Artenschutz; Allgemein

Artenschutz an Gebäuden - Handlungsempfehlungen

Der Artenschutz an Gebäuden betrifft alle Hauseigentümer, Architekten und Handwerker, denn am Gebäude können sich Brutplätze von bspw. Mauersegler, Haus- und Feldsperling, Hausrotschwanz, Mehl- und Rauchschwalben, Schleiereulen und Turmfalke oder auch Fledermäuse befinden. Ihre Brutplätze sind gesetzlich geschützt. Nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz ist es u. a. verboten, sie zu fangen oder zu töten oder sie während der Fortpflanzungs-, Aufzucht- oder Überwinterungszeit erheblich zu stören oder deren Niststätten bei Vögeln bzw. Tagesquartiere bei Fledermäusen zu beschädigen oder zu zerstören.

Das bedeutet: Bei Sanierungen oder Abriss eines Gebäudes oder Gebäudeteils sowie bei Entkernungen dürfen weder Gelege mit Eiern noch Gelege mit Jungvögeln beseitigt werden, noch die Brutvögel beim Ein- und Ausfliegen behindert werden. Löcher am Gebäude, die von Vögeln und Fledermäusen genutzt werden, dürfen nicht verschlossen werden.

Es geht: Sanierung und Modernisierung im Einklang mit dem Artenschutz

Gebäudebrüter und Fledermäuse am Haus – Hinweise zu Abriss, Sanierung und Neubau“ (pdf)

Wenn Spatzen, Meisen und Rotkehlchen mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 30 km/h gegen Glasfassaden prallen endet das meistens mit einem tödlichen Genickbruch. Jährlich verunglücken Millionen von Vögeln an unseren Fensterscheiben. In ihrer natürlichen Umgebung fliegen Vögel geschickt und rasch durch dichtes Geäst von Bäumen oder Hecken. Unsere moderne Bauweise mit viel Glas wird ihnen jedoch zum Verhängnis, weil sich die Landschaft und Bäume im Glas spiegeln und eine freie Flugbahn vortäuschen.

Teilweise einfache Maßnahmen können helfen, ein Gebäude vogelfreundlich zu gestalten.

LFU (2018): Maßnahmen gegen Vogelschlag an Glasfassaden mit Bezugsquellen
Vogelwarte Sempach (2012): Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht

Mauersegler (Apus apus) sind „Gebäudebrüter“. Als Kulturfolger haben sie sich die menschlichen Siedlungen als Lebensraum nicht nur erobert, sondern sind inzwischen auf diese Strukturen angewiesen. Gebäude sind für sie nichts anderes als eine "Felslandschaft" mit Spalten, Simsen, Ritzen und Höhlungen, die sie für ihre Brutplätze nutzen. Leider ist die Zahl der Mauersegler in den letzten Jahren gerade in den Städten z. T. dramatisch zurückgegangen. Ursachen sind hier u. a., dass bei Bau- oder Sanierungsmaßnahmen in Verbindung mit den heute üblichen Bautechniken und Wärmeschutzmaßnahmen, ihre Brutplätze bewusst oder unbewusst beseitigt werden. Auf der Roten Liste Bayern ist der Mauersegler mit 3 (gefährdet) eingestuft. Nach § 44 Abs. 1 Nr. 1, 2, 3 des Bundesnaturschutzgesetzes sind Mauersegler und auch ihre Nist- und Zufluchtsstätten gesetzlich geschützt.

Mauersegler: Gezielte „Besucher-Lenkung“ bei Neubau und Renovierung
LBV München „Mauersegler Handbuch

Fledermäuse sind die einzigen fliegenden Säugetiere weltweit. Sie fliegen mit ihren Händen und sehen mit ihren Ohren. Durch ihre nächtliche Lebensweise werden sie von vielen Menschen als „unheimlich“ empfunden. Dabei sind sie nützliche Insektenfresser, die bis zu 50% ihres eigenen Körpergewichtes an Insekten jede Nacht vertilgen. Fledermausquartiere sind meistens unscheinbar und können an jedem Gebäude auftreten. Oft bemerkt man sie als Bewohner erst, wenn man sich über vermeintliche Mäuseköttel auf den Fensterbänken wundert. Bundesweit sind bislang 27 Fledermausarten nachgewiesen, in Bayern bislang 25. Viele von diesen Arten stehen auf der Roten Liste Bayern.

Vom Bayerischen Landesamt für Umwelt wurde 1985 das "Artenhilfsprogramm Fledermäuse" ins Leben gerufen und in Nord- und Südbayern zwei Koordinationsstellen für Fledermausschutz eingerichtet. Zu den Aufgaben der Koordinationsstellen zählen u. a. die Erfassung von Fledermausvorkommen und deren Bestandsentwicklung, Beratung von Bürgern und Behörden in Fragen des Fledermausschutzes und Ausbildung und Unterstützung ehrenamtlicher Fledermausschützer.

Koordinationsstelle für den Fledermausschutz in Südbayern
Dr. Andreas Zahn, Hermann-Löns-Str. 4, 84478 Waldkraiburg, Tel.: 08638/86117, E-Mail: andreas.zahn@iiv.de

Was kann ich für Fledermäuse tun?
LFU: Artenhilfsprogramm Fledermäuse
LFU (2017): Rote Liste und kommentiere Artenliste der Säugetiere (Mamalia) Bayerns

Über Hornissen, Wespen und Bienen

Die großen Wespen- und Hornissenkönniginnen verlassen im März/April ihr Winterquartier und suchen nach Nistplätzen.
Holzverkleidungen, Rolladenkästen, Dachböden usw. sind dabei für die Tiere ein idealer Ort. Wer vermeiden möchte, daß in oder an Haus und Wohnung ein Wespennest entsteht, sollte jetzt diese verschließen oder mit Nelkenöl bestreichen. Für Rolladenkästen gibt es im Fachhandel beispeilsweise Dichtungsleisten und Abschlußbürsten, die bei geöffneten Rolläden ein Eindringen von Insekten verhindern.

Die großen Wespen- und Hornissenkönniginnen verlassen im März/April ihr Winterquartier und suchen nach Nistplätzen.
Holzverkleidungen, Rolladenkästen, Dachböden usw. sind dabei für die Tiere ein idealer Ort. Wer vermeiden möchte, daß in oder an Haus und Wohnung ein Wespennest entsteht, sollte jetzt diese verschließen oder mit Nelkenöl bestreichen. Für Rolladenkästen gibt es im Fachhandel beispeilsweise Dichtungsleisten und Abschlußbürsten, die bei geöffneten Rolläden ein Eindringen von Insekten verhindern.

