Auf dem Weg zum Brennenverbund

Verbuschter ehemaliger Offenlandbereich in der Alzaue (c) J. Kiefer

Verbuschter ehemaliger Offenlandbereich
in der Alzaue (c) J. Kiefer

Vorarbeiten

Das Arten- und Biotopschutzprogramm Bayern (Landkreis Altötting) zählt das mittlere und untere Alztal zu den bayernweit bedeutsamen Biotopverbundkorridoren und gibt dem Erhalt und der Entwicklung von Kalkmagerrasen und lichten Wäldern auf Brennenstandorten besonders hohe Priorität.

Der Landkreis Altötting hat daher in den vergangenen Jahren die verbliebenen Brennenstandorte in den Vordergrund der Naturschutzarbeit gestellt. Die Umsetzung erfolgte großenteils durch den Landschaftspflegeverband Altötting.

Ergänzend wurde 2009 im Auftrag des Landschaftspflegeverbandes ein Verbund- und Entwicklungskonzept für die Brennen der Mittleren und Unteren Alz im Landkreis Altötting erstellt. Ziel des Konzeptes war es, unter Einbeziehung alter Luftbilder und im Abgleich mit aktuellen Luftbildern das Standortpotenzial für den Erhalt und die Wiederherstellung von Brennen zu ermitteln.

Projekt "Sicherung, Vernetzung und Wiederherstellung von Brennen im mittleren Alztal"

Zur Umsetzung dieses Konzeptes wurde im Jahr 2011 das Projekt „Sicherung, Vernetzung und Wiederherstellung von Brennen im mittleren Alztal“ gestartet. Ziel des Projektes war es, Flächen zu erwerben, um die verbliebenen Brennenreste im mittleren Alztal durch die Wiederherstellung magerer Offenlandbereiche und lichter Wälder miteinander zu verbinden. Als Beitrag zur Herstellung des landesweiten Biotopverbundes wurde das Projekt in die Initiative BayernNetz Natur des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz aufgenommen und vom Bayerischen Naturschutzfonds gefördert. Die Trägerschaft übernahm der Landkreis Altötting.

Die Laufzeit des Projektes erstreckte sich von August 2011 bis Dezember 2016. Das Projektgebiet umfasste zunächst das untere Trauntal im Landkreis Traunstein und das Alztal von Feichten bis Emmerting im Landkreis Altötting, ab 2014 nur noch das Alztal im Landkreis Altötting.

Die Projektbearbeitung erfolgte durch die Planungsbüros Dr. H. M. Schober GmbH und H&S GbR, Freising. Sie wurde durch eine projektbegleitende Arbeitsgruppe am Landratsamt Altötting unterstützt.

Schwerpunkte des Projektes waren der Erwerb von Flächen für den Brennenverbund und die Vorbereitung von Maßnahmen auf den erworbenen Flächen.

Insgesamt konnte neues Flächenpotenzial für den Brennenverbund im Umfang von 98,5 ha gewonnen werden. Maßnahmenvorbereitende Planungen wurden für 17 Flächenkomplexe mit einer Gesamtfläche von 56,1 ha erstellt.

Flächenerwerb

Der Flächenerwerb wurde in zwei Tranchen vom Büro H&S GbR in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Altötting durchgeführt. Die Grundstücksanfragen umfassten Privateigentümer, Firmen und kommunale Eigentümer. Ziel war es, Flächen für den Brennenverbund zu kaufen, langfristig zu pachten oder anderweitig zur Verfügung gestellt zu bekommen. Besonders attraktiv für die Flächeneigentümer war die langfristige Verpachtung von Waldflächen. Dieses Instrument wurde speziell für das Projekt entwickelt, um den Eigentümern zu ermöglichen, Flächen für den Naturschutz zur Verfügung zu stellen, ohne Grund verkaufen zu müssen. Ferner wurde mit dem Wasserwirtschaftsamt Traunstein Kontakt aufgenommen, um dessen Flächenankauf an der Alz mit dem Brennenverbund zu koordinieren.

