Die "Bockerlbahn" fährt hier gerade um die Kurve bei der Müllerbräukreuzung - heute ist dort Kreisverkehr! (Stadtmuseum Neuötting; Retuschierte Fotografie um 1925)


Der lange Weg zur motorisierten Städteverbindung Alt-Neuötting ab 1906 (Band 27)

Als am 1. Mai 1871 die Bahnlinie Mühldorf - Simbach auf der "Inntalstrecke" nördlich des Inn eröffnet wurde, hatte keiner der um einen Bahnhof konkurrierenden Orte Alt- und Neuötting seine Wünsche durchsetzen können. Die nächstgelegene Haltestation lag nun in Eisenfelden, zwar näher an Neu- als an Altötting, aber immer noch zwei Kilometer vom Stadtplatz entfernt. Letztlich hatte die Wirtschaftlichkeit gesiegt, die sich durch den gewählten Streckenverlauf, links des Inn, den Bau zweier Brücken über den Fluss ersparte. Vorausschauende Bürger Neuöttings scheinen beizeiten erkannt zu haben, dass es klüger war, sich mit der Situation anzufreunden und das Beste daraus zu machen. In Bayern waren zu dieser Zeit zahlreiche Bahnstrecken im Bau, die das Land für Handel und Wandel erschließen sollten. Mit einer Lokalbahn, so der Gedanke, ließe sich der Personen- und Güterverkehr des Umlandes trotzdem erfassen und über Neuötting dem Bahnhof Eisenfelden zuführen. Den Vertretern traditioneller Transportdienste würde die Zustimmung zu ihrer eigenen Konkurrenz zwar schwerlich zu entlocken sein, trotzdem könnte es nicht lange dauern, bis in weiteren Gemeinden die Erkenntnis über die Nützlichkeit eines eigenen Bahnanschlusses erwachte und dann eine Konkurrenz zum Eisenfeldener Bahnhof bildete.

Im Stadtarchiv Neuötting befindet sich umfangreiches Aktenmaterial aus dieser bewegten Zeit. Wann genau und von wem erstmals der Gedanke einer Lokal- oder Trambahn ins Spiel gebracht worden war, lässt sich daraus nicht mehr nachvollziehen, wohl das Wohlwollen und die Unterstützung von privater Seite zu diesem Plan.

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