Perfluorierte Tenside (PFT)

Perfluorierte Substanzen in Blutproben aus dem Landkreis Altötting:  Beurteilung des Risikos für Hoden- und Nierenkrebs in den untersuchten Gemeinden

Ab Ende der 1960er Jahre bis 2008 wurde Perfluoroctansäure (PFOA) im Werk Gendorf als Hilfsstoff bei der Herstellung von Fluorpolymeren verwendet. 

Eine Exposition über das Trinkwasser der Bevölkerung der Gemeinde Burgkirchen a. d. Alz, Emmerting, Haiming, Kastl, Markt Marktl, Stammham, Markt Tüßling sowie der Stadt Neuötting  ist bekannt. 

Für diese Exposition wurde in internationalen Studien ein erhöhtes Risiko für Hoden und Nierenkrebs berichtet.  

Das Zentrum für Krebsfrüherkennung und Krebsregistrierung am Bayer. Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit hat für die genannten Gemeinden eine Auswertung der Krebsdaten für den 12-Jahres-Zeitraum 2003 bis 2014 durchgeführt. 

Zusammenfassend betrachtet ergeben sich derzeit keine Hinweise auf eine relevante Erhöhung des Risikos einer Neuerkrankung an Hoden- bzw. Nierenkrebs gegenüber dem bayerischen Durchschnittswert für die Bevölkerung in den Gemeinden Burgkirchen a. d. Alz, Emmerting, Haiming, Kastl, Markt Marktl, Stammham, Markt Tüßling sowie der Stadt Neuötting. 

Das Ergebnis der Auswertung ist auf der Homepage des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit veröffentlicht.

Link zum LGL

 

PFT-Messwerte (perfluorierte Tenside) im Trinkwasser

Informationen über PFT-Messwerte (perfluorierte Tenside) im Trinkwasser des Landkreises Altötting, entnehmen Sie bitte folgendem Link des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

Perfluoroktansäure (PFOA)-Humanbiomonitoring

Zur Produktion von Fluorpolymeren wurde im Chemiepark Gendorf ab Ende der 60er Jahre Perfluoroktansäure (PFOA) als Hilfsstoff (Emulgator) verwendet.  Dieser Stoff wird in Gendorf seit 2003 nicht mehr hergestellt und seit 2008 nach der Entwicklung eines Ersatzstoffes (ADONA) nicht mehr verwendet. 

Aufgrund ihrer thermischen und chemischen Stabilität sowie ihrer Beständigkeit gegen UV-Strahlung und Verwitterung gehört PFOA zu den langlebigen und schwer abbaubaren Stoffen. PFOA war in Gendorf über das Abwasser in die Alz gelangt, wurde aber auch über die Abluft in die Atmosphäre abgeben und als Niederschlag im Boden abgelagert. Durch Auswaschung durch versickernde Niederschläge gelangt PFOA ins Grundwasser und kann über den Grundwasserstrom Trinkwasserversorgungseinrichtungen erreichen. Über das Trinkwasser wurde PFOA dann von den Menschen aufgenommen.

Um die aus der Trinkwasserbelastung resultierende Belastung der Menschen durch Per- und polyfluorierte Verbindungen (PFAS) abschätzen zu können, wurden im Rahmen eines Humanbiomonitorings Plasmaproben von 26 Blutspendern aus Emmerting untersucht, die im Sommer 2015  Blut gespendet hatten. Außerdem wurden 60 historische Proben aus Emmerting des Jahres 2009 untersucht:

Während für Perfluoroktansulfonat (PFOS) eine deutliche Abnahme der Blutkonzentrationen zu beobachten ist (2009: Median 6,0 µg/l; 2015:; Median 2,4 µg/l), trifft dies bei PFOA nur auf die Spitzengehalte zu, während sich im Median ( 2009: 15,6 µg/l; 2015: 26,9 µg/l) keine rückläufige Tendenz beobachten lässt. (Der Median einer Auflistung von Zahlenwerten ist der Wert, der an der mittleren, zentralen Stelle steht, wenn man die Werte der Größe nach sortiert.) ADONA wird überwiegend nur im Bereich der Bestimmungsgrenze gefunden.

Der Humanbiomonitoring-Wert-1 (HBM-1-Wert) für PFOA von 2 µg/l Blutplasma wurde in 85 von 86 untersuchten Blutproben von Blutspendern aus der Gemeinde Emmerting der Jahre 2009 bzw. 2015 überschritten. Dieser HBM-1-Wert war 2016 im Rahmen einer Neubewertung von PFOS und PFOA durch die Kommission Humanbiomonitoring am Umweltbundesamt abgeleitet worden. Die Neubewertungen war insbesondere deshalb notwendig geworden, da epidemiologische Studien reproduzierbare Effekte auf die Schilddrüse, das Immunsystem und die Reproduktion (Fortpflanzung) in sehr niedrigen Dosisbereichen ergeben haben.

Die Ergebnisse der Untersuchungen von Blutproben aus Emmerting und Passau sowie einer Kontrollgruppe aus München mit toxikologischer Bewertung wurden vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) veröffentlicht (http://www.lgl.bayern.de/downloads/gesundheit/arbeitsplatz_umwelt/doc/adona_sachstandsbericht.pdf).  Auf den Seiten des LGL finden sich auch weiterführende Informationen zu  Per- und polyfluorierte Verbindungen (PFAS) einschließlich deren Ersatzprodukte (http://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/kontaminanten/pfas/index.htm