  Art der Flächenbereitstellung Fläche (ha)
Acker Grünland Wald Gesamt
Kauf 5,5 2,6 12,2 20,3
Langfristige Pacht   2,1 30,8 32,9
Summe Kostenwirksame Flächenbereitstellung       53,2
Sonstige Flächenbereitstellung (Landschafts- pflegeverband, VNP)       37,6
Ankauf durch das WWA Traunstein       7,7
Summe Neues Flächenpotenzial für den Brennenverbund       98,5
Flächenerwerb

Maßnahmenplanung auf den erworbenen bzw. zur Verfügung gestellten Flächen

Die erworbenen bzw. langfristig gepachteten Flächen sollen für den Brennenverbund aufgewertet werden. Zu diesem Zweck wurden für diese Flächen Pflege- und Entwicklungspläne erstellt und zu 17 Flächenkomplexen zusammengefasst. Vor der Planung erfolgte jeweils eine maßnahmenbezogene Vegetationskartierung mit faunistischen Beibeobachtungen, auf Teilflächen auch bodenkundliche Untersuchungen anhand von Schürfgruben. Auf Grundlage dieser Analysedaten und der forstlichen Standortkartierung entwickelten die Planer für jeden Flächenkomplex ein Leitbild, definierten Zielarten und legten Maßnahmen zur Herstellung und Pflege fest.

Die 17 Pflege- und Entwicklungspläne umfassen jeweils einen Steckbrief, einen Bestandsplan und einen Maßnahmenplan.

Die folgenden Maßnahmentypen sind vorgesehen:

  1. Herstellung von Kalkmagerrasen und artenreichen Extensivwiesen aus Ackerflächen
  2. Herstellung von Kalkmagerrasen und artenreichen Extensivwiesen aus artenarmen Wiesen
  3. Herstellung magerer Offenlandbereiche im Wald mit anschließender Pflegenutzung (Mahd, später ggf. Beweidung) bevorzugt auf bestehenden Waldblößen, auf Sukzessionsflächen, unter Stromleitungstrassen und in Biotopverbundkorridoren
  4. Auflichtung von Waldflächen unter Erhalt der Waldeigenschaft: Potentieller Rückschnitt der Strauchschicht und Entnahme nicht standortgerechter Baumarten (v.a. Fichten), wobei entwicklungsfähige Einzelbäume und wertgebende Straucharten wie Sanddorn und Wachholder stehen bleiben. Die aufgelichteten Waldflächen werden weder gemäht noch beweidet. Eine natürliche Verjüngung der Baumarten wird nicht beeinträchtigt.
  5. Artspezifische Maßnahmen zur Förderung von Reptilien und Amphibien

Erste Erfolge

Erste Projekterfolge zeigen sich auf Flächen, die durch den Landschaftspflegeverband gepflegt wurden. Auf diesen Arealen konnten bereits wertvolle Lebensraumstandorte geschaffen und bereitgestellt werden. Das Bewusstsein und die Sensibilisierung für Themen wie Naturschutz und Nachhaltigkeit sind durch das Projekt noch einmal gestärkt worden.

Dabei war das öffentliche Interesse für naturschutzfachliche Belange in der Region sehr groß. Viele Bürger konnten im Rahmen des Projektes dazu gewonnen werden, etwas für die Natur zu tun und einen Beitrag zum Schutz ihrer Umwelt zu leisten. Die Anzahl und Größe der Flächen, die für das Projekt bereitgestellt werden konnten, lagen dabei über den Erwartungen aller Projektbeteiligten.

Öffentliche Exkursion zu einer Brenne (c) Dr. H.M. Schober GmbH

Öffentliche Exkursion zu einer Brenne
(c) Dr. H.M. Schober GmbH

Gut gepflegte Brenne (c) Reinhard Klett, LPV AÖ

Gut gepflegte Brenne
Reinhard Klett, Landschaftspflegeverband AÖ

Konzeption:

Dr. H. M. Schober
Gesellschaft für Landschaftsarchitektur mbH
Kammerhof 6
85354 Freising

Tel.: +49 (0) 8161 3001
Fax: +49 (0) 8161 94433
Email: zentrale@schober-larc.de
Internet: www.schober-larc.de

Auftraggeber:

Landratsamt Altötting
Sachgebiet Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft, Fischereiwesen
Postfach 1432
84498 Altötting