Wasser für die Stadt auf dem Berg

Wasser für die Stadt auf dem Berg - die frühe Wasserversorgung der Stadt Neuötting (Band 38)

Auf drei Seiten steil abfallende Hänge, auf der vierten, der Landseite, der Schutz eines mächtigen Stadtgrabens, Stadtmauern mit etwa zwei Meter Dicke, ein mit Eisenspitzen bewehrtes Tor auf der Nordwest- und ein Zugbrückentor auf der Ostseite "Unbezwingbar für den Feind", ist wohl diejenige Eigenschaft Neuöttings, die einem Betrachter zu dieser Lage einfallen mag. Im Ernstfall aber einem mächtigeren Gegner unterlegen: der Trockenheit.

Einige bauähnliche Orte im Umkreis von Neuötting haben, unter dem Gesichtspunkt der Wasserversorgung, eine günstigere Lage: Tüßling im Südwesten liegt in der Ebene, ebenso Neumarkt im Nordwesten und Braunau im Osten oder Burghausen im Südosten, das zwar tief im Salzachtal liegt, aber über Quellen aus den anschließenden Hängen verfügt. Nahe der Stadt auf dem Berg, Neuötting, fließt zwar der natürliche Griesbach und mit dem künstlichen Wasserlauf des Mörnbaches, der wohl mit der Errichtung der Stadt entstand, auch ein Gewässer an der Bergsohle. Quellen treten an der Nordseite des Hanges aus, aber: Wie kam das Wasser hinauf in die Stadt?

Der "neue Markt Ötting" ist um 1200 eine Gründung des wittelsbachischen Landesherrn, ebenso wie viele andere und Märkte zu dieser Zeit. Auch Grundriss und Analge der Stadt lassen sich mit anderen Ortsgründungen vergleichen. Nach dem Bau der mächtigen Stadtmauer gebann im entstandenen Innenbereich der Bau zusammenhängender Häuser, im Fall Neuöttings zweier gegenüber liegender Häuserzeilen. Ein Brunnen wurde bei der Stadtgründung angelegt, was sich aus späteren Archivalien auch erschließen lasst. Ein Brunnen war für die Bewohnbarkeit zwar unumgänglich, aber auf Dauer nicht ausreichend.

Die Wasserversorgung der hochgelegenen mittelalterlichen Stadt Neuötting war kein einzigartiges hiesiges Problem, sondern für jeden vergleichbaren Ort eine Herausforderung.

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