Die Angst ist der Anfang allen Übels. Damit läßt sich auch das Fehlverhalten der meisten Menschen gegenüber scheuen Hornissen oder der manchmal lästigen Wespen erklären. Auch ist beim "Ausräuchern" von deren Nestern schon manches Haus oder Scheune in Asche gelegt worden. Dann allerdings war wirklich die Feuerwehr zuständig.

"Drei Hornissen töten einen Menschen und sieben töten ein Pferd".

An dieser Volksweisheit wird eisern festgehalten, obwohl sie ins Reich der Fabel zu verweisen ist. Die Toxizität eines Hornissen- oder Wespenstiches ist 4-mal geringer als der eines Bienenstiches. Bei Nichtallergikern liegt das Todesrisiko nahezu bei Null. Allergiker sollten grundsätzlich zum Arzt gehen und eine Hyposensibilisierung druchführen lassen.

Der schlechte Ruf der Wespen und Hornissen liegt am Verhalten von lediglich zwei Arten die lästig werden. Es ist dies die "Deutsche Wespe" und die "Gemeine Wespe". Nur sie werden durch menschliche Nahrungsmittel angelockt. Sie nisten gerne im Siedlungsbereich der Menschen und sind so genannte Dunkelbrüter. Rolladenkästen, dunkle Dachverkleidungen, Schornsteine oder auch Mäusenester in einer Wiese werden gerne als Brutstätte auserkoren. Ein Wespen- oder Hornissennest ist einjährig, wird also im nächsten Jahr nicht mehr benutzt.

Das besondere an Wespen und Hornissen ist, sie müssen ihre Brut mit tierischen Eiweiß füttern. Das heißt, sie fangen viele Insekten z.B. Fliegen, Mücken oder Raupen und sind deshalb sehr nützliche Tiere. Ein Hornissenvolk fängt pro Tag so viele Insekten, wie 5 Meisenpärchen (500g). Die Hornisse wiederum ernährt sich großteils auch von Wespen und hält somit deren Population in Grenzen.

Von den Wespen und Hornissen überleben nur die jungen Königinnen den Winter. Sie suchen eine wettergeschützte Stelle und fallen in Winterstarre. Im nächsten Frühjahr beginnt ihr Herz wieder schneller zu schlagen, suchen nach einem geeigneten Platz und beginnen mit dem Bau eines neuen Nestes aus Holzfasern und Speichel. Wenn nach ca. 4 Wochen die ersten Jungen geschlüpft sind, übernehmen diese die Brutpflege und die Königin ist dann nur noch für das Eierlegen zuständig und der Jahreszyklus hat wieder begonnen.

Grundsätzlich sind Wespen und Hornissen friedliche Tiere, solange sie in Ruhe gelassen werden. Nur wenn man nach ihnen schlägt oder versucht ihr Zuhause zu zerstören, wehren sie sich auch durch Stechen.

Und noch ein Punkt, der bislang in keiner Informationsschrift diskutiert wird, der aber dennoch wichtig ist.

Wie alle Tiere, die etwas fressen, werden auch von den Hautflüglern die unverdaulichen Nahrungsreste ausgeschieden und außerhalb des Nestes verbracht. So findet man beispielsweise unter den Hornissennestern eine beachtliche "Kotlache". Dies kann bei größeren Völkern zu einer ganz beachtlichen Ansammlung von Abfällen führen. Dieser feuchte Brei wird zwar in der Regel von irgendwelchen Käfern, Maden und Kleininsekten langsam weiterverarbeitet. An den warmen Standorten, die Hautflügler zur Gründung eines Volkes bevorzugen, können diese Reste unter dem Nest zu erheblichen Geruchsbeeinträchtigungen führen, die auch in benachbarten Räumen bzw. durch die Zimmerdecke feststellbar sind. Bei Nestern auf Dachböden dringt dieser Saft allmählich durch die im allgemeinen nur locker verlegten Bodenbretter in die Zwischendecke ein und verliert seinen Geruch erst, wenn er eingetrocknet ist. Auch in Rollokästen kann es "Abfallprobleme" geben, sei es durch Verfärbung der Tapeten im Zimmer, sei es durch hässliche Streifen am Putz des Hauses. Um derartige Beeinträchtigungen zu vermeiden, bietet sich als einfachste Lösung an, bei frei hängenden Nestern eine Wanne oder einen Karton mit Katzenstreu oder Zeitungspapier unter das Nest zu stellen. Rollokästen neuerer Bauart sind im Allgemeinen so konstruiert, daß keine Probleme auftreten. Ältere Modelle können durch Anbringen von Dichtungsleisten und Abschlußbürsten umgebaut werden. Oft ist eine individuelle Lösung möglich. Unverzichtbar ist aber die Reinigung des Kastens im Winter, wenn das Volk abgestorben ist. Im Extremfall sollten Holzpartien des Rollokastens im Winter erneuert werden.

Der Leiter des Wespenberaternetzwerks ist gerne bereit für Vereine, Feuerwehr, Kindergarten und sonstige interessierte Gruppen Vorträge zum Thema "Wildbienen, Wespen und Hornissen" zu halten. Wenden Sie sich in dieser Angelegenheit bitte an Frau Eva-Maria Ernstberger unter der unten angegebenen Telefonnummer.

Wespenberater des Landkreises Altötting.

Haben Sie Lust auf Artenschutz und Interesse an "gefährlichen" Insekten mit Stachel?

Gesucht sind Leute mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen, die sich für die Lebensweise der Hornissen interessieren und sich zum Berater ausbilden lassen wollen.

Hornissen zählen zu den besonders geschützten Tieren (Rote Liste) die keineswegs gefährlich, aber sehr nützlich und vom Aussterben bedroht sind. Sie siedeln sich in nächster Umgebung von Menschen an. Es gibt daher oft Probleme, da über diese Insekten und ihre Lebensweise nichts bekannt ist.

Aufgaben eines/r Hornissenberater/in ist die Aufklärung und Beratung von Bürgern, die ein Hornissennest in Ihrer Nähe vorfinden.

Das nötige Wissen in Theorie und Praxis wird in einem Kurs vermittelt. Die Ausrüstung und das Material werden zur Verfügung gestellt.

