Historisches aus Erlbach

Kirche in Steinhausen
Kirche in Steinhausen

Kirche in Steinhausen

Schon Leonardo da Vinci hielt fest, dass ihm die verschiedene Breite der Wuchsringe (Jahresringe) von Bäumen zu denken gab! Der amerikanische Astronom Andrew E. Douglass vermaß die Breite der Jahresringe verschieden alter Bäume und stellte fest, dass es trotzdem eine gewisse Übereinstimmung bei auffallend schmalen und breiten Wuchsringen gab. 1929 gelang es ihm, durch Vergleiche und die Überlappung der Baumproben eine Chronologie zu erstellen. Die überlappten und aneinander gereihten Ringe der Baumproben ließen sich über 1200 Jahre zurück zählen. 1960 setzte Dieter Eckstein in Deutschland erstmals die Computertechnologie ein. Durch jahrelange Forschung, Ergänzung und spezielle Auswertungsverfahren gelang es damit schließlich für Eichen und Kiefern lange Zeitreihen aufzustellen. Bei Eichenholz können teilweise sogar über 12.000 Jahre überblickt werden.
D
iese Wissenschaft, die „Dendrochronologie“, findet auch im Landkreis Altötting Anwendung, besonders wenn Unklarheiten bei der Erbauungszeit historischer Gebäude bestehen. Eine solche Unklarheit lag bei der Filialkirche St. Leonhard in Steinhausen, Gemeinde Erlbach, vor, weshalb hier eine Untersuchung in Auftrag gegeben wurde. Schon der Name „Steinhausen“ deutet auf ein „steinernes Haus“ hin, in diesem Fall auf die Burg einer Adelsfamilie, die bereits im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde. Die Ursprünge der heutigen Kirche gehen wohl auf eine Burgkapelle zurück. Der älteste Teil der heutigen Leonhardikirche in Steinhausen ist der Turm, der vermutlich noch im 14. Jahrhundert erbaut wurde. An ihn schließen das Langhaus und der Chor an. Die Weihe des Altars fand am 5. November 1430 durch den Bischof von Salona statt.
Schon bei der Sanierung im Jahr 1982 stieß man auf interessante Erkenntnisse. So zeigten sich im Dachraum des Langhauses ein Turmfenster und eine aufgemalte Steinquaderung, die sich einstmals im Freien befunden hatten. Bislang war man davon ausgegangen, dass das Langhaus erst im 16. Jahrhundert auf die Höhe des Chors aufgestockt worden war. Die Ergebnisse der dendrochronologischen Untersuchung ergaben nun aber ein völlig neues Bild! Drei der untersuchten verwendeten Holzarten Fichte, Tanne, Kiefer und Eiche zeigten, dass das Dachstuhlholz für Langhaus und Chor einheitlich schon ab 1421eingeschlagen und verbaut worden war. Langhaus und Chor wiesen demnach bei der Weihe 1430 bereits die heutige Höhe auf, was auch bedeutet, dass die aufgemalte Steinquaderung noch in die Zeit vor 1421 zurückgeht!
Im Inneren der Kirche wurde 1982 auch die Darstellung eines sechs Meter hohen gemalten Christophorus gefunden, von der man bisher annahm, sie sei im 16. Jahrhundert entstanden. Auch dieses Bild könnte demnach älter sein, als bislang vermutet. Die Malerei wurde freigelegt und kann nun wieder bewundert werden. Sie war schon die zweite Darstellung des Heiligen, unter dieser Malschicht befindet sich ein Christophorus aus noch früherer Zeit. Der hl. Christophorus wurde häufig sehr groß dargestellt, denn nach der mittelalterlichen Glaubensvorstellung war man bei seiner Fürsprache vor einem plötzlichen Tod ohne Sterbesakramente bewahrt.