Jüdische DP-Gemeinde in Altötting

Die jüdische DP-Gemeinde Altötting - eine Spurensuche (Band 38)

Man könnte es auf einen kurzen Nenner bringen: Altötting hat keine jüdische Geschichte. Zwar gab es immer wieder vereinzelt jüdische Bewohner in der Stadt, die Anzahl war aber immer zu gering, als dass diese deutliche Spuren hinterlassen oder das städtische Leben geprägt hätten. Die historischen Gemeindeverzeichnisse geben darüber für das spätere 19. und frühe 20. Jahrhundert Auskunft: 1875 und 1885 ein Jude, 1890 drei, 1900 ganze neuen, 1905 zwei und 1926 wieder nur ein einziger Jude. Für das Jahr 1933 findet sich für den gesamten Landkreis Altötting die Zahl von 10 bis 15 Juden, die "unter dem Druck der damaligen Verhältnisse den Kreis verliessen, um ins Ausland zu übersiedeln. Ein zwangsweiser Abtransport erfolgte nicht". Zu Kriegsbeginn im September 1939 sollen sich noch ein bis zwei Juden im Landkreis aufgehalten haben.

Dies änderte sich nun Mitte des 20. Jahrhunderts auf eine erstaunliche Art und Weise, speziell zu einer Zeit, in der man jüdisches Leben in Deutschland wohl kaum vermutete. In den unmittelbaren Nachkriegsjahren ab 1945/46 verfügte Altötting über eine eigene Jüdische Gemeinde mit teilweise knapp 300 Mitgliedern. Nur sehr schwer kann Licht in diese dunkle Vergangenheit gebracht werden, denn einerseits verließen mit wenigen Ausnahmen die jüdischen Bewohner die Stadt bereits nach wenigen Jahren wieder, zum anderen gibt es keine zufrieden stellende archivalische Überlieferung, da die administrative Zuständigkeit vor allem in Händen der US-amerikanischen Besatzungsmacht und ihrer Militärregierung lag. Insofern kann diese Untersuchung keine umfassenden Erkenntnisse liefern, sondern lediglich ein paar Einzelergebnisse einer jahrelangen Spurensuche festhalten.

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