Interessenten melden sich bitte bei den unten angegebenen Ansprechpartnern

Die Kurse finden jedes Jahr im Februar/März statt.

Der Igel

  • Funddatum, Uhrzeit, Gewicht und genaue Fundstelle notieren. Damit beginnt die Dokumentation in die dann weiterhin Gewichtszunahme, Tierarztbesuche, verabreichte Medikamente usw. eingetragen wird.
  • Unterkühlte Igel (Bauchseite des Igels ist deutlich kühler als die eigene Hand) wärmen. Dazu eine handwarme Wärmflasche in ein Handtuch wickeln und in einem hohen Karton den Igel darauf legen.
  • Sobald wie möglich einen Tierarzt aufsuchen, dieser behandelt evtl. Verletzungen, entfernt Außen- und Innenparasiten und hilft bei der Versorgung sehr geschwächter Tiere.
  • Falls nötig, Igelgehege mit Schlafhaus herrichten (siehe Unterbringung)
  • Frißt der Igel in der Nacht nach der Aufnahme noch nicht, muß dringend ein Tierarzt aufgesucht werden
     

Hat der Tierarzt erkannt, daß das gefundene Tier keine menschliche Hilfe benötigt, muß der Igel sofort an seinen Fundort, bzw. dessen unmittelbare Umgebung zurückgebracht werden.

  • Igelsäuglinge ohne Mutter (Junge, die sich tagsüber außerhalb des Nestes bewegen, Augen und Ohren noch geschlossen haben und sich womöglich kühl anfühlen, evtl. Nest einige Stunden beobachten, ob die Mutter zurückkommt).
  • Verletzte Igel (Ort und Umstände des Fundortes können schon Aufschluß über eine Verletzung geben, z.B. Straße, Bauarbeiten. Auch Tiere die tagelang in Gruben oder Lichtschächten ohne Wasser und Futter gefangen waren, brauchen Hilfe)

  • Kranke Igel (Igel die tagsüber Futter suchen, herumlaufen, torkeln oder einfach apathisch daliegen, sich kaum einrollen, erkennbar mager sind, eingefallene, schlitzförmige Augen haben - nicht halbkugelig hervorstehend).

  • Igel die nach Wintereinbruch herumlaufen (d.h. bei Dauerfrost und/oder Schnee).

  • Nicht jeder Igel, der gesehen wird braucht Hilfe - aber jede Hilfe muß richtig sein!

  • Durch die rechtzeitige Einrichtung einer Gartenfutterstelle im Herbst kann verhindert werden, daß später untergewichtige Igel überhaupt in menschlicher Obhut überwintert werden müssen. Dafür genügt es, eine kleine Kiste mit einem Schlupfloch von mindestens 10 x 10 cm im Garten aufzustellen und darin abends einen Teller mit z.B. Hundefeuchtfutter oder Igeltrockenfutter vermischt mit Katzendosenfutter zu deponieren. Die Futterreste müssen morgens unbedingt beseitigt und die Schüssel heiß gespült werden.

  • Niemals Milch geben!!!
    Diese bewirkt beim Igel Durchfall mit der Folge einer Darmentzündung und nachfolgenden Infektionen, die für Igel tödlich enden können. Soll die Futterstelle vor Hunden und Katzen geschützt werden, empfiehlt sich der Bau eines einfachen Futterhäuschens mit verwinkeltem Eingang.

Igel, die bereits 200-300 g schwer sind, tagsüber in Ruhe lassen, denn sie verschlafen den Tag und erscheinen erst abends zum Fressen. Dem nachtaktiven Igel sollte man aber bis zum Morgen Zeit geben, sein Futter zu verzehren. Nur kleine Igel und Igelbabys brauchen auch tagsüber Futter.

Der Igel ist zwar Insektenfresser, sollte aber in häuslicher Pflege nie mit Schnecken oder Würmern gefüttert werden, da diese Überträger von Innenparasiten sind.

Gefüttert wird am Besten mit Katzendosenfutter (bevorzugt mit Huhn) vermischt mir Haferflocken, gekochtes oder gestocktes Ei (nicht öfter als 2 x die Woche), Weizenkleie, Hähnchenfleisch, Rindfleisch, Rinderhack, Rinderherz, Putenfleisch (Fleisch jeweils gekocht, ungewürzt und ungesalzen) oder Igeltrockenfutter.

Zweimal wöchentlich ist die Zugabe von etwas Futterkalk und etwa 2 Tropfen Mulitbionta (Vitamine) anzuraten.

Zur Zahnpflege sollte man dem Igel ab und zu abgekochtes Hühnerklein zum Nagen anbieten.

Wichtig!

Jeden Tag morgens und abends eine Schale frisches Wasser bereitstellen.

Die Nahrungsmenge richtet sich nach der Gewichtszunahme des Igels, diese sollte deshalb genau dokumentiert werden. Die tägliche Zunahme soll anfangs 10-15 g betragen, später etwas weniger. Für einen Igel von ca. 500g genügen 2-3 Eßlöffel pro Tag.

Ein guter Lebensraum für Igel ist reich gegliedert mit Hecken und Gebüschen. In gut strukturierten, ländlichen Gegenden, die der natürliche Lebensraum des Igels waren, verfügten Männchen oftmals über Reviere von 100 Hektra Größe (Weibchen ca. 30 ha).

Aufgrund zunehmender Ausräumung der Landschaft durch Anlage von Monokulturen und Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung wurde der Igel zum Kulturfolger des Menschen und kommt jetzt hauptsächlich in unserem Siedlungsraum vor, da er hier bessere Lebensbedingungen vorfindet.

Aber auch hier drohen dem Igel viele Gefahren - z.B. durch Rasenmäher, steilwandige Gruben und Schächten, Schwimmbädern, Schlagfallen und Giftköder. Pestizide, Kunstdünger und Schneckenkorn vernichten die natürlichen Lebensgrundlagen des Igels ebenso wie übertriebene Aufräumwut im Garten.

Gartenbesitzer könnten den Lebensraum- und Nahrungsverlust für die Igel durch sinnvollen, biologischen Gartenbau teilweise wettmachen. Dazu gehört der Verzicht auf den ohnehin nutzlosen englischen Rasen ebenso wie die Schaffung von geeigneten Unterkunftsmöglichkeiten. Dies können unter anderem sein: Holzstapel, Laub- oder Reisighaufen, Kompsthaufen, dichte Hecken, Steinhaufen, Gartenhäuschen, Schuppen, Treppen, alte Baumwurzeln, natürlicher aber auch mal etwas höherer Grasbewuchs in dem sich der Igel am Tag verstecken kann.

