Historisches aus Altötting

Eschbachkapelle

Eschbachkapelle

Erinnerung an den Bauernaufstand 1705

Welche Auswirkungen weit entfernte Ereignisse der großen Geschichte haben können, davon erzählt die Eschbachkapelle in Altötting.

Der kinderlose spanisch-habsburgische König Karl II. hatte in seinem Testament den bayerischen Prinzen Joseph Ferdinand, Sohn des Kurfürsten Max Emanuel und Enkel der Margaretha Theresia von Spanien, zum Nachfolger ernannt. Der Prinz verstarb jedoch 1699 noch im Kindesalter, woraufhin Karl testamentarisch Philipp von Anjou, den Enkel des französischen Königs Ludwig XIV. und seiner spanischen Gemahlin Maria zum neuen Erben einsetzte.

Als Karl II. am 1. November 1700 starb, ergriff Philipp sofort Besitz vom spanischen Thron, wogegen der habsburgische Kaiser Leopold I. protestierte. Auch er erhob Ansprüche seiner Familie auf das Erbe, berief sich ebenfalls auf verwandtschaftliche Beziehungen und rüstete zum Krieg, den Prinz Eugen von Savoyen, kaiserlicher Feldherr, 1701 in Italien eröffnete. Auch Großbritannien, vertreten durch den Feldherrn Marlborough, trat in der Großen Allianz, zusammen mit Holland, Preußen, Hannover, Portugal und dem Deutschen Reich in den Krieg gegen Frankreich ein, das mit den Kurfürsten von Bayern und Köln sowie anfangs mit dem Herzog von Savoyen verbündet war, der später die Seiten wechselte.

1704 erlitt das französisch-bayerische Heer bei Höchstädt eine vernichtende Niederlage, der bayerische Kurfürst musste fliehen. Bereits ab 1703 zogen plündernde und brandschatzende Soldaten des österreichischen Kaisers durch bayerische Gebiete. Die kaiserlich-österreichischen Truppen erhoben untragbare Steuern und Kriegslasten und als die kaiserliche Armee schließlich daranging, bayerische Burschen und Männer zwangsweise als Soldaten zu rekrutieren, kam es 1705 zum Aufstand. Denn nicht nur, dass die Männer zum Kriegsdienst eingezogen wurden, wobei viele ihr Leben verloren, daheim fehlte ihr Arbeitskraft und die Höfe hatten zudem die durchreisenden Soldaten zu verköstigen. Die Brennpunkte lagen in der Region in Burghausen, Braunau und im angrenzenden Niederbayern. Doch auch im Altöttinger Umland kam es zu Kampfhandlungen, bei denen der Tod von Ehemännern, Vätern, Brüdern zu beklagen war, wie eine Kapelle heute noch berichtet.

Um das Jahr 1750 entstand die „Eschbachkapelle", eine kleine Flurkapelle, deren Erbauung das Gedenken an mehrere Bauern der Umgebung aufrecht hält, die beim Anmarsch zur Einnahme des Mörmoosener Pfleghauses von österreichischen Husaren niedergemacht worden waren. Im Jahr 1990 wurde die Kapelle an einem anderen Standort an der Mühldorfer Straße neu aufgebaut. Erhalten ist noch die spätbarocke Kreuzigungsgruppe darin. Auf einer Holztafel in der alten Kapelle waren die Namen der Umgekommenen vermerkt: der „Sebald in Feuchter, Schmid in Lindach, Fuchs in Reith, Zwieselsberger aus Kastl, Pöhler (Bichler) und Weglehner aus der ehemaligen Pfarrei St. Georgen.

Der Aufstand endete 1705 vor Sendling, mit einem entsetzlichen Gemetzel, das die ungarische Kavallerie unter den Bauern anrichtete.

Wie viele Bauern aus den Pfarreien des heutigen Landkreises Altötting seinerzeit ums Leben kamen und wie ihre Namen lauteten, kann in der heimatkundlichen Schriftenreihe „Oettinger Land" nachgelesen werden (Band 25/2005).

