Historisches aus Pleiskirchen

St. Nikolauskirche

Am 9. November 1920 schlossen vor dem barocken Hochaltar der Kirche St. Nikolaus in Pleiskirchen Josef Ratzinger und Maria Rieger die Ehe.
Sie sollten die Eltern von Papst Benedikt XVI. werden.
Seine Geschwister Maria Theogona und Georg erhielten hier am 9. Dezember 1921, bzw. 16. Januar 1924 das Sakrament der Taufe.

Geschichte der Kirche
In Salzburger Urkunden findet sich erstmals um 1190 der Name Pleiskirchens, damals als „Plidolveschirchen". Nach 1470 heißt es dann, die „Pleyskircher Pfarr".
Die heute bestehende Kirche reicht in ihren ältesten Bauteilen auf die Zeit der Gotik zurück. Im Visitationsbericht von 1558 heißt es, sie sei baufällig. Chronisten berichten, dass im Jahr 1632 ein großer Brand bei den Häusern der Hofmark ausgebrochen sei. Vermutlich war auch das Gotteshaus in Mitleidenschaft geraten.
Baumaßnahmen an der Kirche scheinen wohl nach dem Brand stattgefunden zu haben, wie auch im späten 17. Jahrhundert, wobei aber gotische Teile erhalten blieben, wie das Kreuzrippengewölbe im Untergeschoss des Turmes, die drei Kreuzgewölbe unter der Empore im Westen oder der Taufstein.
Ursprünglich wies der Kirchturm ein mit Ziegelplatten gedecktes Satteldach auf. 1882 wurde er zu einem Spitzturm umgebaut.

Im Inneren
Das einschiffige Langhaus hat vier Joche, der Chor ist eingezogen, hat zwei Joche und einen geraden Schluss. Tief eingezogene Pfeiler, an drei Seiten mit Pilastern besetzt, tragen Gesimsstücke; darüber erhebt sich ein Tonnengewölbe mit Stichkappen. Die Einteilung des Gewölbes ist einfach, Gurte und Füllungen sind mit Eierstäben und Perlschnüren umrahmt. Die Stuckverzierungen der Hauptfüllungen zeigen schwere Fruchtkränze, Muscheln und Puttenköpfchen.

Der Hochaltar
Das Hochaltarbild stammt von Clemens della Croce aus Burghausen aus dem Jahr 1819. Es zeigt die Muttergottes („Maria Empfängnis") (oben links) mit Sternenstrahlenkranz, gegürtetem Kleid und blauem Mantel auf einer Wolke ruhend, den Hl. Nikolaus (Mitte), dem Engel Mitra, Bischofsstab und ein Buch, darauf die drei goldenen Kugeln, reichen, den Hl. Franziskus (rechts unten mit Mönchskutte als Begründer des Dritten Ordens) und den Hl. Dominikus mit der Lilie als Patron der Pleiskirchner Rosenkranzbruderschaft, die am 17. Juni 1707 begründet wurde. Die Rosenkranzbruderschaft besteht noch und konnte 2007 ihr 200jähriges Bestehen feiern.
In der Passionszeit wird das Altarbild durch eine figürliche Ölbergszene und in der Osterzeit durch den „auferstandenen Christus" ausgetauscht.
Auf der rechten Seite des Hochaltares findet sich die Figur des Hl. Florian, auf der linken Seite die des Hl. Karl Borromäus.
Das Lamm Gottes auf dem Buch mit den sieben Siegeln bildet den oberen Abschluss des Tabernakels. Es wird zur Weihnachtszeit ersetzt durch eine Figur des segnenden Christuskindes.
Die Seitenaltäre zeigen auf der Evangelienseite Joachim und Anna, die Eltern Mariens, die ihr Kind in den Tempel begleiten und auf der Epistelseite das Jesuskind in der Krippe mit Maria und Josef.
Es haben sich einige bemerkenswert kunstvolle Epitaphe erhalten, zum Beispiel derjenige von Anna von Taufkirchen zu Guttenburg auf Klebing, Witwe des Burckard, verstorben am 5. März 1564, der am Chorbogen angebracht ist (Bild).

Ueberacker-Kapelle
Die an der Ostseite der Pfarrkirche um 1830 angebaute Kapelle war die Grablege der Familie Ueberacker auf Schloss Klebing. Verschiedene Familienmitglieder haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden, wie die Freyin Maria Anna von Mayrhoven zu Coburg und Anger, geborene Reichsgräfin von Ueberacker, Sternkreuz-Ordensdame, die am 10. Juli 1827 verstorben ist.
Die Kapelle wurde im Jahr 2006 einer Restaurierung unterzogen.
Ebenfalls an der östlichen Außenwand, links von der Ueberacker-Kapelle, ist ein schöner Epitaph angebracht, der Christina Victoria Freifrau von Mayrhofen, einer geborenen von Taufkirchen, die im Jahr 1744 verstorben ist.

