Die Schließung der Altöttinger Gnadenkapelle als Protest gegen kirchenfeindliche Umtriebe in den Jahren 1934 und 1935

Es verwundert nicht, dass die Nationalsozialisten sich schwer taten, im größten katholischen Wallfahrtsort des deutschsprachigen Raums Fuß zu fassen. Zu bayrisch-patriotisch beziehungsweise kirchlich-loyal war die Bevölkerung eingestellt. Demzufolge war sowohl vor, als auch noch geraume Zeit nach der Machtergreifung 1933 die Bayerische Volkspartei (BVP) die mit Abstand wichtigste politische Kraft in Altötting. Bei der Reichtagswahl 1930 erzielte sie 73 Prozent der Stimmen, die Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) 4,3 Prozent. Ähnlich schnitten die Parteien bei der Landtagswahl 1932 ab: 71,9 Prozent für die BVP, 6,9 Prozent für die NSDAP. Die erste Stadtratswahl im Dritten Reich am 23. April 1933 ergab zum letzten Mal die alten Machtverhältnisse. Die Stimmenmehrheit fiel gewohnt deutlich auf die BVP, sie erreichte elf Sitze im Stadtrat. Die NSDAP kam auf drei Mandate. Doch schon bald sollte sich zeigen, welche politische und religiöse Haltung die neuen Machthaber hatten. Gabriel Mayer, Landtagsabgeordneter und seit 1919 verdienter Bürgermeister von Altötting, wurde am 27. März 1933 dazu gedrängt, sein Amt als Stadtoberhaupt niederzulegen, wenige Wochen später erfolgte am 14. Juli 1933 ein Verbot sämtlicher Parteien mit Ausnahme der NSDAP.  ...