westlich der Straße, die von Ehrnsberg in Richtung Süden hinab nach Vorder- und Hinter - Gmeinholzen führt, in einer Wiese die noch brennenden und rauchenden Reste des hier abgestürzten Flugzeugs, das sich tief in die Erde eingerammt hatte. Blech und viele andere zum Teil brennende Trümmer lagen verstreut rings umher. Wir Kinder schauten folglich alles nur von einer größeren Entfernung, teils unbefangen, teils verängstigt, eine kurze Zeitlang an und gingen dann den Weg zum Teil nachdenklich, teilweise aber auch recht redselig wieder nach Reischach zu unserer Schule zurück.

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