Kleider machen Leute

Kleider machen Leute

Das "Öttinger Gewand" in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts

Kleidung war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts ein Bayern keine Privatsache!

Über Jahrhunderte hinweg regelten Kleiderordnungen, erlassen vom bayerischen Landesherrn, das Erscheinungsbild der Untertanen. Diese Ordnungen waren ursprünglich entstanden, um die Ausgaben für Kleidung (besonders derjenigen der Frauen!) zu mäßigen. Dafür gab es eine Vielzahl von Gründen. Mäßigung diente dem Erhalt des privaten Vermögens aus der Befürchtung heraus, durch besonderen Kleiderluxus Verarmung und Verderben über das Land zu bringen. Zudem gelangte zu viel Geld ins Ausland, besonders in Form der kostbaren Gold- und Silbermünzen. Weiters galt es, die einheimische Industrie vor ausländischer Konkurrenz zu schützen. Dem Zeitgeist entsprach auch die Furcht vor dem Zorn Gottes durch die Sünde der "Hoffahrt", der Angst vor dem Verderb der Moral, der Verführung der Jugend zu Üppigkeit und, wiederum bevorzugt bei Frauen, der Verletzung der Ehrbarkeit, wozu tiefe Dekolletes und zu kurze Röcke zwangsläufig führen würden. Eine wesentliche Überlegung bestand darin, dass bei freier Kleiderwahl vermögende niedere Stände sich das Erscheinungsbild höherer Stände erwerben konnten, wodurch Letztere gezwungen waren, sich, zur Wahrung des optischen Unterschieds, in immer noch größere Ausgaben zu stürzen. ...