Laubmischwald im "Holzland", unten - Die Salzach bildet die östliche Landkreisgrenze (© G. Lorenz)

Die Landschaft

Das Gebiet des Landkreises Altötting kann in drei verschiedene Landschaftsräume eingeteilt werden. Im Norden, oberhalb der Inn-Niederung dehnt sich das tertiäre Isar-Inn-Hügelland aus. Daran schließt sich das Inntal mit einer durchschnittlichen Breite von 10 km an. Im Süden die Moränen-Hügel und die Hochterrassenfelder der Alzplatte mit Anfängen des Voralpenlandes.

Nach der Entstehungszeit dieser unterschiedlichen Landschaften verbleibt eine Zweiteilung in das tertiäre Isar-Inn-Hügelland und die eiszeitlich geprägten Erscheinungen in der Mitte und im Süden des Landkreises.

Die älteren Landschaftsformen sind die des tertiären Hügellandes, die in der jüngeren Tertiärzeit, dem sogenannten Miozän, vor etwa 30 Millionen Jahren, entstanden sind. Die landschaftsprägenden Vorgänge hängen unmittelbar mit der Auffaltung der Alpen zusammen. Ein durch den sich emporhebenden Alpenstock abgedrängtes Meer füllte die nördlich entstandenen Mulden mit Meerwasser, das nach und nach zurückging und aussüßte. Das ganze Land zwischen den Alpen und den Rändern der alten Mittelgebirge war mit Wasser bedeckt. Auf dem Grund dieses Meeres häuften sich die Ablagerungen an, die hauptsächlich aus kalkhaltigen Tonen (Mergel und Letten), aus feinkörnigem, mit Glimmer durchsetzem Flinz und aus feinkörnigem Sand bestehen. Im Landkreisgebiet treten von diesen ehemaligen Ablagerungsschichten Fein- und Grobsande, Schluff sowie Quarzgeröll alpinen Ursprungs zutage. Dieses Geröll ist stellenweise nagelfluhartig verbacken. Unter den Geröllschichten bildeten sich wasserundurchlässige Feinsande und Tone, wodurch der bedeutendste Grundwasserspeicher des gesamten tertiären Hügellandes entstand. Viele der Einzelgehöfte beziehen noch heute aus eigenen Brunnenanlagen ihren Wasserbedarf.

Früher war das gesamte tertiäre Hügelland mit Laubmischwäldern bedeckt, weshalb es auch "Holzland" genannt wurde. Obwohl große Teile für die Landwirtschaft gerodet wurden, hat sich dieser Name bis in die Gegenwart bewahrt. Laubmischwald ist sehr selten geworden, die wirtschaftlich ergiebigeren Fichtenwälder sind an seine Stelle getreten.

Die Böden im tertiären Land haben eine mittlere Ertragsfähigkeit. Dort, wo die tertiären Böden mit Löß überlagert sind, ergibt sich eine hohe Fruchtbarkeit. Löß ist kalkhaltiger Feinstaub, der durch die Gletscherwinde während der Eiszeit von Süden herangeweht und im Windschatten der Hügel abgelagert wurde.

Die direkten landschaftsbildenden Einflüsse der Eiszeiten, die vor etwa zwei Millionen Jahren begannen, wirkten sich in unserem Landschaftsraum bis zum Südrand des tertiären Hügellandes aus. Dabei müssen zwei Wirkungen unterschieden werden: Die Wirkung der von den Alpen nach Norden weit ins Land hinausgreifenden Gletscherzungen sowie die Wirkung der Gletscherabflüsse, die gewaltige Mengen Schwemmgut mitführten. Die Gletscher brachten alpine Geröllmassen mit und lagerten sie an ihren Rändern zu hohen Wällen auf. Diese Wälle waren zwar hunderttausende von Jahren der Verwitterung ausgesetzt, trotzdem sind sie als typische, mehr oder weniger hohe Hügel überall im Alpenvorland zu erkennen. Man nennt sie Moränen. Die Moränen der älteren Eiszeit, die am weitesten nach Norden vorstießen, sind naturgemäß weitgehend verwittert und deshalb abgeflacht.