Bereichern Sie Ihren Garten mit einem Teich mit flachen Ufern, denn damit helfen Sie nicht nur den Igeln, sondern allen freilebenden Tieren für die Wasser, insbesondere in der heißen Jahreszeit, überlebenswichtig ist.

Der "igelfreundliche" Garten beginnt schon beim Gartenzaun. Gut geeignet sind Hecken und Lattenzäune ohne hohen Sockel, damit der Igel auch seine nächtlichen Streifzügen durch die Gärten ohne große Hindernisse ausführen kann.

Hat der Igel ein Gewicht von 500-600g erreicht, wird er in den Winterschlaf gelegt. Dafür muß im vorhandenen Igelgehege lediglich das Schlafhaus gegen ein doppelt so großes Winterschlafhaus ausgetauscht werden. Damit sich der Igel ein schönes Nest bauen kann, sollte ihm viel Zeitungspapier zur Verfügung gestellt werden.

Die Tempertur zur Überwinterung muß dauerhaft unter +6 Grad C betragen.

Auch während des Winterschlafes Igeltrockenfutter und frisches Wasser bereitstellen und regelmäßig kontrollieren.

Nach erfolgreicher Überwinterung müssen die Igel Mitte Mai (nach den Eisheiligen) in die freie Natur zurückgebracht werden - am Besten in der Nähe des Fundortes.

Das Igelgehege sollte mindestens 2 Quadratmeter groß sein. Die Seitenwände sollten ca. 50 cm hoch sein, damit der Igel nicht herausklettern kann. Ratsam ist die Verwendung von beschichteten Span- oder Hartfaserplatten, da diese gut zu reinigen sind. Auf den Boden legt man mehrere Lagen Zeitungspapier (nicht Sägemehl, Katzenstreu, Torf o.ä.), deren oberste Lage täglich gewechselt werden muß.

Als Ausstattung genügt eine Wasserschüssel, ein Futternapf und ein Schlafhäuschen. Dies kann ein Karton von etwa 30 cm Kantenlänge sein, der mit einem Schlupfloch von mind. 10x10 cm versehen wird. In das Schlafhaus wird reichlich zerissenes , zerknülltes Zeitungspapier gelegt (kein Stroh, Heu, Holzwolle, Styropor o.ä.) das man bei Verschmutzung auswechselt.

Kranke Igel bei Termperaturen von 18-20 Grad unterbringen. Der Raum sollte Tageslicht haben, belüftet sein aber nicht stark frequentiert, da der Igel sehr geräuschempfindlich ist.

Der bei uns heimische Igel, der sog. Braunbrustigel (Erinaceus europaeus L.), ist ein dämmerungs- und nachtaktives Säugetier. Ein ausgewachsener Igel hat eine Körperlänge von 24-28 cm und wiegt ca. 800-1500 Gramm. Die Männchen sind normalerweise etwas schwerer als die Weibchen. Igel können ein Alter von etwa 7 Jahren erreichen. Normalerweise werden sie aber aufgrund von Krankheiten, Unfällen etc. nur 2-4 Jahre.

In den Monaten Juli bis September werden die 4-7 jungen Igel geboren. Diese wiegen dann 12-25 Gramm und haben die Augen und Ohren noch geschlossen. Die jetzt schon vorhandenen ca. 100 Stacheln sind noch in die aufgequollene Rückenhaut eingebettet. Nach etwa 14 Tagen öffnen sich die Augen und Ohren und nach etwa drei Wochen stoßen die Zähne durch. Kurz darauf erfolgen die ersten Ausflüge der Jungigel aus dem Nest. Dabei beginnen sie bereits, oft relativ erfolglos, selbstständig Beute zu machen, deshalb werden sie bis zur 6. Lebenswoche zusätzlich von der Mutter gesäugt.

Der Winterschlaf des Igels dient zur Überbrückung der nahrungsarmen Monate. Das vorher angefressene Fettpolster, verbunden mit der, im Schlaf herabgesetzten Körperfunktion, ermöglicht es dem Igel, bis zu einem halben Jahr ohne Futter auskommen zu können.

Mit seinem hervorragenden Geruchssinn findet der Einzelgänger "Igel" bei seinen weiten Streifzügen durch sein Revier Nahrung und andere Artgenossen. Sein gut ausgeprägtes Gehör reicht weit in den Ultraschallbereich hinein. Dagegen ist sein Sehvermögen nur schlecht ausgebildet. Auf dem Speisezettel des Igels stehen hauptsächlich Laufkäfer, Ohrwürmer, Regenwürmer, Larven von Nachtschmetterlingen, Schnecken, Hundert- und Tausenfüßler, Spinnen und sonstige Insekten.

Igel sind keine Pflanzenfresser und vergreifen sich deshalb auch nicht an Obst oder Gemüse!

Auffallendstes Merkmal des Igels ist bekanntlicherweise sein Stachelkleid. Dies besteht bei einem erwachsenen Tier aus rund 6000-8000 Stacheln. Droht Gefahr für den Igel, rollt er sich ein und stellt sich dem Angreifer als eine unbezwingbare, stachelige Kugel dar. Diese äußerst erfolgreiche Abwehrstrategie gegen seine natürlichen Feinde hat den Igel zu einer der ältesten noch existierenden Säugetierform gemacht, die vom vorgeschichtlichen Tertiär bis heute überlebt hat.

Diese Strategie, sich bei Gefahr einfach an Ort und Stelle einzurollen und abzuwarten, wurde dem Igel in der heutigen Zeit fast zum Verhängnis, denn einem Auto ist eine Stachelkugel, die auf der Fahrbahn liegt, egal. Dadurch werden pro Jahr allein in Deutschland etwa 500.000 Igel überfahren. Die dadurch verwaisten und verhungernden Igelsäuglinge noch nicht mitgerechnet.

Pro Igel e.V. - Geschäftsstelle
Lilienweg 22
24536 Neumünster
Email: Pro_Igel@t-online.de
über die Igel-Hotline 0180 / 5555-9551 oder Faxabruf 0180 / 5555-9554
oder im Internet unter der Adresse: www.pro-igel.de

Krötenwanderung

Achtung Autofahrer:

Frösche und Kröten sind wieder auf Wanderschaft. Auf ihrem Weg zu ihren Laichgewässern überqueren sie dabei oft viel befahrene Straßen. Das Landratsamt bittet daher alle Verkehrsteilnehmer um Rücksicht.

