Siehe Bildbeschreibung

"Wie Nadeln im Heuhaufen" (Band 39)

Eine neue mittelsteinzeitliche Fundstelle nahe Altötting

Im Winter 2017/18 konnte eine neue Fundstelle dokumentiert werden, welche difinitiv sicher, wenngleich auch nicht ausschließlich, in die Mittelsteinzeit zu datieren ist. Sie befindet sich auf dem zweiten Plateau der Inn-Hochterrasse am Südrand von Altötting nahe der Ortschaft Unterschlottham in sehr exponierter Lage. Neben wenigen vorgeschichtlichen Keramikscherben, die zwar ohne chronologisch aussagekräftiger Ornamentik keiner besteimmten Kulturgruppe zugeordnet werden kann, aufgrund ihrer Machart aber mit hoher Wahrscheinlichkeit bronzezeitlichen Ursprungs ist, traten auch immer wieder vereinzelte Feuersteinsplitter an die Oberfläche. Auch diese waren anfänglich zeitlich äußerst unempfindlich, da keine weiteren Modifizierungen vorlagen. Einzig auffällig von Beginn an war, dass fast die Hälfte aller Feuerstein-Artefakte verbrannt sind und dadurch starke Craquelierungen aufweisen. Eine ganze Zeit lang galten diese Feuersteine als "allgemein steinzeitlich" und die im halbjährlichen Rhythmus stattfindenden Oberflächenbegehungen brachten immer wieder neue, wenn auch nur einige Stücke hinzu, die jedoch auch nicht zu weiteren Konkretisierung der zeitlichen Stellung beitrugen. Erst im Frühjahr 2018 kamen Artefakte hinzu, die zweifelsohne in die mittlere Steinzeit datieren. Dabei handelt es sich neben zwei Mikrokratzern auch um eine asymmetrisch Mikrospitze mit Schrägendretusche und um das mediale Fragment eines weiteren (wohl schlank-triangulären) Mikrolithen. Dabei wurden vor allem die Mikrolithen als eine Art "Einweg-Projektil" verwendet - kleine, scharfe und spitze Splitter, die nur oberflächlich mit Birkenpech an die Spitze der Pfeile oder auch als Wiederhaken seitlich an die Pfeilschäfte geklebt wurden. Durch diese sehr leichte Befestigungsart war der Verlust der Splitter nach dem Verschießen quasi voll einkalkuliert. Sie zu ersetzten war jedoch damals kein Problem, da sie schnell in großen Mengen herzustellen waren. Aufgrund der Tatsache, das solche Formen und Projektile weder in der Zeit vor, noch in der Zeit nach der Mittelsteinzeit je hergestellt und verwendet wurden, bleibt nach dem Ausschlussverfahren einzig die Möglichkeit der Einordnung in die Mittelsteinzeit selbst.

Die enorme Kleinteiligkeit solcher Funde und der Umstand, dass die Quantität solcher Inventare in unserer Region bislang immer als äußerst gering bezeichnet werden muss, macht Funde dieser Zeitstellung zu etwas ganz Besonderem.

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