Wir freuen uns auf Ihr Interesse und Ihren Besuch!

Ein „kleiner Kirchenführer" kann von der Kreisheimatpflege, Frau Renate Heinrich, bezogen werden.


Verwendete Literatur
Archivalien im Diözesanarchiv Passau:
Pfarrarchiv - Karton 1 - Bau des Kirchturms 1882, Glocken, Orgel
Pfarrarchiv - Karton 4 - Stiftungen, Geschichtliche Aufzeichnungen
Pfarrarchiv - Karton 5 - Bruderschaft
Pfarrarchiv - Karton 7 - Kirchenrenovierung 1963
„Die bayerischen Teile des Erzbistums Salzburg und des Bistums Chiemsee in der Visitation des Jahres 1558", Reiner Braun, St. Ottilien, 1991
Maximilian Hartmann, Kirchen und Pfarreien im Landkreis Altötting, in „Ostbairische Grenzmarken", Band I, Passau, 1957, S. 125

v.l.n.r. - Innenansicht, Hochaltar, Taufkirchen-Epitaph
Ueberackerkapelle
Ueberackerkapelle

Die Ueberackerkapelle in Pleiskirchen

An die Ostseite der stattlichen Pfarrkirche St. Nikolaus zu Pleiskirchen schmiegt sich eine zierliche Scheitelkapelle, die ein wichtiges Zeugnis der Pleiskirchner Geschichte darstellt. Um 1830 erbaut, diente sie für etwa ein Jahrhundert als Gruftkapelle der Familie Ueberacker von Klebing.
Schloß Klebing, das auf dem Ausläufer des „Hampersberger Wald“, einige hundert Meter von der Kirche entfernt, auf einer geringen Bodenerhebung steht, lässt sich bereits im 14. Jahrhundert als Besitz eines Heinrich von Marolting erfassen. Er wurde in der Besitzerfolge im 15. Jahrhundert von einem „Poxauer“ abgelöst, dem im selben Jahrhundert die „Stättner“ und „Reuter“ folgten und Mitte des 16. Jahrhunderts die „Tauffkircher zu Guttenburg“. 

Letztere schrieben sich nach ihrer Stammburg und waren Lehensleute der Grafen von Kraiburg gewesen. Nicht unbehelligt von verschiedenen Kriegsläufen, aber glücklich in der Wahl betuchter Ehepartner vermehrten die Tauffkircher ihr Vermögen beträchtlich.
Um 1700 waren Ferdinand Josef Xaver von Tauffkirchen zu Katzenberg und seine Gemahlin Maria Viktoria Christina Eigentümer von Schloß Klebing. Um 1720 verstarb Ferdinand jedoch und seine Witwe verheiratete sich mit einem Mitglied der Familie Mayrhofen, die aus dem Zillertal stammte. Der „Sproß“ Johann Nepomuk der Familie Mayrhofen schloss den Bund der Ehe mit Maria Anna Helene Gräfin Ueberacker.
Die Ueberacker entstammten dem Bayerischen Uradel. Ihr Herkunftsort ist Überacker, das jenseits der Salzach, heute in Oberösterreich und dem Ort Haiming gegenüber liegt. Bis 1779 war das gesamte Innviertel, wozu auch Überacker gehört, bayerisch gewesen und ging erst danach an Österreich über.
Die Ehe von Johann Nepomuk und Maria Anna Helene blieb kinderlos und die Witwe verheiratete sich nach dem Tod des Ehemannes auch kein weiteres Mal. Mit fast 80 Jahren, 1827, verstarb sie als Freifrau von Mayrhofen. Die Inschrift ihres Epitaph lautet: „Hier ruhet die hochgeborne Frau Maria Anna Freyinn von Mayrhoven zu Coburg und Anger, geborne Reichsgräfin von Ueberaker, Sternkreuz-Ordensdame, die in ihrem Schloße zu Klebing den 10. Juli 1827 früh 7 Uhr im Herrn selig entschlafen ist.“ Zwar gibt es dazu kein gesichertes Wissen, doch da die angenommene Erbauungszeit der Kapelle zeitlich nah am Ableben der Freifrau von Mayrhofen liegt, könnte die Kapelle durchaus auf ihren Wunsch oder zu ihrem dankbaren Gedenken errichtet worden sein.
Von der verstorbenen Freifrau Maria Anna erbte ihr Neffe Wolf Otto aus dem Geschlecht der salzburgischen Ueberacker den Besitz. Solange er die Güter nicht eigenverantwortlich bewirtschaften konnte, denn der Erbe zählte erst fünf Jahre, verwalteten seine Mutter Theresia und sein Stiefvater Erasmus, Freiherr von Malsen, seine Güter. Sie waren die Erbauer der Kapelle, worüber noch näher berichtet werden wird.