Kerkerchristus
Barbara-Gruppe
Kerkerchristus Barbara-Gruppe

Bedeutende Künstlerfamilie aus Altötting

Nicht ganz in der Mitte zwischen der Graminger Höhe und dem Kapellplatz liegt ein stattliches Anwesen, der Schwanthalerhof bei Altötting. Vor rund 260 Jahren stand er im Eigentum der Hofmark Altötting und war als halber Hof mit Erbrecht für den ihn bewirtschaftenden Bauern eingestuft. In der ehemaligen Gemeinde Unterburgkirchen befindet sich ebenfalls ein namensgleiches Anwesen nämlich „Schwanthal im Loch“, zu jener Zeit ein Viertelhof, zum Lehenhof Burghausen gehörig.
Der Name Schwanthal, auch „Schweinthal“ geschrieben, leitet sich ab vom Mittelhochdeutschen „sweinen“ – roden.
Verschiedene Personen der Namensform „Schwanthaler“ finden sich in der Umgebung wieder. So heiratete Adam Schweinthaler im Jahr 1687 auf den Zipferbauernhof zu Altötting und wurde der Stammvater der späteren Altöttinger Spedition Schwanthaler. Ein Adam Schwainthaller, sicherlich ein Verwandter, findet sich um 1690 als Bürger und Bierbräu in der Stadt Neuötting. In den Jahren 1700, 1703 und später lassen sich dort weitere Angehörige dieses Namens feststellen, die Sebastian, Maria und Josef hießen.

Ungefähr zu dieser Zeit, vor rund 380 Jahren trug sich etwas rätselhaftes zu! In einer Familienchronik in der Gemeinde Feldkirchen bei Mattighofen im Innviertel findet sich eine interessante Eintragung: Flüchtlinge hätten sich vor den Schweden, die im 30jährigen Krieg in Bayern eingedrungen waren, auf Einladung des Pfarrers in den dortigen Pfarrhof gerettet, wo sie etwa ein Jahr lang blieben. Ihr Familienname war „Schwabenthaler“, später „Schwanthaler“. Die Familie ließ sich schließlich in Ried nieder, das wie das gesamte Innviertel, bis 1779 zu Bayern gehörte. Hans Schwabenthaler verheiratete sich am 24. Oktober 1633 mit Katharina Oeberl, Tochter des Hoffischers Christoph Oeberl aus Trostberg.
Das Ehepaar gilt als Begründer einer Familien-Künstlertradition, die schließlich sieben Generationen von hervorragenden Bildschnitzern aufwies. In dieser Zeit wechselten sich die Stilrichtungen vom Frühbarock bis zur Romantik ab. Mit Ludwig Schwanthaler, der die „Bavaria“ in München schuf, erlebte die Familie im Klassizismus ihren Höhepunkt.

Nach der Quellenforschung (Max Bauböck, Benno Ulm) kann die Herkunft der herausragenden Künstlerfamilie Schwanthaler tatsächlich auf die Umgebung von Altötting zurückgeführt werden. Leider haben sich nicht viele Werke der Familie Schwanthaler in der näheren Umgebung erhalten. Der Kerkerchristus in der Neuöttinger Spitalkirche wird den Schwanthalern zugeschrieben. Auf ein besonders ausgereiftes Kunstwerk des Altöttinger Nachfahren von Hans Schwanthaler, Thomas (1634 – 1707), darf aber hingewiesen werden. Er war der bedeutendste Vertreter der Familie in der Barockzeit und schuf ein eindrucksvolles Werk, das in der kleinen südlichen Seitenkapelle der Pfarrkirche in Schalchen bei Mattighofen zu bewundern ist: die berühmte Barbara-Gruppe. Barbara, eine der „hl. drei Madl“, soll von ihrem Vater wegen ihres Festhaltens am Glauben enthauptet worden sein. Die Schnitzgruppe besteht aus drei überlebensgroßen Figuren, der knienden Barbara, dem Henker, der mit dem Schwert weit ausholt, und einem Engelputto, der der Märtyrerin den Weg zum Himmel weist.

Unterholzhausner Turmuhr
Unterholzhausner Turmuhr

Über die "älteste Unterholzhauserin"

„Die alte Spitalerin, die im Laufe der letzten Jahrzehnte sehr viel Geld an Verpflegungskosten verursachte, wurde an die Expositurkirche in Seibersdorf am Inn geschenkt. Expositus Josef Frank machte den Kurpfuscher. Ihn wird sie nicht lange überleben, denn sie braucht ständig Nachhilfe.“
1910 schrieb Benefiziat Carl Vogl diese Zeilen in die Pfarrchronik von Unterholzhausen und meinte damit die alte schmiedeeiserne Uhr im Turm der gotischen Pfarrkirche Mariä Heimsuchung. Diese alte Uhr hatte nur ein Halb- und Ganzstundenschlagwerk und sollte nun ausgetauscht werden.

