Historisches aus Winhöring

Feldkirche Winhöring
Feldkirche Winhöring

Die Feldkirche in Winhöring

Ein Händler fuhr mit seinem Wagen voll Ware der Stadt Neuötting zu. Vielleicht war Markttag und er versprach sich guten Gewinn. Doch auf der Landstraße bei Winhöring überfielen ihn Räuber, bedrängten ihn arg und in seiner großen Not gelobte er der Mutter Gottes, zu Ehren ihrer Geburt an der nämlichen Stelle eine Kirche zu errichten, wenn er nur mit heiler Haut davonkäme. Da ließen die Räuber von ihm ab und der Händler kam seinem Versprechen nach und erbaute die Feldkirche St. Maria. So will es die Legende, belegt ist sie nicht!

Nichtsdestotrotz könnte ein Keim der Wahrheit in der Sage liegen, und eine Kirche, ein kleiner Vorgängerbau, vielleicht aus Holz errichtet, aus einer Stiftung entstanden sein. War es tatsächlich ein Handelsmann in Not oder etwa ein Ritter, der heil von einem Kriegszug zurückgekehrt, sein Gelübde einlöste?

Auch wenn das Marienpatrozinium auf eine frühe Entstehung des Gotteshauses hinweisen könnte, wäre es Spekulation und durch nichts bewiesen, die Anfänge der Kirche in einer vorchristlichen Heilsstätte zu suchen, die möglicherweise an einer Römerstraße Töging - Braunau situiert war. Die römischen Straßentrassen behielten ihre Bedeutung teils bis weit in das Hochmittelalter hinein.

Die Bauzeit der Feldkirche um das Jahr 1400 anzunehmen, ist wahrscheinlich, verschiedene Hinweise deuten darauf hin. So ist das „Gotteshaus Feldkirchen“ bereits in einer Urkunde des Jahres 1453 genannt, als Ortolf von Trenbeck zu Burgfried aus dem Besitz der Kirche einen Bauernhof kaufte.

In den 1950er Jahren, anlässlich einer Restaurierung, aufgefundene und freigelegte Fresken weisen als Zeit ihrer Entstehung ebenfalls in das 15. Jahrhundert.

Auch das herausragende Kunstwerk, das der Hochaltar (um 1700 aus rötlichem und weißem Marmor erstellt), schützend umfängt, die Steingussmadonna in der Altarnische, ist wohl um das Jahr 1400 entstanden. Dazu müsste die Figur aber für die Feldkirche geschaffen und nicht etwa von einem anderen Ort hierher verbracht worden sein. Nur vier dieser überaus kunstvollen Steingussmadonnen, die dem „weichen“ Stil zuzuordnen sind, haben ihre Heimat im Landkreis Altötting. Sie finden sich in der Pfarrkirche von Feichten a.d. Alz, an der Pfarrkirche von Neuötting, in der Pfarrkirche von Wald a.d. Alz und in der Feldkirche zu Winhöring. Hergestellt wurden sie in Werkstätten in Salzburg, wobei der Handwerker (denn früher galt auch die Kunst als Handwerk) aus Quarzsand, Gipskristall, Kalk, Eisenoxyd, Leim usw. eine Mischung herstellte und diese in einen Holzblock goss. Den gewonnenen Steinblock bearbeitete der Künstler dann wie ein Steinmetz, wobei derjenige, der die Winhöringer Madonna schuf, eine besonders glückliche Hand bewies. In inniger Liebe betrachtet die Mutter das auf ihren Händen sitzende Kind. Ihr Gewand wird vom Mantel bedeckt, dessen Falten in weichen, kunstvollen Kaskaden gearbeitet sind.   

 

Den Besucher der Feldkirche empfängt im Inneren ein gotischer Raum mit einem Netzgewölbe, das aus den Wandpfeilern und Schildbögen entspringt, und ihn, ob dieser Eleganz, bewundernd einhalten lässt.

Auf den Altar zugehend, ist an der südlichen Wand zunächst die Kanzel zu betrachten, die noch aus der Zeit des Rokoko stammt. Für ihre Türöffnung wurde seinerzeit ein Wanddurchbruch geschaffen. Dabei zerstörte man, sicher unbeabsichtigt, einen Teil der bereits angesprochenen Fresken. Der untere Kanzelkranz zeigt die Symbole der vier Evangelisten, unter dem Schalldeckel schwebt eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes.

