Heilige Kapelle, Altötting (Foto: Dr. Peter Moser, München)

Die Offenbarung des hl. Johannes und das Bilderrätsel von Altötting (Band 28)

Die Entschlüsselung eines Bilderrätsels

Über dem Westeingang der Heiligen Kapelle in Altötting befindet sich eine im Jahr 1768 vom Bildhauer Johann Georg Lind, einem Bürger zu Burghausen, gefertigte marmorne Plastik, die darstellt, wie der heilige Bischof Rupert von Salzburg die Mutter Gottes als Patronin dieser Kapelle einsetzt und mit den in vergoldeten Großbuchstaben geschriebenen lateinischen Worten ECCE MATER TUA ("Siehe deine Mutter") Das Herzogtum Bayern, das als Frauengestalt "Bavaria" allegorisch wiedergegeben ist, der Heiligen Maria als einer liebevollen Mutter übergibt. Diese Übergabe stimmt die "Bavaria" mit den - ebenfalls in vergoldeten Großbuchstaben geschriebenen - lateinischen Worten SUBTUUM PRAESIDIUM (confugio) zu, für die die Übersetzung ins Deutsche wie folgt lautet: "Unter Deinen Schutz (fliehe ich)." In Auftrag gegeben wurde die Herstellung dieses Kunstwerkes, für die ein Preis in Höhe von 300 Gulden vereinbart wurde, von der Kapell-Inspektion in Burghausen.

Herr Franz Höllmüller, einer der Mesner der Heiligen Kapelle, hat mich auf astrologische Symbole, die auf einem in der oben genannten Plastik dargestellten Steinsockel angebracht sind, aufmerksam gemacht. Auf diesem Sockel steht als Skulptur die Altöttinger Madonna mit dem Jesuskind. Den unmittelbaren Hintergrund bildet eine goldstrahlende Sonne. Beidseitig der Madonna, etwas tiefer positioniert und in kniender Haltung, befinden sich der Heilige Bischof Rupert von Salzburg, vom Beschauer aus gesehen auf der linken Seite, bzw. die "Bavaria", vom Beschauer aus gesehen auf der rechten Seite. Als Vorlage für dieses Rokoko-Kunstwerk, so wird allgemein vermutet, diente eine im "Kurbayrisch Geistlichen Kalender" des Rentamtes Burghausen vom Jahr 1755 erscheinende Abbildung, mit der es bei oberflächlicher Betrachtung im Bildaufbau gewisse Ähnlichkeiten gibt.

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