Nachfolgerin der „alten Spitalerin“ wurde, nach längerem Abwägen, eine Uhr mit „Graham“-Gang, der Firma Eduard Strobl in Regensburg. In Auswahl gestanden hatte auch noch eine „Neher“-Uhr, doch rieten andere Geistliche davon ab. Sie sei schwer zu regulieren, klagten sie. Dem konnte Vogl zustimmen, denn so meinte er „In Altötting stimmt keine Uhr mit der anderen, die neue auf dem Magistratsturm geht erst recht unsicher.“ So also wurde die Grahamuhr gekauft, doch auch sie hatte den Nachteil, dass das laute Ticken bis in den Kirchenraum hinein zu hören war. Auch seien die Pendel sehr schwer, was, so befürchtete Vogl, eine rasche Abnützung des Räderwerks begünstigen könnte. So werde sie wohl nicht das hohe Alter ihrer Vorgängerin erreichen.
Doch in diesem Punkt sollte Vogl nicht Recht behalten. Am Vorabend des Kirchenpatroziniums Mariä Heimsuchung, am 2. Juli 1910, in Betrieb genommen, erfüllte die Turmuhr treu und redlich ein Jahrhundert lang ihren Zweck. 100 Jahre lang wurden die Gewichte täglich von Hand aufgezogen, doch nun, so teilte die Kirchenverwaltung mit, müsse die Uhr einem elektrischen Uhrwerk weichen, denn das derzeitige Mesner-Ehepaar könne den Dienst nicht länger ausführen. Zum Ankauf des neuen Uhrwerks war geplant, die alte Uhr in Zahlung zu geben.
Nachdem es jedoch ein Jammer gewesen wäre, die alte Uhr, die nicht nur ein technisches Denkmal darstellt, sondern auch die „älteste Unterholzhauserin“ ist, aus der Gemeinde zu entfernen, fanden sich der Landkreis, die Stadt Altötting, sowie weitere Sponsoren bereit, einen Beitrag zu ihrem Verbleib zu leisten. Wohlverwahrt kann sie nun, neben ihrer modernen Kollegin, ihren Platz im Turm beibehalten.

Die Altöttinger Gnadenkapelle
Die Altöttinger Gnadenkapelle

Die Überführung der Herzurne König Ludwigs II. in die Gnadenkapelle zu Altötting

Am 16. August 1886 wurde die Herzurne König Ludwigs II. in die Gnadenkapelle zu Altötting überführt. Mit folgenden einleitenden Worten gibt das historische Programm Einblick in die seinerzeitigen Geschehnisse:
„Am Tage der Überführung, Montag, den 16. August 1886, wird in der alten königlichen Residenz-Kapelle in München, in welcher das Königliche Herz beigesetzt ist, um 5 ½ Uhr Morgens eine heilige Messe gelesen“.
Der Körper des Königs war am 19. Juni 1886, sechs Tage nach seinem Tod im Starnberger See, in der Gruft der Michaelskirche zu München beigesetzt worden.
Die Urne mit seinem Herzen trat am 16. August 1886, nach oben genannter Hl. Messe, die Reise nach Altötting an.
Die Urne war mit einem schwarzen Tuch bedeckt und wurde vom Stiftsdekan Jakob Ritter von Türk getragen. Ein Wagen zu vier und ein zweiter zu sechs Pferden fuhren dem sechsspännigen Wagen zum Ostbahnhof voran. Begleitet wurden sie von einem Spalier von 24 Hartschieren, vor dem Wagen mit der Herzurne ritt eine Eskorte mit einem Trompeter, vor und hinter dem Wagen eine Abteilung des „Schweren Reiter-Regiments Prinz Karl“.
Der Extra-Hof-Zug traf um 8.45 Uhr in der Bahnstation Neuötting ein, wo bereits zwei zweispännige Hofwagen für die Vorausfahrt und ein sechsspänniger Hofwagen für den Stiftsdekan mit der Urne und die Hof-Kommission bereit standen. Vor und hinter dem Sechsspänner marschierte je eine Abteilung des königlichen Infanterie-Leib-Regiments, zu beiden Seiten des Wagens die Hofdienerschaft. Während der Durchfahrt durch Neuötting läuteten alle Glocken.
Nach dem Empfang am Portal der Altöttinger Stiftspfarrkirche, wo sich die königlichen Beamten der Behörden (des heutigen Landkreises Altötting) in Uniform versammelt hatten, wurde das Gefäß mit dem königlichen Herzen auf einem Katafalk, umgeben von Krone, Szepter, dem königlichen Wappen und brennenden Kerzen beigesetzt.Das Requiem hielt der Bischof von Passau, Josef Franz von Weckert. In würdiger Trauerprozession, geschützt durch einen Baldachin, der von Bürgern in schwarzer Kleidung mit Trauerflor getragen wurde, trug der Stiftsdekan anschließend die Herzurne in die Mutter-Gottes-Kapelle. Ihm voraus gingen ein Zug des königlichen Infanterie-Leib-Regiments, die Kapelldiener, die Schulen, die Bruderschaften, die Klostergeistlichkeit, ein Kreuz- und zwei Leuchtenträger, die gesamte Geistlichkeit, der Bischof mit Assistenz, sechs Ministranten mit Fackeln, die Musik-Kapelle von Altötting und der königliche Hoffourier. Dem Stiftsdekan folgten der königliche Hof-Commissär, die beiden königlichen Kämmerer, Stabs- und Unteroffiziere, die königlichen Beamten, Gemeindebehörden und Gemeindeabordnungen der Umgebung und wiederum ein Zug Infanterie.
Nachdem die Herzurne vom Stiftsdekan am Aufbewahrungsort eingesetzt wurde, verschloss der Hof-Commissar die Nische mit einem Schlüssel. Nach München zurückgekehrt, nahm der Oberhofmeister den Schlüssel an sich und deponierte ihn im königlichen Hausarchiv.