Die unter der nachträglich angebrachten Kanzel hervorkommenden und anschließenden Fresken zeigen Teile der Leidensgeschichte Christi: Jesus wird am Ölberg durch einen Engel gestärkt, der vom Himmel herabschwebt. Das zweite Bild zeigt die Vernehmung Christi durch den römischen Statthalter Pilatus. Das dritte freigelegte Fresko stellt die Geißelung Jesu dar. Auch hier herrscht das Geheimnis der Geschichte, der Name des Meisters, der die Fresken seinerzeit schuf, ist nicht bekannt.

An den Seitensäulen in der Mitte des Kirchenschiffs finden sich die Figuren der schmerzhaften Muttergottes und des Hl. Johannes. Sie gehören zur annähernd lebensgroßen Kreuzigungsgruppe, wobei das Kreuz am Deckengewölbe befestigt ist. Einst befanden sich die Madonnen- und Johannesfiguren zur rechten und linken Seite des Altars. Anlässlich der Restaurierung ab 1951 erfolgte die Neuanordnung, wobei zwei barocke Seitenaltäre der Kirche entfernt wurden.

Der Besucher der Feldkirche hat inzwischen den Altar mit der Muttergottesstatue erreicht und damit eine Tradition vergangener Zeiten fortgesetzt, als die Winhöringer Madonna das Ziel einer lange währenden und bedeutenden Wallfahrt war. Zahlreiche Pilgerzüge aus der näheren und ferneren Umgebung trafen alljährlich am Mittwoch nach Pfingsten in der Feldkirche ein. Dem Winhöringer Pfarrer oblag die Verköstigung der Fahnenträger und Mesner der beteiligten Pfarreien, die so zahlreich erschienen, dass teils drei Tische benötigt wurden. Davon, dass es bei diesen Wallfahrten nicht immer nur fromm zuging, wenn die kräftigen und übermütigen Burschen verschiedener Pfarreien „aufeinander stießen“, erzählen alte Rechtsvorschriften, die mancherlei Strafen für allerhand Vergehen vorsahen! So wurde eigens für den Wallfahrtstag ein Schnellgericht bestellt und der Hofmarksrichter zu Winhöring  hatte jeden Fall von Körperverletzung oder Unzucht auf der Stelle abzuurteilen und zu bestrafen. Um dem Recht auch Geltung zu verschaffen, war der Amtmann gehalten, ausreichend Knechte zu seiner Verstärkung anzufordern.

Aus unbekannten Gründen fand die Wallfahrt zu Beginn des 18. Jahrhunderts ihr plötzliches Ende. Um 1800, in der napoleonischen Zeit, wurde die Kirche sogar für einige Jahre als Munitionslager genutzt.

In dieser Zeit hätte der Feldkirche, die nun wieder Ziel von Pilgern war, beinahe das letzte Glöcklein geschlagen. Es war die Zeit der planmäßigen Vernichtung unschätzbar wertvollen Kulturgutes: der Säkularisation. Da sie kaum Geld einbringe, „so wäre es umso weniger schade, wenn diese Kirche abgebrochen würde“, ließ ein Verantwortlicher vor Ort wissen. Der Wirt protestierte, weil er an Kirchweih, am Sonntag nach Mariä Geburt, gute Geschäfte mache. Fünfzehn Eimer Bier schenke er an diesem Tag aus, ließ er wissen und verwies darauf, dass er bei Abbruch der Kirche einen großen Einkommensverlust zu gewärtigen habe. Mehrere Bauern brachten sich ein und gaben zu bedenken, dass in Winhöring dann ja kein Gotteshaus mehr zur Verfügung stünde, wenn es gar in der Pfarrkirche brennen oder ein Isenhochwasser diese unterspülen und zum Absturz bringen sollte?

Ob es diese Einwände oder „göttlicher Beistand“ waren, die die Feldkirche vor dem Abbruch retteten, ist ein weiteres Geheimnis, das die Mauern des Gotteshauses hüten!

Seit 1958 hängen drei Glocken im Turm der Feldkirche, sieben, vier und zwei Zentner wiegen die St Michaels- , die St. Marien- und die St. Sebastiansglocke. Der Inschrift der mittleren, der St. Marienglocke, ist unbedingt beizupflichten, die da lautet: „Unsere liebe Frau von Feldkirchen, beschütze Dein Haus und Deine Gemeinde“!