Die südlich der Alz sich erhebenden Altmoränen erreichen eine Höhe von 530 Meter ü. M. Noch weiter südlich befinden sich dann die stärker ausgeprägten Jungmoränen der sogenannten Würm-Eiszeit. Im Inntalbecken und in dessen Umgebung, insbesondere im nordöstlichen Landkreisgebiet zwischen Inn und Salzach, sowie weiter westlich zwischen Inn und Alz, prägen fluvioglaziale Formen die Landschaft. Inn und Salzach sind eiszeitlichen Ursprungs. Sie waren unvorstellbar mächtige Flüsse und wurden von den Gletscherschmelzwassern gespeist. Sie führten alpine Geröllmassen mit sich und lagerten sie terrassenförmig auf.

Wie so etwas vor sich geht, kann man heute noch im kleinen in den Fluß-Schotterbetten verfolgen.

Umfangreiche Nieder- und Hochterrassen begleiten Inn und Salzach durch das ganze Landkreisgebiet. So eine Terrasse ist z. B. das Gebiet um Töging zwischen Isen und Inn. Neuötting ist auf einer Terrasse erbaut. Die großen Staatsforste links und rechts der Alz stehen ebenfalls auf Schotterterrassen. Auch die Alz hat Terrassen gebildet - z.B. im Garchinger Raum. Der größte Teil der Terrassenflächen wurde noch während der Eiszeiten vom Lehm und Löß überlagert. Hier breiten sich sehr fruchtbare Böden aus, die hauptsächlich als Ackerland genutzt werden.

Die höchste Erhebung im Landkreis liegt bei Tyrlaching mit 544 Meter über Normalnull, während der tiefste Punkt beim Zusammenfluß von Inn und Salzach (346 M. ü. NN) zu suchen ist. Der Höhenunterschied beträgt somit 198 Meter.

Die Landschaft, so wie wir sie heute sehen, wird hauptsächlich durch die großen Flüsse geprägt.

Der Inn durchzieht den Landkreis in seiner gesamten West-Ost-Ausdehnung. Die von Süden kommende Salzach bildet die östliche Landkreisgrenze und mündet bei Haiming in den Inn. Die Alz, der Abfluß des Chiemsees, teilt das Gebiet zwischen Inn und Salzach fast genau in zwei Hälften.

Durch das starke Gefälle drängt die Alz bei ihrer Einmündung in den Inn diesen nach Norden. Der große Höhenunterschied zwischen der Talsohle der Alz und dem Wasserspiegel der Salzach wird zur Energiegewinnung ausgenutzt. Dazu dient ein 16 Kilometer langer Kanal, der Alzwasser über ein Elektrizitätswerk bei Burghausen in die Salzach führt.

Kleinere Nebenflüsse der Alz sind der Brunntalbach, sowie der Halsbach mit seinen Nebenbächen. Ein wichtiger linker Nebenfluß des Inn ist die Isen, die südlich von Winhöring mündet. Außerdem führen der Mörnbach von rechts sowie der Reischacher Bach und der Weitbach von links dem Inn Wasser zu. Entlang der nordöstlichen Landkreisgrenze fließt der Türkenbach, der den Inn bei Stammham erreicht.

Die klimatischen Bedingungen im Landkreis sind verhältnismäßig günstig. Die Wärmezufuhr durch das Inntal und durch das Salzachtal bringt gute, ausgeglichene Temperaturverhältnisse. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt ca. 8 Grad C, wobei ca. 33 Sommertage mit Temperaturhöchstwerten von mindestens 25 Grad C zu erwarten sind. Demgegenüber gibt es ca. 32 sogenannte Eistage mit Temperaturtiefstwerten unter 0 Grad C. Die Jahresdurchschnitts-Niederschlagsmenge beträgt ca. 950 mm. Im Süden, im Bereich des Alpenstaus, liegt sie um 100 bis 150 mm höher, im Inn- und Salzachtal dagegen niedriger. 28,56 Prozent des Landkreisgebietes sind mit Wald bedeckt. Es handelt sich in der Hauptsache um Nadelwälder, insbesondere Fichtenwälder. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche umfaßt 57,08 Prozent des Landkreises, wovon etwas weniger als 69 Prozent durch Ackerbau, der Rest als Grünland genutzt wird.