1842, mit nun 20 Jahren wurde Wolf Otto für reif befunden, sein Erbe anzutreten. Jedoch, die Zeiten begannen sich zu wandeln. Große Reformen überzogen das Land. Sechs Jahre später, 1848, wurden sowohl die Grundherrschaftsrechte aufgehoben, wie auch die Gerichtsbarkeit des Adels. Dadurch verlor Wolf Otto von Ueberacker nicht nur das Obereigentum über etwa 100 Bauernhöfe, sondern auch die ihm bislang daraus gereichten Abgaben.
Aus seiner Ehe mit Risa von Rudnyansky-Dezer gingen neun Kinder, sechs Mädchen und 3 Knaben, hervor. Die älteste Tochter Irene musste diese Welt jedoch bereits mit 21 Jahren wieder verlassen. Sie verstarb am Neujahrstag 1866 und fand ihre letzte Ruhestätte in der Gruft der Kapelle. Im Jahr 1879 folgte ihr der Vater in die Ewigkeit nach, auch er ist in der Gruft begraben.
Nach seinem Tod übernahm der Sohn Wolf Othmar den Besitz, er war nach vier Töchtern der erste Sohn seiner Eltern gewesen und führte den Titel eines „Königlich Kaiserlichen Kämmerers“. 1881 vermählte er sich mit Marie Seraphine von Aichinger und wurde schon ein Jahr später glücklicher Vater eines Sohnes. Die jungen Eltern gaben ihrem Stammhalter den Namen des Großvaters Wolf Otto. Doch schon ein Jahr später mussten sie ihr „innigst geliebtes Kind“ der Ewigkeit anvertrauen. Für den kleinen Buben ließen sie eine Gedenksäule errichten, die von einem weißen Marmorengel behütet wird. 1917 verstarb Wolf Othmar in Salzburg, wurde aber ebenfalls in Pleiskirchen zur letzten Ruhe gebettet. Ein weiterer Gedenksteine hat noch Eingang in die Kapelle gefunden. Er erinnert an das fünfte Kind und den dritten Sohn Wolf Othmars mit Namen Wolf Johann, der in München Jura studierte und schon mit 23 Jahren aus dieser Welt scheiden musste.
Die Ueberacker-Kapelle war vom Ehepaar von Malsen erbaut worden, zu der Zeit als Ludwig I. König von Bayern war. Er war nicht nur ein kunstsinniger Monarch, er förderte auch die Künste. Von seiner königlichen Hauptstadt hieß es seinerzeit „München leuchtet.“
Es ist anzunehmen, dass die Erbauer von Besuchen oder Aufenthalten in der Landeshauptstadt städtisch-moderne Vorstellungen mit aufs Land brachten, welcher Art die Gestaltung der Gruftkapelle ihrer Familie sein sollte. So ist sie im Stil des Klassizismus errichtet und zeigt Ähnlichkeit mit vergleichbaren städtischen Bauwerken dieser Zeit. Ihr Mauerwerk besteht aus verputztem Backstein, die Farbe der Außenwände ist ein gebrochenes Weiß.
Unter dem bekreuzten Giebel ziert sie ein umlaufendes Fries mit Terrakottaplatten, fünf davon in symmetrischer Aufteilung an der Vorderseite. Sie sind mit Vasen mit Palmetten und Akanthusblättern gestaltet. Ähnliche Reliefmotive wiederholen sich auch im Giebeldreieck und sind in einem zarten Grünton gehalten. Zwei Pilaster rahmen die wohlproportionierte Fassade ein.
Von Osten her, der aufgehenden Sonne entgegen, ist die Kapelle durch einen rundbogigen Zugang zu betreten, der mit einem geschmiedeten Gitter verschlossen werden kann. Halbrunde Fensteröffnungen an jeder Kapellenseite lassen das Licht einströmen. Die hellrot marmornen Grabsteine stehen vor den terrakottafarbenen Wänden. Das Kreuzgewölbe ist in blauer Farbe gehalten und vermittelt einen weiten sorgenlosen Himmel.