Historisches aus Halsbach

Steinkreuz vom Großschleberg

Das Steinkreuz von Großschleberg

Eher wird man vielleicht sechs Richtige im Lotto tippen, als einen so seltenen Fund zu machen wie Marianne Poschner aus Großschleberg in der Gemeinde Halsbach. Sie arbeitete mit Ehemann und Sohn im Wald die Schäden des „Kyrill-Sturmes“ auf. Ein mächtiger Baum war gefällt worden, die Poschners gerade dabei, die Äste zu kappen, als ihr neben dem Wurzelstock ein schuhgroßer Nagelfluhbrocken auffiel, der aus dem Waldboden ragte. Gemeinsam suchten sie ihn auszuheben, doch zum einen gab er nicht nach, nahm zum anderen aber an Größe immer mehr zu, je mehr Erdreich sie ringsherum entfernten. Als sie das Steingebilde schließlich freigelegt hatten, entpuppte es sich als Steinkreuz! Dass das Erstaunen groß war, lässt sich denken, aber so vermuteten die Finder, es müsste doch eigentlich auch einen Sockel dazu geben. Sohn Martin Poschner fand ihn auch, er lag auf der anderen Seite des Wurzelstockes, die vermooste Flachseite war dem Bodenniveau angeglichen.

Martin Poschner teilte seinen Fund Kreisheimatpflegerin Renate Heinrich mit, die eine gemeinsame Besichtigung mit dem Vertreter des Bayer. Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Michael Schmidt, und dem Altöttinger Steinmetz Albert Pollety herbeiführte. Vor Ort untersuchten sie gemeinsam, was sich zu dem Kreuz feststellen lässt. Sein Standort war genau im Zwickel der Kreuzung des uralten Kirchweges von Großschleberg nach Thalleiten und Brandhub. Martin Poschner konnte sich nicht erinnern, dass sein Großvater Johannes, Jahrgang 1903, jemals von einem Kreuz an dieser Stelle erzählt hätte. Es muss also schon vor sehr langer Zeit umgestürzt und dann in den Boden eingesunken sein. Nach der Lage der beiden Steinteile scheint es sogar so, als sei der Baum zwischen ihnen emporgewachsen und habe sie dabei immer weiter auseinander gedrückt. Das Steinkreuz stammt aus der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts und weist eine schön gearbeitete Nische auf, die der Aufnahme eines Heiligenbildes oder sogar einer Heiligenfigur gedient haben könnte. Die Aufstellung eines solchen Kreuzes konnte verschiedene Gründe haben, als Sühnekreuz für eine begangene Untat oder aber zum Gedenken an Verstorbene. Vielleicht erinnert es an Pesttote, die der Seuche um das Jahr 1585 zum Opfer fielen, als sie die Gegend heimsuchte. In den Halsbacher Kirchenbüchern fand Renate Heinrich die Namen des Ehepaares Georg und Amalie, die das Anwesen Großschleberg um das Jahr 1600 innehatten. Haben sie das Kreuz aufgerichtet?

Das Steinkreuz konnte einer fachgerechten Restaurierung unterzogen werden und steht nun wieder an dem Platz, den es vor Jahrhunderten schon eingenommen hatte.