Historisches aus Töging a. Inn

Eremitenkirche zu Engfurt

Die Klause von Engfurt

Auf dem Weg von Töging a. Inn nach Pleiskirchen liegt vor der Isenbrücke der Ortsteil „Engfurt". In der Nähe zum dortigen Gasthof findet sich eine ehemalige Mühle, zu der ein höchst bemerkenswertes Bauwerk gehört: eine Einsiedelei (auch Klausnerei oder Eremitage).

Die Klause zu Engfurt besteht aus einem Kirchlein und einem kleinen Wohnhaus unter einem gemeinsamen Dach. Im Erdgeschoß sind die Gebäudeteile durch einen breiten Vorraum getrennt. Zwei zweiflügelige Türen ließen einst den Durchgang durch den Vorraum zu, die bergseitige Türe wurde aber später vermauert und mit einem Fenster versehen. Auf dieser Seite führte der Weg weiter, an 14 Kreuzwegstationen vorbei, den Häublberg hinauf. In der Mitte des Weges wartet ein kleiner gemauerter Bildstock auf den Wanderer, mit dem Bildnis des „Heiland auf der Rast", weswegen er auch „Rastkapelle" genannt wird.

Heute sind im Vorraum die Votivtafeln angebracht, die einst von frommen Gläubigen als Dank für erlangte Hilfe gestiftet wurden. Ursprünglich befanden sie sich in der Rastkapelle und kamen zu ihrer Sicherheit aber „hinter Gitter."

Im Erd- und Obergeschoß des Wohnhausteils befinden sich zwei kleine Zimmer. Eines der oberen Zimmer gewährte wohl einst einen Durchblick in die Kirche, der später verschlossen wurde.

Das gesamte Gebäude ist durch gekröpfte Pilaster gegliedert, die Fenster weisen Putzfaschen auf.
Die nach Südwesten ausgerichtete Apsis wird durch einen Halbkreis geschlossen. In ihrem Inneren überwölbt eine Gewölbeschale in Muschelform (Concha) den Altarraum. Das Altarbild zeigt die Hl. Dreifaltigkeit, gemalt von Xaver Zattler aus Wurmannsquick im Jahr 1882.
Der Altar selbst stammt noch aus dem frühen 18. Jahrhundert und weist zwei kunstvoll gewundene Säulenpaare auf.
Zwei gemalte Engelsputten halten im Auszug ein Marienmonogramm. Wie der Altar stammt wohl auch das kunstvolle Eisengitter, das den Altarraum abtrennt, noch aus dem 18. Jahrhundert.


Der Eremit von Engfurt

Aus der Reihe der Eremiten, die in der Klause zu Engfurt beteten und wirkten, trat einer besonders hervor: Johann Aloysius Ströhl, über den eigens berichtet werden soll.

Er war im Jahr 1742 in der Pfarrei Erharting als Kind armer Taglöhner geboren worden und wuchs, zusammen mit seinen vier Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen heran. Arbeit erhielt er in Mühldorf als Bediensteter und Pferdeknecht beim Baron Zillerberg. Außerdem erwarb er sich einiges Wissen über die Naturheilkunde, die ihm auch von einem Mann namens Schreyer vermittelt wurde.
Im Alter von 20 Jahren verlor er erst den Vater, ein Jahr später dann auch die Mutter. Ein Vorhaben trug er wohl schon lange mit sich, das er in den späten 1760er Jahren dann in die Tat umsetzte:
Er pilgerte nach Rom und trat dort in den Franziskanerorden als Klausner ein. Nach seiner Rückkehr ließ er sich in Erharting nieder, wo ihm die Pfarrei bereitwillig eine Klause eingerichtet hatte. Acht Jahre hielt er sich dort auf, wobei er seine Kenntnisse der Pflanzenheilkunde seinen Mitmenschen zu deren Nutzen zukommen ließ.
Sein Wirken brachte den dortigen Bader gegen ihn auf, der ihn sehr bedrängte, was Ströhl schließlich bewog, den Ort zu verlassen. Er begab sich nach Engfurt, wo ihn die Pfarrei Pleiskirchen als Klausner willkommen hieß.

