Historisches aus Mehring

Altar in Hohenwart
Altar in Hohenwart

Der Hohenwarter Altar - ein überregionales Kunstwerk

Im letzten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts, so schrieb der verstorbene Emmertinger Heimatpfleger Simon Pittner, dürfte die Kirche zu Hohenwart vollendet erbaut gewesen sein. Für den qualitätvollen Bau kam wohl nur ein Burghauser Baumeister in Frage, der sich außerdem der Gunst Herzog Georgs des Reichen erfreut haben dürfte. Denn der Mesner, der von Anfang an sein Haus neben der Kirche hatte, wurde nicht etwa vom mächtigen Pfarrherrn zu Mehring bestimmt, sondern vom herzoglichen Pfleger zu Neuötting!

Die Hohenwarter Kirche, allein schon der Betrachtung wert, überrascht auch noch mit einem spätgotischen Schnitzaltar, entstanden um das Jahr 1510, der nach Größe und Vollständigkeit im weiten Umkreis seinesgleichen sucht.
Zur Zeit der Gotik wurden die Altäre mit Flügeln versehen um mehr Raum für bildhafte Darstellungen zu gewinnen. Sie stellten gewissermaßen eine „Bilderbibel“ für diejenigen Gläubigen dar, die des Lesens und Schreibens unkundig waren. Zu Werk- oder Feiertagen konnten die Flügel geöffnet und geschlossen werden. So findet sich auch auf dem Altar zu Hohenwart ein beeindruckend reiches Bildprogramm!
Den Mittelpunkt des Schreins nimmt die Muttergottes ein, das segnende Jesuskind auf dem Arm. Der Ritterheilige Georg und der hl. Bischof Nikolaus begleiten die Mittelfiguren. Dem Leben der Gottesmutter sind die Szenen auf der Feiertagsseite (Innenseite) der Flügelreliefs gewidmet: Mariä Verkündigung, die Herberge im Stall zu Bethlehem, die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland und den Tod Mariens. Nach dem Schließen der Flügel ist die Werktagsseite (Außenseite) zu bewundern. Sie zeigt den Kirchenpatron, den hl. Nikolaus, Kaiser Heinrich den Heiligen mit seiner Gattin Kunigunde, den hl. Martin und wiederum den hl. Georg, der vermutlich auf Herzog Georg den Reichen hinweist. Es fehlen nicht der Brückenheilige Christophorus und der Pestheilige Sebastian, was ebenfalls auf die Brücke zu Hohenwart, auch als Verbreitungsweg von Krankheiten deutet. Weitere höchst qualitätvolle Darstellungen an der Vorderseite, wie auch an der Rückseite des Altars begründen den hohen Wert des Hohenwarter Altars weit über die Kulturlandschaft des Landkreises hinaus!

Vor etwa 30 Jahren wurde ein starker Befall mit Holzschädlingen erkannt, weshalb Konservierungsmaßnahmen durchgeführt werden mussten. Nach nun drei Jahrzehnten waren erneut Restaurierungsarbeiten zur Erhaltung des bedeutsamen Altars notwendig. Temperatureinflüsse hatten Risse und Aufwölbungen verursacht. Die Klappflügel waren teils verzogen, blieben nicht in der vorgesehenen Position, sondern öffneten sich nach dem Schließen selbständig wieder und schabten an den Zierleisten, was wiederum zu Fassungsabplatzungen führte. Insgesamt war es notwendig, die Farbfassungen zu überprüfen und im gegebenen Fall zu festigen. Wie bereits vor 30 Jahren war es wiederum ein Altöttinger Restaurator, der die Arbeiten mit Fachkunde ausführte.
Jeder Generation muss es ein Anliegen sein, das herausragende Werk, das nun schon ein halbes Jahrtausend Augen und Herz erfreut, der nächsten Generation in gutem Zustand weiter zu geben. Die Gemeinden Emmerting und Mehring und der Landkreis Altötting zeigten sich ihrer Verantwortung bewusst und beteiligten sich in lobenswerter Weise an den Kosten der Renovierungsarbeiten.