Maria Ward Hauskapelle
Maria Ward Hauskapelle

Vom Wirken der Maria Ward und der Hauskapelle der Congregatio Jesu in Altötting

Die Ordensgründerin der Congregatio Jesu, früher „Englische Fräulein“, Maria Ward, wurde 1585 in Yorkshire, England, geboren und erlebte in ihrer Kindheit die dortige Katholikenverfolgung. Sie verließ ihre Heimat und gründete in Belgien eine Gemeinschaft von Frauen, die sich der Mädchenbildung und Seelsorgearbeit annahm. Leitgedanke war das Vorbild des Jesuiten Ignatius von Loyola. Weitere Institutsgründungen fanden in Lüttich, Köln, Trier, Rom, Neapel und Perugia statt.
Um die päpstliche Bestätigung für ihre Gemeinschaft zu erbitten, reiste Maria Ward nach Rom. Jedoch, für die damalige Zeit war ein Frauenorden ohne Klausur eine Herausforderung, dier die Gesellschaft noch nicht gewachsen war und so wurden die italienischen Niederlassungen verboten. Unverdrossen gründete Maria Ward weitere Schulen in München, Wien und Pressburg, was ihre Gegner erst recht aufbrachte. Noch während sie mit den Behörden verhandelte, wurde die Aufhebung ihrer Gemeinschaft beschlossen. Es folgen der Vorwurf der Häresie, Einkerkerung und eine päpstliche Bulle.
Das Bewusstsein ihrer Sendung ließ sie ihre Bemühungen trotzdem fortsetzen und erst der Tod beendete 1645 ihre stetige Arbeit. Ausgehend von ihrer Institutsgründung in Paris folgten Niederlassungen in Augsburg, München und 1683 in Burghausen. Kurfürst Max Emanuel förderte 1721 den Aufbau eines Ordenshauses in Altötting, das jedoch in seinen Anfängen von großen Entbehrungen gezeichnet war.
So stand auch nur ein kleines Hauskapellchen zur Verfügung und die Freude war groß, als am 5. August 1735 der Grundstein für eine Kirche gelegt werden konnte, deren Bau 1737 vollendet war.
Der rechteckige Grundriß wird von einer Gewölbetonne überspannt. Im Westen befindet sich eine Doppelempore, die Altarseite ist geostet. Im Altarbild ist die Heilige Familie dargestellt und in den Wandnischen zu dessen beiden Seiten finden sich zwei „Jesuitenheilige“, Ignatius und Franz Xaver. Überreicher Rokokostuck in Blatt- und Bandlform zieren die Wände und das Gewölbe.
Für das Patrozinium aber wählte der Orden das Fest der Vermählung Mariens. Im Deckengemälde der Kirche ist für das Motiv des Mittelfresko die Darstellung der Vermählung gewählt, Joseph reicht Maria mit seiner rechten Hand den Ehering. Joachim und Anna, Marias Eltern, beobachten die Szene.
Anfang des 15. Jahrhunderts wurde der Gedenktag „Sposalizio“ (Verlobung bzw. Vermählung Mariens mit Joseph) zunächst in Chartres festlich begangen. Der dortige Domherr förderte in besonderer Weise die Verehrung des hl. Joseph. Im Jahr 1537 erlaubte Papst Paul III. das Fest für den Orden der Franziskaner und 1725 wurde dieser Gedenktag für die gesamte römisch-katholische Kirche eingeführt. Die Erlaubnis hierzu erteilte Papst Benedikt XIII.

