Brenne NSG Untere Alz (c) R. Klett

Was ist eine Brenne?


Als Brennen werden flussbegleitende, offene Trockenstandorte der Auen bezeichnet. Sie entstehen, wenn ein Fluss kiesiges Geschiebe ablagert, z. B. bei Hochwasserereignissen, und sich auf dieser Kiesfläche über einen längeren Zeitraum Vegetation entwickeln kann. Die natürliche Vegetationsentwicklung geht von Pionierpflanzen auf Kies über Magerrasen zu Strauchbewuchs und schließlich zu lichtem Wald. Von einer Brenne spricht man, solange die Aufschotterung wenig von Bäumen beschattet wird. