Historisches aus Emmerting

Stadel im Vorzustand Stadel nach Renovierung

Seng

„In Emmerting verhungert der Spatz bei der Arndt“. Dieser Satz ist aus dem 19. Jahrhundert überliefert und lässt die Not der Alztalbauern erkennen, deren Gründe immer wieder von Alzhochwässern betroffen waren. In der „Seng“, also der Senke, steht, in der heutigen Kastler Straße 12, ein Bauernanwesen, das schon durch seine geringe Ausdehnung Kunde von den seinerzeitigen Lebensbedingungen gibt.

Dank der gründlichen Forschungsarbeit des früheren Ortsheimatpflegers Simon Pittner ist die Geschichte der Hofstelle bestens bekannt. Um 1451 wurde „Frauenreut“, wie es damals hieß, erstmals urkundlich erwähnt. Es wurde als „Gütl“ bezeichnet, das Hanns Erlbeck von Burghausen innehatte. Auf der halben Sölde wurden um 1535 zwei Rösser, vielleicht auch für Vorspanndienste, gehalten, vier Kühe, zwei Kalbinnen und ein Bienenstock. Um 1592 wurde es als Lehen der Grafen Taufkirchen geführt. Noch um das Jahr 1850 hieß das Anwesen „Fraunreitergütl“, um 1900 geriet der Name allmählich in Vergessenheit.

Der Dreiseithof wurde vermutlich in den 1830er Jahren erbaut, der Stall auf der Westseite des Anwesens etwa um 1835. Obwohl die Gebäude, im Vergleich zu reichen Bauernanwesen andernorts, eine weit geringere Größe aufweisen, war es den Erbauern seinerzeit ein Anliegen, auch sie liebevoll auszustatten und ließen ein formschönes Gitterbundwerk anbringen. Die Lüftungsöffnungen wurden als Hostienkelche gestaltet.

Die bäuerliche Nutzung ist seit langer Zeit aufgegeben, der ehemalige Stall diente seit Jahren als Abstellraum. Den jetzigen Inhabern ist es aber ein Anliegen, ihren Hof in einem guten Stand zu erhalten und ließen bereits in den Vorjahren verschiedene Renovierungsmaßnahmen durchführen, im letzten Dreivierteljahr nun Instandsetzungsarbeiten am Stall. Sein Gewölbe, das von zwei Säulen getragen wird, wies nur noch geringe Putzreste auf, die Säulen selbst machten einen „angenagten“ Eindruck. Mit viel Liebe zum Detail erfolgte eine Neuverputzung, ein Steinmetz nahm sich der Säulen an, die vorhandenen Stallfenster und –türen wurden einer Überprüfung unterzogen und, wo notwendig, repariert. Der zerklüftete Betonboden der 1960er Jahre wich einem Steinpflaster. Beim Ausgraben der Betonteile fanden sich zwei Scherben aus Grauware, die vielleicht noch von Vorgängergebäuden an dieser Stelle zeugen.