Um besonders vorsichtige Fahrweise wird an den folgenden Straßenabschnitten gebeten:

  • Gemeindeverbindungsstraße von Emmerting nach Bruck
    Es sind dort bereits Hinweisschilder aufgestellt worden. Hier erstreckt sich die Amphibienwanderung über mehrere Kilometer. Gerade an diesem Streckenabschnitt ist es besonders wichtig, durch rücksichtsvolle Fahrweise das Überleben dieser Krötenpopulation zu sichern.
  • Kreisstraße AÖ 12 von Altötting nach Tüßling
    Die untere Naturschutzbehörde betreut hier seit acht Jahren einen Krötenzaun. Seither wurden in jedem Jahr zwischen 400 und 600 Erdkröten über die Straße getragen. In diesem Bereich befindet sich damit derzeit die individuenreichste bekannte Amphibien-Wanderstrecke im Landkreis.
  • Neuötting am Pilgerweg
    Im Frühjar 1997 wurden hier erstmals überfahrene Erdkröten entdeckt, die auf eine größere Wanderaktivität hinweisen. Im Jahr 1998 wurde erstmals von der unteren Naturschutzbehörde ein Krötenzaun errichtet. Dabei werden jährlich ca. 100 Erdkröten aufgesammelt und sicher zum Laichgewässer gebracht.
  • B 299 im Bereich "Hilgerberg"
    Seit dem Jahr 2002 wurde auch hier eine Wanderroute festgestellt, der kurzfristig aufgestellte Zaun brachte auf Anhieb einen Sammelerfolg von rund 150 Tieren, wobei im Vorfeld schon ca. 50-100 Tiere überfahren wurden.
  • Kastl zwischen Sportplatz und Bonauer
    Hier werden auf Grund des langen Streckenabschnittes keine Schutzmaßnahmen durchgeführt. Um den Kröten eine Überlebenschance zu geben, ist eine rüchsichtsvolle Fahrweise in diesem Bereich von besonderer Bedeutung.
  • Kreisstraße von Marktl nach Perach
    Bis vor wenigen Jahren tauchten in diesem Bereich nachts einige hundert Erdkröten auf. Auf Initiative der unteren Naturschutzbehörde wurden vor rund 14 Jahren Ersatzlaichgewässer nördlich der Straße angelegt. Diese Weiher wurden von einem Teil der Population angenommen. Die Wanderung über die Straßen zur Mastenlake am Badesee besteht so gut wie nicht mehr. Die Population ist aber erheblich gesunken.
     

Der Straßentod stellt nach wie vor die größte Bedrohung der heimischen Amphibienbestände dar. Zu ihrer Rettung reicht das Anlegen von Gartenteichen nicht aus - im Gegenteil. Vielmehr müßten Kleinstgewässer und Feuchtgebiete so in der freien Landschaft angelegt werden, daß Kröten und Frösche sie gefahrlos erreichen können. Solche Maßnahmen können aus dem Landschaftspflegeprogramm gefördert werden.

Erdkröte

Sollten Sie auch eine Stelle wissen, an der viele Amphibien eine Straße überqueren und dadurch gefährdet sind, teilen Sie uns dies bitte mit. Wir werden dann geeignete Maßnahmen ergreifen.

Mehr Informationen erhalten Sie bei den zuständigen Ansprechpartner der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Altötting.

Schutzzaun

Schlangen im Landkreis Altötting

Die Äskulapnatter erreicht im Landkreis eine Körperlänge von etwa 1,60 m. Tiere aus dem Passauer Raum werden im Durchschnitt etwas größer. Was die Größe der Äskulapnatter anbelangt, gibt es zwar öfter den Hinweis auf längere Tiere im Süden, tatsächlich stammen aber die publizierten Einzelmaxima: 215 cm (Kleine Karpaten/Slowakei, PONEC 1978) und 225 cm (Krems/Niederösterreich, LUTTENBERGER, 1978) nicht aus dem südlichen Verbreitungsgebiet (BÖHME, 1993 im "Handbuch der Amphibien und Reptilien Europas").

Die größten in Deutschland gemessenen Äskulapnattern betrugen 176 cm und rekonstruierte 184 cm (weil fehlende Schwanzteile), (GOMILLE, 2002).

Männchen werden größer als Weibchen. Die Grundfärbung variiert von einem gelblichen Braun über Oliv bis fast Schwarz. Ein wichtiges Merkmal sind weiß umrandete Schuppen die zu einer hellen Längsstrichelung entlang der Körperseiten führen (siehe Foto). Der sehr schlanke Kopf ist deutlich weniger vom Rumpf abgesetzt als bei unseren anderen Schlangen. Besonders Jungtiere sind noch auffällig „netzartig“ gezeichnet. Dazu haben sie hinter einem dunklen Schläfenband gelbliche Flecken, was häufig zu Verwechslungen mit der Ringelnatter (Natrix natrix) führt, bei der diese Flecken typisch sind.

Äskulapnatter im Jugendkleid

Äskulapnatter - Verbreitung und regionales Vorkommen

Die Äskulapnatter kommt außer der iberischen Halbinsel praktisch im gesamten südlichen- und östlichen Mitteleuropa und Südeuropa bis zum Schwarzen Meer vor.

In Deutschland gibt es Reliktvorkommen im Rheingau, im südlichen Odenwald, an der Donau ab Passau sowie an der unteren Salzach.

Das seit über 100 Jahren bekannte Vorkommen bei Burghausen wird auf die frühere Inn-Schifffahrt mittels der Treidelwege über den Donauraum herauf zurückgeführt (REICHHOLF, 2000). Als diese Art der Frachtbeförderung aufgegeben wurde, verinselten die Bestände und lediglich an den wärmebegünstigten Salzachhängen konnte sich ein  Restbestand bis heute halten, der sich jetzt sogar wieder ausbreitet. Auch im Berchtesgadener Raum sowie um Bad Reichenhall wurden vor wenigen Jahren kleine Bestände entdeckt (DROBNY, 2001). Vermutlich haben hier  jeweils wenige Tiere überdauert und sich in jüngster Zeit wieder etabliert.

