Die Geschichte des "Kleinen Mannes" im "Großen Krieg" (1914) - (Band 34)

Es ist fast schon eine Binsenweisheit, dass Kriege nicht "ausbrechen", sondern mutwillig angezettelt werden. Als Auslöser des Ersten Weltkriegs gilt das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914: Mitglieder der Studentenorganisation Mlada Bosna ermordeten den österreichischen Erzherzog Fran Ferdinand, seit 1896 Thronfolger von Österreich-Ungarn. Ziel dieser Studentenorganisation war vor allem die revolutionäre Befreiung Bosnien-Herzigowinas von der österreich-ungarischen Herrschaft. Der sich daraus entwickelnde Lokalkrieg zwischen Österreich-Ungarn und Serbien eskalierte durch die gegenseitigen Bündnisverpflichtungen innerhalb weniger Tage zum Kontinentalkrieg unter Beteiligung von Russland (deutsche Kriegserklärung vom 1. August 1914) und Frankreich (deutsche Kriegserklärung vom 3. August 1914). Die politischen Konsequenzen des Schlieffen-Plans führten zudem zum Kriegseintritt von Großbritannien und seiner Dominions (britische Kriegserklärung vom 4. August), somit zum Weltkrieg zwischen den Mittelmächten und der Entente.

Der Erste Weltkrieg hat sich unterschiedlich in das kollektive Gedächtnis der Nationen gebrannt. Während Franzosen und Briten stolz an den "Großen Krieg" (französchisch "La Grande Guerre", englisch "The Great War") erinnern, durchaus aber auch an das große Sterben, ist in Deutschland der Erste Weltkrieg als historische Referenz vom Zweiten völlig überlagert worden. Dieser Krieg ist ein Beispiel dafür, wie nationale Überheblichkeit, arrogante Schlamperei, Dummstolz, Expansionsgelüste und massive Wirtschaftsinteressen so zusammenwirken können, dass aus diesem fatalen Gebräu ein Weltkrieg entsteht, bei dem der "kleine Mann" die Zeche millionenfach mit dem Leben bezahlte. Gleichzeitig gilt dieser vor hundert Jahren ausgebrochene Krieg als die "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts.

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