Historisches aus Unterneukirchen

Historische und naturkundliche Denkmäler

Die 3000-Seelen Gemeinde Unterneukirchen hat sich in den letzten Jahren in ihrem Zentrum mit einem neuen Ortsmittelpunkt etwas moderner verändert. Der dörfliche Charakter ist damit auch baulich noch mehr gestärkt worden. So gesehen bleibt Unterneukirchen im Wandel der Zeit nicht stehen, ist aber dennoch mit der Vergangenheit verbunden und kann mit etlichen historischen Denkmälern und mit einer besonderen naturkundlichen Rarität aufwarten.

Johanneskirche, Unterneukirchen (c) Josef Gruber

Johanneskirche

Der bedeutendste Bau steht im Mittelpunkt des Ortes und ist sein Wahrzeichen: Die etwa um 1250 in romanischem Stil erbaute, ehemalige Pfarrkirche. Sie ist den Heiligen Johannes Evangelist und Ägidius geweiht. Urkundlich ist sie erstmals im Jahre 1300 als „new chirchen“ (Neukirchen) belegt. Das ursprüngliche Gotteshaus ist aber nur noch im östlichen Teil erhalten, beziehungsweise sichtbar. Denn: Ende des 15. Jahrhunderts ist das Gotteshaus, das damals eine Filialkirche von Altötting war, zu klein geworden. Eine größere Überbauung und Erweiterung war nötig. Ein neues Langhaus wurde westlich angebaut und mit einem gotischen Rippengewölbe versehen. 

Als besonders historisches Dokument aus der Bauzeit ist ein Ablassbrief mit Datum 8. Januar 1479 erhalten geblieben, an dem 13 Wachssiegel von Kardinälen hängen, von denen drei später Päpste wurden. 1887 ist die Kirche mit einem neugotischen Flügelaltar ausgestattet worden. Bei den umfangreichen Renovierungsarbeiten im Jahre 2012 sind im Chorraum überraschend gut erhaltene romanische und gotische Freskenmalereien freigelegt worden. Sie zeigen: „Die Geretteten beim letzten Gericht“ sowie „Apostelkreuze mit Hand und Stab.“ Eine Besonderheit ist auch das um 1800 entstandene „Armeseelenkammerl“ (Mortuarium) im Haupteingang zur Kirche.

Johanneskirche, Unterneukirchen (c) Josef Gruber
Johanneskirche - Freilegung Gerettete (c) Josef Gruber
Kulturhaus Unterneukirchen

Kulturhaus

Lokalhistorischen Wert hat auch ein östlich der Johanneskirche stehendes Haus. Das fast drei Jahre lang mit hohem Aufwand und vielen Zuschüssen sanierte und 2015 als „Kulturhaus“ wiedereröffnete Gebäude, war 1812 als Pfarrhaus gebaut worden.  Das Ortsbild prägende Haus mit seinem charakteristischen Krüppelwalmdach dient nun einigen Vereinen als Heimstätte, enthält auch ein Archiv der Gemeinde sowie einen Raum für eine heimatkundliche Sammlung. Das markante Gebäude war vor gut 200 Jahren Voraussetzung dafür, dass die Pfarrei Unterneukirchen gegründet werden konnte. Später war darin auch die Schule untergebraucht und auch der Lehrer wohnte darin. Der klassizistische Bau beherbergte über 120 Jahre lang die Seelsorger, nebenan den Lehrer mit Familie und seine Hilfslehrer. Danach ist darin die erste Gemeindekanzlei eingerichtet worden. Weitere Zimmer dienten bis 2010 sozialschwachen und wenig begüterten Bürgern als Wohnung.

Geologische Orgeln

In dem vorstehend genannten, jetzigen „Kulturhaus“ hat auch der örtliche „Musik- und Kulturverein“ Übungsräume und eine Bleibe gefunden. Der 2004 gegründete Verein nimmt sich auch kulturhistorischer Themen an. Nicht zuletzt deshalb macht er am „Kulturhaus“ mit einer kleinen Infotafel und einer Wegbeschreibung auf ein weiteres Denkmal –dabei aber kein bauhistorisches, sondern ein naturkundliches- in der Gemeinde aufmerksam: die „Geologischen Orgeln“ im Ortsteil Oberschroffen. Ab dem Haus hat er den knapp vier Kilometer lange Weg zu dieser einzigartigen, naturkundlichen Besonderheit ausgeschildert, um sie für einheimische aber auch auswärtige Naturliebhaber wieder mehr ins Blickfeld zu rücken.

Die „Geologischen Orgeln“ auf der Anhöhe im südlichen Gemeindebereich nahe dem Weiler Wetzberg sind nicht nur eine naturkundliche Rarität, sondern ein anerkanntes, zweieinhalb Millionen Jahre altes Naturdenkmal. Es findet sich in einem ehemaligen Steinbruch. Dort kamen sie zum Vorschein, als in früherer Zeit Nagelfluh abgebaut wurde. 2009 sind sie in einem kleinen Festakt an Ort und Stelle ins Verzeichnis „Bayerns 100 schönste Geotope“ aufgenommen und die Gemeinde mit einem Umwelt-Gütesiegel des Bayerischen Umweltministeriums ausgezeichnet worden. Denn: „Die Erdentstehung und ihre Klimageschichte sind dort gut erforschbar“ so das Ministerium, und weiter: „Die Orgeln dokumentieren die Folgen der tiefgreifenden Klimaschwankungen der letzten zweieinhalb Millionen Jahre.“ In Wärmeperioden nach der letzten Eiszeit löste Regenwasser den Kalk im Nagelfluh, wodurch sich bis zu zehn Meter hohe, senkrechte Röhren („Orgelpfeifen“) im Gestein bildeten. Wenn der Wind durch die Schlote pfeift, vernimmt man auch orgelähnliche Töne. Am Naturdenkmal selbst erklärt eine Schautafel die Entstehung. Führungen von Gruppen sind möglich und in der Gemeinde anzufragen.  

Geologische Orgel, Unterneukirchen (c) Josef Gruber
Geologische Orgel, Unterneukirchen (c) Josef Gruber