Äskulapnatter - Situation im Landkreis Altötting

Im besiedelten Bereich in und um Burghausen ist die Äskulapnatter mittlerweile die häufigste Schlange. War die Natter um 1989 mit einem Bestand um 170+/-30 Tieren (DROBNY, 1989) bei einem vergleichsweise schlechten Gesundheitszustand noch stark gefährdet, hat sich dieser bis heute vervielfacht. Schutzmaßnahmen, Aufklärungsarbeiten insbesondere wohl aber klimatische Veränderungen haben dazu beigetragen. Man kann sie heute entlang des Inns wieder bis etwa Ering finden. Im Schellenberggebiet (Simbach/Inn) sowie um Braunau (SEIDL, 2000) kam es sogar zur dauerhaften Ansiedlung.

Äskulapnatter - Lebensweise

Die Äskulapnatter ist tagaktiv, verkriecht sich aber bei großer Hitze. Gerne liegt sie im Halbschatten und flüchtet (im Gegensatz zur Ringelnatter) meist nicht sofort wenn man sich ihr nähert, wodurch sie oft übersehen wird. Sie klettert gerne auf Bäume und Sträucher und gelangt dabei nicht selten auch in Gebäude. Wird die Schlange ergriffen, beißt sie schon mal schmerzhaft zu. Ihr Biss ist zwar ungiftig aber nicht ungefährlich. Da Kleinsäuger, insbesondere Mäuse als Hauptnahrung dienen ist eine Übertragung von verschiedenen Krankheitserregern bis hin zum Hanta-Virus denkbar.

Die Äskulapnatter ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz und der FFH-Richtlinie streng geschützt und in der Roten Liste der Bundesrepublik Deutschland als stark gefährdet eingestuft.

Sie darf daher weder gefangen, vergrämt oder gar getötet werden. Gibt es dennoch mal Probleme mit einem Tier, sollte man sich an die Untere Naturschutzbehörde (Landratsamt) wenden. Diese wird dann gegebenenfalls notwendige Maßnahmen bis hin zur Umsiedlung einleiten.

Mit einer Körperlänge von bis zu etwa 1,40 Meter wird die Ringelnatter im Gebiet nicht so groß wie die Äskulapnatter. Bei Ringelnattern wird das Weibchen deutlich größer und schwerer als das Männchen. Große Weibchen können durchaus ein Gewicht von 3-4 kg erreichen und sehen dann wesentlich imposanter aus als eine gleichgroße Äskulapnatter.

Der Kopf ist deutlich vom Körper abgesetzt, die Pupillen sind wie bei allen im Gebiet vorkommenden Nattern rund (vgl. Kreuzotter). Die Grundfarbe der Tiere variiert von Schiefergrau über Olivbraun bis fast Schwarz. Ringelnattern sind bei uns nur wenig (unregelmäßige dunkle Flecke) gezeichnet. Sehr selten findet man aber auch Exemplare mit deutlichen Längsstreifen, die dann der Unterart persa gleichen.

Auffälligstes Erkennungsmerkmal sind die gelblichen „Halbmondflecken“ auf beiden Seiten hinter dem Kopf. Nach hinten werden sie von sichelförmigen schwarzen Flecken begrenzt. Ähnlich gezeichnet sind auch Äskulapnattern im Jugendkleid wodurch es immer wieder zu Verwechslungen kommt. Ein schachbrettartiges Fleckenmuster auf der hellen Bauchseite führt zudem gelegentlich zur Verwechslung mit der Würfelnatter, die jedoch im Landkreis nicht vorkommt.

Ringelnatter - Verbreitung und regionales Vorkommen

Die Ringelnatter ist in Europa in verschiedenen Unterarten weit verbreitet und bayernweit die häufigste Schlange. Dies gilt auch im Landkreis Altötting mit Ausnahme der besiedelten Bereiche um Burghausen wo die Äskulapnatter diesen Rang eingenommen hat

Ringelnatter - Lebensweise

Ringelnattern sind tagaktiv und leben vorzugsweise in der Nähe von Gewässern aller Art.

Sie können gut schwimmen und tauchen. Sie sind jedoch nicht unbedingt auf Wasser angewiesen und besonders erwachsene Tiere findet man oft weitab von Gewässern zum Beispiel an Gehöften, was ihr den Beinamen „Hausnatter“ eingebracht hat. Hier ernährt sie sich dann überwiegend von Mäusen.  Ringelnattern sind sehr scheu und flüchten meist noch bevor man sie bemerkt. In die Enge getrieben geht sie schon mal in Angriffs-Stellung, ohne jedoch zu beißen.

Wird sie angefasst oder aufgehoben, entleert die Ringelnatter nicht selten ihre Kloakendrüse, die eine übelriechende Flüssigkeit enthält.

Gelegentlich kann man im Frühjahr zum Beispiel gerne an den Flussdämmen die Tiere bei der Paarung beobachten. Diese Paarungsgruppen können oft aus mehreren dutzend Tieren bestehen. Dabei versammeln sich viele Männchen um ein oder wenige Weibchen.

Auch die Ringelnatter ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und in der Roten Liste sowohl der Bundesrepublik Deutschland wie auch in Bayern als gefährdet eingestuft.

Schlingnatter - Beschreibung und Verwechslungsgefahr

Mit einer Körperlänge von 60 – 80 cm ist die Schlingnatter unsere kleinste Natter. Ein Größenunterschied zwischen den Geschlechtern ist nicht nennenswert. Die Schlingnatter ist in Färbung und Zeichnung recht variabel. So reicht die Grundfärbung von Grau über Braun bis ins Rötliche.
Während manche Tiere nur sehr schwach gezeichnet sind haben andere zwei oder sogar vier Fleckenreihen die selten auch zu Längsstreifen verschmelzen können. Extrem gezeichnete Tiere können daher auf den ersten Blick durchaus mit einer Kreuzotter verwechselt werden. Dies umso mehr, da vielen Bürgern in der Region die Schlingnatter völlig unbekannt ist. Erst beim genauen hinsehen ist die für unsere Nattern typische runde Pupille erkennbar.