Sein Ruf als mildtätiger Helfer war ihm allerdings hierher gefolgt und es dauerte nicht lange, bis sich die ersten Rat- und Hilfesuchenden bei ihm einstellten. Aufgrund seiner Erfahrungen mit dem Erhartinger Bader vermied er es, Hausbesuche abzustatten, half aber weiterhin jenen, die zu ihm kamen. Es dauerte nicht lange, bis seine „Konkurrenz wiederum Anzeige gegen ihn erstattete, mit der Begründung, er sei ein „ganz gefährlicher Mensch."

Die Regierung Burghausen ließ daraufhin seine Wohnräume durchsuchen und ihn selbst für fast ein Jahr in das Arbeitshaus Burghausen einweisen. Nach seiner Entlassung am 17. Mai 1785 wurde ihm die Ausgabe von Arzneien streng untersagt. Er hielt sich über viele Jahre daran, obwohl er dadurch bestimmt viele Hilfesuchende enttäuschen musste.

1792 aber ließ ihn Graf von Minucci im Stabsquartier des 1. Kürassierregiments in Neuötting erscheinen, denn er war wiederum der verbotenen Arzneiausgabe angezeigt worden. Und wieder erfolgte seine Einweisung in das Arbeitshaus, das er erst am 11. Mai 1793 für vorerst vierzehn Tage verlassen durfte.

Inzwischen waren mehrere Gesuche an die Regierung gestellt worden, die zugunsten des Klausners sprachen, die Angehörigen der Pfarrei Pleiskirchen setzten sich für ihn ein, wie auch der Beamte Schmalhofer des Pfleggerichts Neuötting und einflussreiche Persönlichkeiten aus der Hauptstadt München.

Im August 1793 wurde ihm deshalb in München Gelegenheit zu einem Examen gegeben, woraufhin er die Erlaubnis erhielt, unter bestimmten Einschränkungen seine Heilkunst auf hilflose arme Landleute anzuwenden, die ihn in seiner Klause aufsuchten. Seine Kräuter ließen Johann Aloysius Ströhl wohl das hohe Alter von 88 Jahren erreichen, er starb am 23. März 1830.


Klause wird „privatisiert"

Im Jahr 1897 kaufte die Pfarrei Pleiskirchen die Eremitage mit Kirche, trug sich aber etwa ein Vierteljahrhundert später mit dem Gedanken, das Gebäude abzubrechen.

Dies ließ die benachbarte Familie Reichenspurner aber nicht zu, die seit 1908 die Mühle und den Herrenhof besaßen. Der Müllermeister Josef Reichenspurner, ein sehr gläubiger Katholik, erwarb 1923 Kirche und Klause. Der Kaufpreis betrug 50.000 Mark, dem Gegenwert einiger Zentner Weizen in dieser schlechten Zeit.

Die Nachfahren des Müllers sind auch heute noch aufs Engste mit der Eremitage verbunden, besorgen deren Erhaltung und Pflege und auch das tägliche Gebetläuten wird zuverlässig ausgeführt!

Die Eremitenkirche zu Engfurt ist ein beliebtes Ziel bei kirchlichen Anlässen, wie z.B. Maiandachten, aber auch für private Feierlichkeiten, Taufen, Hochzeiten, Gedenktage. Wir freuen uns auch auf Ihren Besuch!

Ein „kleiner Kirchenführer" ist durch die Kreisheimatpflege, Frau Renate Heinrich, zu erhalten.

Verwendete Literatur:
Max Moesmang, Die Bayerischen Eremiten und der Einsiedler Johannes Aloysius Ströhl von Engfurt bei Altötting, in: Wochenblatt für die kathol. Pfarrgemeinden Münchens, 2. Jahrgang Nr. 4, 5 und 6, München, 1909
Maximilian Hartmann, Kirchen und Pfarreien im Landkreis Altötting, in „Ostbairische Grenzmarken", Band I, Passau, 1957, S. 125
Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Oberbayern, München, Berlin, 1964
Dr. Gustav von Bezold, Dr. Berthold Riehl, Dr. G. Hager, Die Kunstdenkmale des Regierungsbezirkes Oberbayern, München 1905, S. 2415
Versch. Archivmaterial des Landratsamtes Altötting, Nr. 31-Az. 324-5