Strasserkapelle

Die Strasserkapelle an der Burghauser Straße

Die Strasserkapelle an der Burghauser Straße in Altötting hat eine interessante Geschichte. Sie befindet sich in großer Nähe zur Amtsgerichtskreuzung und war einst die Empfangsstation für Pilger, die aus Richtung Osten kamen.

Pilgergruppen, die sich von Burghausen oder Marktl her über die Alzbrücke bei Hohenwart und durch den Wald dem Wallfahrtsort Altötting näherten, wurden einst bereits am Waldrand empfangen, dort wo heute der Trimm-Dich-Pfad beginnt. Von einer Kanzel aus begrüßten Geistliche die Pilger und geleiteten sie die heutige Burghauser Straße entlang bis zum Ortsanfang, wo seit 1877, ihrem Erbauungsjahr, die „Strasser“-Kapelle als erste Empfangsstation stand. Von dort zogen sie unter dem Läuten der Glocken zum Kapellplatz ein.

Peter und Viktoria Geratshuber hatten 1872 den „Huber-Wirt“ an der Burghauser Straße in Altötting von der verwitweten Mutter übernommen. Dem jungen Wirt war es ein Anliegen, zu Ehren der Heiligen Familie eine Kapelle zu errichten. Er kam aber nicht dazu, denn bereits mit 30 Jahren verstarb er am 13. Januar 1877 nach wochenlanger Krankheit. Keine vier Wochen später musste seine leidgeprüfte Witwe auch ihr Kind Johann Peter zu Grabe tragen.

Noch im gleichen Jahr ließ Viktoria Geratshuber die Kapelle im neuromanischen Stil errichten. Der Hauptraum ist rechteckig mit flachem Kreuzgratgewölbe und weist eine halbrunde Apsis auf. Die Eingangsseite zur Burghauser Straße ist mit einem steigenden Rundbogenfries geziert. Im Holzaltar in der Apsis befindet sich ein Altarbild aus Eisenblech mit einer Darstellung der Heiligen Familie.

Mit der Kapelle wandte sich die Witwe Viktoria Geratshuber an die Besucher, ihres verstorbenen Ehemannes und Kindes im Gebet zu gedenken.

Zu Anfang des 20. Jahrhunderts erwarb der Malermeister Strasser das benachbarte Haus mit Grundstück und der Kapelle darauf. Fortan bildete sich für die „Geratshuber“-Kapelle allmählich der Name „Strasser“-Kapelle heraus, den sie auch heute noch trägt.

Abraham Megerle

Im Westen des Altöttinger Stadtgebietes zweigt ein kleiner Weg von der Mühldorfer Straße ab. Er ist einer Person gewidmet, die im 17. Jahrhundert eine große Rolle in der Welt der Musik spielte: Abraham Megerle (1607 – 1680).

Abraham Megerle wurde in Wasserburg am Inn geboren. Seine Liebe zur Musik und seine Talente führten ihn zur musikalischen Komposition und mit dieser Aufgabe, als Komponist, war er zunächst in Innsbruck und Konstanz tätig und kam schließlich nach Salzburg. Unter Erzbischof Paris Lodron wurde er 1640 Fürst-Erzbischöflicher Hof- und Domkapellmeister. Sein Streben galt der Erweiterung des Repertoires am Salzburger Dom, er bearbeitete aber auch gleichzeitig die großen Chorbücher. Seine Sammlung „Ara musica“ widmete er 1647 dem Erzbischof. Die Musiksprache Megerles zeigt in ihrer barocken Experimentierfreude und Emotionalität eine Ausdruckskraft, Wirkungspracht und Klangschönheit, die ihresgleichen sucht.

1650 legte Abraham Megerle sein Amt aus unbekannten Gründen nieder und wählte Altötting als neuen Wohnsitz, wo er 30 Jahre später, 1680, verstorben ist.