Historisches aus Burgkirchen a.d. Alz

Jugendstilvilla, Bahnhofstr. 1 (Foto: Bayer. Landesamt für Denkmalpflege)

Jugendstilvilla in der Bahnhofstraße 1

Über zwei interessante Ereignisse im Königreich Bayern, Gemeinde Burgkirchen a.d. Alz, berichtete 1910 die Lokalzeitung.
Zum einen wurde in diesem Jahr die Fertigstellung des neuen Schulhauses vermeldet, das „eine prächtige Zierde für unseren Ort bildet. Mit dem 1. Januar wurde hier eine zweite Lehrstelle errichtet und auf dieselbe Fräulein Klementine Löweneck berufen.“
Ortsheimatpfleger Alois Remmelberger schreibt in seinem Buch „Geschichte der Bauernhöfe der ehemaligen Rural-Gemeinde Burgkirchen“ von dem Gebäude, das 1908/09 erbaut wurde und das vorherige Schul- und Mesnerhaus, erbaut 1869/70, ablöste. Das Schulwesen bestand in der Gemeinde bereits seit 1802, zuvor noch im ehemaligen Mesneranwesen, das 1870 abgebrochen wurde. Es lag dem Kircheneingang gerade gegenüber, an seinem Standort ist heute ein Garten angelegt. Doch auch der neuen „Ortszierde“ mit der ehemaligen Adresse Rupertistraße 10, über die seinerzeit mit viel Stolz berichtet worden war, war kein ewiges Leben beschieden. Im Zuge der Neugestaltung der Ortsmitte wurde das nun „alte Schulhaus“ abgerissen.

Die zweite Meldung betraf ein Gebäude, das auch heute noch markant und imposant auffällt, die Jugendstilvilla in der Nähe der Bahngleise beim ehemaligen „Bahnhof“ Burgkirchen, Bahnhofstraße 1. Sie ist eine der seltenen, seit ihrer Erbauung stilrein erhaltenen Jugendstilvillen im Landkreis Altötting. Seinerzeit diente es als Bahnhofsrestauration, wobei die Meldung darüber Anlass zum Schmunzeln gibt:
„Seit 1. Januar werden in der zukünftigen Bahnhofsrestauration dahier Kaffee und Limonaden verabreicht. In der ersten Woche wurden über 1.000 Kracherl konsumiert und einige hundert Tassen Kaffee. Die Lokale der Restauration sind modern, luftig, sonnig und hübsch, Fremdenzimmer werden zur Zeit eingerichtet, wie überhaupt der Besitzer (Herr Lazarus) keine Kosten scheut, um seinen zukünftigen Gästen alles sauber und hübsch zu verabreichen.“
Wenige Wochen später vermerkte das Blatt, dass die „Konsumtion“ der erwähnten Getränke eine beträchtliche Steigerung hätte erfahren können. Eine zünftige Herrenrunde hatte sich nämlich zu sehr früher Stunde aufgemacht um eine Reise anzutreten. Zuvor jedoch wollte man sich noch beim Bahnhofswirt Lazarus stärken. Der aber lag noch in den seligsten Träumen und auch der vielstimmig gemeinsam angestimmte Bibelruf „Lazarus, steh auf und komm heraus“, konnte ihn aus seiner Bettdeckenumarmung nicht lösen. So musste der Durst der Reisenden ungestillt und die Kasse leer bleiben!

Kapelle im Mühlthal
Kapelle im Mühlthal

Die Kapelle in Mühlthal (Hirten)

Vor etlichen hundert Jahren gehörte das Mühlhof-Anwesen in Unterneukirchen dem Kloster Raitenhaslach. Zum Hof gehörte auch das Mühlen- und Sägereirecht. Als die Klöster in der Säkularisation aufgelöst wurden, kam das Anwesen in private Hände. Einer der folgenden Eigentümer ließ nur wenige Schritte von seinem Hof entfernt eine Hofkapelle errichten. Nachdem sie an der schmalen Kiesstraße stand, diente sie auch den Fuhrleuten oder walzenden Handwerksburschen, um in ihr Rast zu halten und für einen guten Verlauf der Fahrt oder Wanderung zu bitten. Die Halsbacher und Margarethenberger hielten bei ihren alljährlichen Bittgängen nach Altötting bei ihr zum Gebet ein.
Das zunehmende Verkehrsaufkommen und die immer größer werdenden Fahrzeuge benötigten besser ausgebaute Straßen und so rückte die Kapelle mit jeder Straßenverbreiterung optisch weiter vom Hof ab.
Die Verkehrssicherung im Winter, besonders das Streusalz, verursachte ihr zunehmend Probleme und so sah sie in den letzten Jahren schon sehr erbarmungswürdig aus!
Es fanden sich aber Retter in der Not. Auf Bitten von Frau Kreisheimatpflegerin Renate Heinrich fanden sich Geldgeber, die die Renovierung ermöglichten. Um ein nachhaltiges Renovierungsergebnis zu erhalten, wurde zunächst das Dach gegen Nässeeintrag behandelt. Die sehr verwitterte Eingangstüre erhielt eine Behandlung mit Leinöl, Salzausblühungen und Putzschäden wurden bereinigt, die Raumschale und die Ausstattung wieder in einen gediegenen Zustand gebracht. Im Tympanon über dem Eingang sind nun der „gute Hirte“ und seine Herde wieder schön anzusehen, die vorher kaum mehr erahnbar waren.