Altar der Eremitenkirche zu Engfurt
Arbeitsküche
Turbine
Arbeitsküche Turbine

Das Töginger Heimatmuseum

Nachdem im Sommer 2010 festgestellt wurde, dass das Museum im ehemaligen Strotög-Haus in der Innstraße wegen Feuchtigkeit und Schimmel nicht mehr weiter benützt werden kann und auch sonst das Heimatmuseum bei den ungünstigen Räumlichkeiten keine Zukunft mehr hat, suchte man seitens der Vorstandschaft des Heimatbundes nach neuen und geeigneteren Räumen.
Von der Stadt wurde die ehemalige Wohnung im 1. Stock der Bücherei in der Kirchstraße 6 angeboten. Notwendige bauliche Veränderungen und Renovierungen nahm der städtische Bauhof vor, die übrigen Renovierungen erbrachte der Heimatbund: neue Fußböden in allen Räumen, zweckmäßige Beleuchtung, Verhängung aller Fenster mit Spanplatten, um genügend Stellfläche zu erhalten.
Dr. Alfred Gribl von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen machte Vorschläge, mit welchen Themen die einzelnen Räume besetzt werden sollten, die endgültige Ausführung überließ er Josef Steinbichler und seinen Helfern. Der Heimatbund hatte 7000 € zur Verfügung; es kamen noch Spenden hinzu, aber bis zur endgültigen Fertigstellung wurden nur etwa 11000 € ausgegeben.
Das Motto des neuen Museums sollte nach der Idee von Steinbichler lauten: „Vom Bronzeschwert zur Turbine“, weshalb er auch vorschlug, um das Motto augenfällig zu zeigen, dass die momentan im Bauhof lagernde Francis-Turbine neben dem Büchereigebäude aufgestellt werden sollte.
Im ersten kleinen Raum Auftakt wird das heutige Töging gezeigt mit einigen großformatigen Fotos, einem Aluminiumbild von Franz Lamprecht und einem Modell des Hochzeitsbrunnens am Rathausplatz.
Der nächste große Raum beinhaltet die Geologie unseres Heimatraumes und die Frühgeschichte mit Funden aus Steinzeit, Bronzezeit und Römerzeit. Auch die Grabbeigaben des 1955 geborgenen merowingerzeitlichen Reihengrabes hat die Archäologische Staatssammlung München restauriert und zur Verfügung gestellt. Außerdem finden sich in diesem Raum Tafeln und Gegenstände zur frühen Dorfgeschichte.
Auch im nächsten Raum wird die Dorfgeschichte dargestellt, zum Beispiel mit dem Modell, das Töging etwa 1919 zeigt und acht kleinen Gemälden des Malers Fritz Schubert, das Töging um 1952 zeigt.
Kirche und Schule betitelt sich der nächste Raum mit Exponaten zur Schul- und Kirchengeschichte, unter anderem mit zwei Schulmodellen und einer Schulbank von 1946.
Der hintere und größte Raum ist der Werksgeschichte vorbehalten, in dem aufgezeigt wird, wie sich das kleine Bauerndorf durch die Ansiedlung der Industrie zum „Industriedorf“ gewandelt hat.

Die Arbeiterküche, vielen schon bekannt aus dem alten Museum, wird in einem eigenen kleinen Raum gezeigt, sie hat sich nur unwesentlich verändert.
Der lange und schmale Flur wird für Sonderausstellungen verwendet, soweit es aus Platzgründen möglich ist. Für die wichtigsten Archivalien und Fachbücher steht ebenfalls ein kleiner Raum zur Verfügung.
Es konnte nur ein kleiner Teil des alten Museumsbestandes mit in das neue Museum gebracht werden. Zum Teil weil sie wegen ihrer Größe nicht in Frage kamen, zum Teil aber auch, weil sie mit der Töginger Geschichte nichts zu tun haben. Es kamen jedoch viele neue Dinge hinzu, um die Entwicklung des Ortes besser aufzuzeigen, doch immer nach dem Motto: „Weniger ist mehr“.

Geöffnet ist das Museum jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr.

Sonderführungen sind jederzeit möglich. Tel. 08631/9004-0 (Horst Krebes) oder 08631/90944 (Josef Steinbichler)

Einladung ins Heimatmuseum Töging