Historisches aus Haiming

Wandfresko

Expositurkirche Niedergottsau

Bilder verborgener Heiliger

In den Jahren 1956 und 1957 wurden in der Expositurkirche Niedergottsau Arbeiten durchgeführt. Dabei fand man, verborgen unter etlichen Farbschichten, gotische Malereien an den Wänden und den Gewölben im Chor und im Langhaus. Nach ihrer Freilegung zeigte sich eine prächtige Fülle an Heiligenbildern, z.B. die vier abendländischen Kirchenväter, die vier Evangelisten, Joachim und Anna, die Gottesmutter Maria, um nur einige zu nennen.

Besucher und Bewunderer sind in der Kirche gern gesehen!

Nicht zu sehen sind Fresken, die sich hinter dem linken Seitenaltar verbergen. Dort ist die hl. Anna-Selbdritt abgebildet, die auf ihrem Schoß zwei Kinder hält, ihre Tochter Maria und deren Sohn Jesus, Annas Enkel.

Nur bei wichtigen Arbeiten werden die Seitenaltäre von ihren Standplätzen entfernt und dann kann man sich an einer Darstellung aus der hohen Zeit der Gotik erfreuen.

St. Mariä Himmelfahrt
St. Mariä Himmelfahrt

Nach dem 30jährigen Krieg - Haiminger Gotteshäuser finanzierten Neuöttinger Innbrücke mit

Am 24. Oktober 1648 endete mit dem „Westfälischen Frieden“ der 30jährige Krieg. Mehrere Male war Bayern in diesen Kriegsjahren von fremden Heeren überflutet, die Bevölkerung ihrer Habe beraubt und geschunden worden.
Bei anrückendem Feind und drohender Gefahr war es eine übliche Vorsichtsmaßnahme (wenn die Zeit noch reichte) Brücken, die aus Holz gebaut waren, abzubrechen, um dem Gegner das Vorrücken zu erschweren, oder besser noch, unmöglich zu machen. So war dies auch 1643 in Neuötting auf kurfürstlichen Befehl hin geschehen und die Innbrücke unpassierbar gemacht worden. Nach Abzug des Feindes war nun der Wiederaufbau notwendig.
Die Verwaltung der Brücke, die eigentlich dem Mautamt unterlag, das auch die Unterhaltslast zu bestreiten hätte, war aber der Stadt übertragen worden. Aus eigenen Mitteln konnte sie die Aufbaukosten von 5.350 Gulden für eine neue Brücke, die für Handel und Wandel unverzichtbar war, nicht aufbringen, musste sich also nach Kreditgebern umsehen.
Wohlhabende Privatleute mit freien Geldern stellten z.B. Darlehen gegen Zins zur Verfügung.
Öffentliche Einrichtungen nutzten die Geldverleihe zur Erhöhung der Rücklagen.
Manche Kirchen verfügten über mehr Einnahmen und Spenden, als die Ausgaben aufzehrten, so dass sich mit der Zeit ein verleihbarer Kapitalstock ansammelte.
So war es auch bei drei Gotteshäusern in der heutigen Gemeinde Haiming. Das größere Darlehen stellte die reiche Kirche von Niedergottsau mit 800 Gulden zur Verfügung. Die Kirchen von Neuhofen und Kemmerting hatten zusammen 140 Gulden übrig, die sie zu den üblichen Zinsen von jährlich 5 % an die Neuöttinger verliehen.

Christusfigur der Ölberggruppe in Niedergottsau

Kunst verband einst Stadt und Land

Im Gebiet des heutigen Landkreises Altötting gibt es nur zwei historische Städte, die einst ein eigenes Stadtrecht besaßen und ein umfriedetes Stadtgebiet, in dem dieses Recht Geltung hatte: Burghausen und Neuötting. Bürgermeister und Räte wachten über die Einhaltung, waren aber auch bemüht, ihren Bürgern die Privilegien daraus zu sichern. So konnte sich nicht jeder in der Stadt ansiedeln und ein Gewerbe ausüben. Dazu war eine Handwerksberechtigung erforderlich, die erkauft werden musste. Auch war festgelegt, wie viele Handwerker eines Gewerbes in den Mauern der Stadt tätig sein durften. Dies galt aber nicht nur für auch heute noch als Handwerk bezeichnete Berufe wie Schuster, Schreiner oder Maurer, sondern auch für das "Kunsthandwerk" wie Bildhauer, Schnitzer, Maler. Die Handwerker außerhalb der Stadt wurden als "Pfuscher" und "Stimpler" geschmäht.
Galt es etwa eine Kirche auszustatten, lag es nahe, das städtische Handwerk heranzuziehen. Ein schönes Beispiel, gerade in der Zeit vor Ostern und insbesondere der Karwoche, für das Zusammenwirken zwischen Stadt und Land bietet die Filialkirche Mariä Himmelfahrt in Niedergottsau in der Gemeinde Haiming. Beim südlichen Emporenaufgang befindet sich eine Ölberggruppe, bestehend aus einer knieenden Christusfigur und den auf dem Boden schlafenden Jüngern Petrus, Johannes und Jakobus. Zu den Figuren, die zu drei Viertel lebensgroß dargestellt sind, gehörte auch noch ein Engel, der aber vor einigen Jahren gestohlen wurde.
Gefertigt hatte diese, einst fünfteilige Gruppe, der Neuöttinger Bildhauer Johann Haas im Jahr 1661. Als Lohn erhielt er dafür 30 Gulden. 26 Gulden bekam der Maler Wolfgang Rast, der die Figuren fasste, also farbig bemalte.
Johann Haas wohnte mit seiner Ehefrau Sara in Neuötting, in der heutigen Ludwigstraße 83, wo er auch sein Handwerk ausübte. Auch die nächste Generation in diesem Haus verdiente sich den Lebensunterhalt mit Bildhauerarbeiten. Erst ab 1715 übernahmen Angehörige anderer Berufsgruppen das Anwesen.
Der Maler Wolfgang Rast war in Neuötting in der Ludwigstraße 32 ansässig, ein Haus, das damals in der Nähe der Metzgerfleischbänke lag. Dies war wohl auch der Grund, dass das Gebäude besonders für diesen Beruf interessant war und Wolfgang Rast nur für kurze Zeit hier lebte und arbeitete.
Der Ruf, den beide Kunsthandwerker wohl zu Lebzeiten genossen, ist nach fast 350 Jahren vergangen, ihr Werk aber ist geblieben und hält die Erinnerung aufrecht.