Schlingnatter - Verbreitung und regionales Vorkommen

Die Schlingnatter ist in Europa weit verbreitet. Auch in Deutschland ist sie weit aber nicht flächendeckend vertreten. So liegen ihre Verbreitungsschwerpunkte in wärmebegünstigten Gebieten des Südens, während ihre Bestände nach Norden hin immer stärker verinseln. Als Trockenheit  und Wärme liebende Schlange finden wir die seltene Schlingnatter im Landkreis vor allem an wärmebegünstigten Hanglagen, Magerrasen, Waldrändern und an den fluss- und bahnbegleiteten Dämmen.  Dies sind auch die Habitate der Zauneidechse, die zusammen mit der Blindschleiche die Hauptnahrung der Schlingnatter darstellt. Findet man bei uns an so einem xerothermen Standort eine stark gezeichnete Schlange, kann man schon an Hand des Lebensraums eine Kreuzotter mit ziemlicher Sicherheit ausschließen, da diese kühlere Bereiche vorzieht.

Die Schlingnatter ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und in der Roten Liste in Bayern als stark gefährdet eingestuft. Dennoch kommt es immer noch vor, dass dieses für den Menschen absolut harmlose Tier erschlagen wird. Dabei kann man sich auch nicht auf eine Verwechslung mit der Kreuzotter berufen, da diese denselben Schutz besitzt und ebenso gefährdet ist.

Kreuzotter - Beschreibung und Verwechslungsgefahr

Die Kreuzotter ist mit etwa 50 bis etwa 80 cm Körperlänge eine kleine bis mittelgroße Giftschlange aus der Familie der Vipern. Weibchen werden deutlich länger und schwerer als Männchen, die eine Länge von 60 cm in der Regel nicht überschreiten. Der Körper der Schlange wirkt gedrungen, der Kopf ist für eine Viper vergleichsweise wenig, im Vergleich zur Schlingnatter jedoch deutlich abgesetzt. Die Grundfarbe der Kreuzotter ist sehr variabel und reicht von Silbergrau über Grau bis Schwarz, bzw. von Gelblich über Orange und Rotbraun bis Kupferrot.

Das auffälligste Zeichnungsmerkmal ist ein dunkles Zickzack-Band auf dem Rücken, welches aber ebenfalls sehr variabel ausgebildet sein kann. Nicht selten werden Schlingnattern deshalb, aber auch wegen der örtlichen Namensgebung (Kupferschlange für Schlingnatter und Kupferotter für Kreuzotter) fälschlicherweise für Kreuzottern gehalten. Bei genauer Betrachtung ist bei Kreuzottern die für Vipern charakteristische senkrechte Pupille zu erkennen.

Kreuzotter - Verbreitung und regionales Vorkommen

Die Kreuzotter besitzt von allen Vipern das größte Verbreitungsgebiet und ist die einzige Schlangenart, die auch noch nördlich des Polarkreises angetroffen werden kann. Im Süden Bayerns kommt sie schwerpunktmäßig im Bayerischen Wald, den Alpen und in den ihnen vorgelagerten Mooren vor. Dazwischen tun sich größere Areallücken, insbesondere in den klimatisch wärmeren Flusstälern, so auch an Inn und Salzach auf. So gibt es derzeit keine Kreuzotterbestände in den Landkreisen Altötting und Rottal-Inn. Das nächste größere Vorkommen befindet sich im Umfeld des Ibmer Moores. Dennoch kann nicht ganz ausgeschlossen werden, dass gelegentlich durch Verfrachtung aus den Oberläufen von Alz und Salzach Einzeltiere bis in den Landkreis vordringen. Bei allen dem Autor gemeldeten und in den lokalen Zeitungen (z.B. Wacker-Zeitschrift vor einigen Jahren) abgebildete „Kreuzottern“ handelte es sich um Schlingnattern, soweit dies noch nachvollziehbar war. Schon anhand des Lebensraums an denen die Tiere gesichtet wurden (trockene Hänge, Dämme etc.) konnte die „kälteliebende“ Kreuzotter bereits im Vorfeld mit ziemlicher Sicherheit ausgeschlossen werden.

Kreuzotter - Biss und Giftwirkung

Kreuzottern sind sehr scheu und flüchten bei Gefahr sofort. Werden sie jedoch massiv bedrängt, angefasst oder man tritt auf sie, beißen sie zu. Das Gift ist sehr wirkungsvoll aber wegen seiner geringen Menge für den Menschen zwar schmerzhaft, aber in der Regel ungefährlich. Ein erwachsener Mann von etwa 75 Kilo müsste von mindesten fünf Tieren jeweils direkt in ein Blutgefäß oder von 50 Tieren ins Gewebe gebissen werden, um mit 50%iger Wahrscheinlichkeit daran zu sterben. Dies natürlich nur rein rechnerisch ohne Berücksichtigung des Gesundheitszustands. Bei Kleinkindern und alten Menschen kann ein Biss durchaus auch tödlich enden. In den letzten 50 Jahren kam es in Deutschland jedoch nur zu einem bekannten Todesfall nach einem Kreuzotterbiss. Im Jahr 2004 starb eine 81-jährige Frau auf der Insel Rügen nach dem Biss einer schwarzen Kreuzotter. Da der Tod bereits sehr kurz nach dem Biss eintrat, gilt es jedoch als unwahrscheinlich, dass er ausschließlich durch die Giftwirkung verursacht wurde. Übrigens im selben Zeitraum kamen sowohl durch Bienenstiche, als auch von Rehwild verursachten Unfällen, jeweils mehrere Tausend Bundesbürger ums Leben.

In früheren Jahrzehnten wurden viele Populationen durch massenhaftes Töten von Tieren erheblich reduziert. Heute steht die Kreuzotter wie alle heimischen Schlangen unter besonderem Schutz. Vor allem Lebensraumzerstörung wie Torfabbau oder aber auch Wiedervernässungsmaßnahmen in teilabgetorften Hochmooren, wodurch die Reptilien in die Randbereiche abdrängt werden, setzen den außeralpinen Beständen erheblich zu. So gilt mittlerweile auch die Kreuzotter in Deutschland als stark gefährdet.

Verwendete Quellen:

BÖHME, W. (1993): Handbuch der Amphibien und Reptilien Europas, 3/1.
Aula-Verlag, Wiesbaden

DROBNY, M. (2001): Untersuchungen zum Status der Äskulapnatter (Elaphe longissima, Laurenti 1768) im Berchtesgadener Becken - Eine unbekannte Population in Deutschland?
ANL Laufen

GOMILLE, A. (2002): Die Äskulapnatter Elaphe longissima
Chimaira-Verlag, Frankfurt a.M.

