Sogenannte Pfennigkerzen (c) Privat

Lichtmess: der einst wichtigste Tag für Bauern und Dienstboten im Altöttinger Holzland (Band 35)

Der historische Ursprung
Der Ursprung liegt in einer heidnischen Sühneprozession, die alle fünf Jahre in Rom abgehalten und nun mit diesem Fest ins Christentum übernommen wurde. Deshalb stand die Kerzenweihe und Lichterprozession im Mittelpunkt und wird das Fest auch "Mariä Lichtmess" genannt. Das Fest ist im 5. Jahrhundert in Jerusalem bezeugt, wurde im 7. Jahrhundert in Rom eingeführt und zunächst am 14. Februar gefeiert. Bei der Berechnung des Tages nahm man im Mittelalter unterschiedliche Ausgangspunkte: Wo Weihnachten am 25. Dezember gefeiert wurde, ergaben die 40 Tage, nach dem Jesus im Tempel dargestellt worden sein soll, den 2. Februar. War aber, wie in der Ostkirche, der 6. Januar der Ausgangspunkt, kam man auf den 14. Februar. Es wird vermutet, dass nach der Verlegung des Weihnachtsfestes auf den 25. Dezember und der Abwanderung von Lichtmess auf den 2. Februar, der alte Festtermin, der 14. Februar, neu gefüllt wurde und so der Valentinstag zustande kam. An Lichtmess wurde der Jahresbedarf an Kerzen für die Kirchen geweiht, die Leute brachten auch Kerzen für den häuslichen Gebrauch zur Segnung. Diese gesegneten Kerzen sollten vor allem in der dunklen Jahreszeit das Gebetbuch beleuchten, oder als schwarze Wetterkerze Unwetter abwehren. Heute wird das früher bedeutende Fest nur noch selten wie früher mit einer Lichterprozession gefeiert. Ein schöner Brauch, der noch jedes Jahr am Kapellplatz in Altötting feierlich begangen wird.

Lichtmess war bis zum Jahr 1912 ein offizieller, gesetzlicher Feiertag. Nach diesem Tag begann die Arbeit der Bauern auf Feldern und Wiesen nach der Winterpause wieder. Als "Schlenkeltag" war Lichtmess ein wichtiger Termin für Dienstboten: an Lichtmess wurde nach Bedarf der Dienstherr gewechselt.

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