REICHHOLF, J.H. (2000): Die Verbreitung der Äskulapnatter Elaphe longissima zwischen Burghausen und Passau-Jochenstein: Neue Befunde und eine historische Interpretation
Mitt. Zool. Ges. Braunau Bd.7, Nr.4: 315 – 320

SEIDL, F. (2000): Nachweis einer vitalen Population der Äskulapnatter (Elaphe longissima longissima) im Gemeindegebiet von Braunau am Inn (Oberösterreich)

Mitt. Zool. Ges. Braunau Bd.7: 311 – 314

Sowie das Internet-Lexikon Wikipedia


Bildnachweis:
Äskulapnatter im Jugendkleid von Günter Heidemeier
Alle übrigen Bilder vom Verfasser

Verfasser:

Walter Sage, Seibersdorfer Str. 88a, D-84375 Kirchdorf/Inn

Schmetterlinge

von Walter Sage (2006)

Der Landkreis Altötting zeichnet sich durch seine reich gegliederte Landschaft und damit einer Anzahl verschiedener Lebensraumtypen aus. Hier trifft das tertiäre Hügelland mit seinen zahlreichen Kleinstrukturen auf die ausgedehnten eiszeitlichen Schotterflächen, in die sich die Flüsse Inn, Alz und Salzach ihr Bett mit meist stufenförmigem Aufbau gegraben haben. Neben den Flüssen, mit ihren zum Teil flächigen Weich- und Hartholzauen, sowie den ausgedehnten “Schilfwäldern“ im Bereich der Salzachmündung gibt es jedoch auch große zusammenhängende Forste, sowie kleinflächige Trockenstandorte, Nieder- und Übergangsmoore. Während die “Vogelfreistätte Salzachmündung“ als wichtiger Teilbereich des Europareservat “Unterer Inn zwischen Haiming und Neuhaus“ besonders unter Ornithologen überregional bekannt ist, kennen die vielen Kleinlebensräume meist nur “Insider“. Die Summe aller dieser verschiedenen Lebensräume führt jedoch erst zur großen Artenvielfalt der Tier- und Pflanzenwelt im Landkreis. Stellvertretend sollen hier die sogenannten Großschmetterlinge (Macrolepidoptera) behandelt werden.

Zu der etwas unglücklich, da systematisch nicht korrekt, gewählten Bezeichnung Großschmetterlinge zählen unsere Tagfalter, die Eulenfalter, die Spanner sowie die Spinner und Schwärmer. Meist werden aber auch noch die Sackträger, Widderchen, Glasflügler sowie die Holz- und Wurzelbohrer zu den Großschmetterlingen gerechnet, obwohl sie systematisch den Kleinschmetterlingen zugeordnet sind. In Bayern leben derzeit etwa 1170 Arten von Groß- und etwa 1970 Arten von Kleinschmetterlingen. Leider sind die Kleinschmetterlinge mit negativen psychologischen Komponenten vorbelastet (klein = unbedeutend, unwichtig, schwer bestimmbar; Kleinschmetterling = “Motten“ = Schädling). Im krassen Gegensatz zu den genannten, sachlich falschen Vorurteilen kommt den Kleinschmetterlingen eine enorme biologisch-ökologische und damit auch naturschutzfachliche Bedeutung zu. Im Landkreis befassen sich zwar einige Entomologen auch mit den Kleinschmetterlingen, für eine lokale Artenliste reichten die Daten bisher aber bei weitem nicht aus.

Seit etwa 1975 konnten im behandelten Gebiet rund 700 Arten von Groß- schmetterlingen (inkl. den Arten der oben erwähnten Familien) nachgewiesen werden. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein starres Artenspektrum, vielmehr ordnet sich die Artenzusammensetzung von Jahr zu Jahr neu. Nichts ist eben in der Natur so beständig wie der stetige Wandel. Einige Arten die noch zu Beginn der Auf- zeichnungen hier gefunden wurden, wie die Pflaumenglucke (Odonestris pruni), die Schattenkönigin (Brentis circe) oder der Große Eisvogel (Limenitis populi) sind längst verschollen. Andere Arten wie der Nachtkerzenschwärmer (Proserpinus proserpina) oder ganz aktuell die Staubeule (Platyperigea kadenii) sind dafür neu ins Gebiet eingewandert und hier bodenständig geworden.

Wildbiene und Uhu

Wenn man von Bienen spricht, denkt man - nicht nur als Imker - natürlich in erster Linie an unsere domestizierten Honigbienen. Der Ausdruck "'Wildbienen" meint nicht die wilden Vorfahren unserer Honigbienen oder gar verwilderte Honigbienen; vielmehr soll er die über 500 allein in Deutschland vorkommenden Bienenarten von der einzigen Nutzbiene unterscheiden.

Wildbienen leben als Einzelgänger (solitär) und produzieren weder Honig noch Wachs (Ausnahme Hummel). Viele Einsiedlerbienen und bestimmte Pflanzen sind symbiotisch aufeinander angewiesen. Werden sie nicht mehr bestäubt, kann eine ganze Population einer Pflanzenart verschwinden.

Da die Zahl der Honigbienen dramatisch zurückgeht, gewinnt die Bestäubungsleistung der Wildbienen auch für Kulturpflanzen immer mehr an Bedeutung. Der Schutz von Wildbienen durch Erhalt und Neuanlage von Lebensräumen ist dringend geboten.

Wildbienen-Flyer

Seit 2013 werden im Rahmen des Artenhilfsprogramms für Felsbrüter des Bayerischen Landesamts für Umweltschutz (LFU) die Vorkommen des Uhus (Bubo bubo) entlang des Inns und seiner Zuflüsse untersucht. Ziele sind neben einer Bestandserfassung, das jährliche Monitoring (Bruterfolg) und die Identifizierung von Gefährdungspotentialen für die einzelnen Brutplätze sowie die Umsetzung entsprechender Schutzmaßnahmen.

Im Landkreis Altötting sind bislang 15 Brutstandorte an Inn und Salzach festgestellt worden. An 6 Plätzen wurden zwischen 2013 und 2017 erfolgreich Junge großgezogen (Stand 2017). Damit stellt der Landkreis Altötting etwa 20 % der gesamten untersuchten Population im südostbayerischen Raum mit überregional bedeutenden Brutstandorten (hohe Nachwuchsraten). Teilgebiete weisen bayern- und deutschlandweit betrachtet mit die höchste Siedlungsdichte auf.

Im Landkreis Altötting werden Maßnahmen zum Schutz des Uhus seit 2019 umgesetzt.

UHU - König der Nacht eine „Volkszählung“ im Landkreis Altötting

Uhu

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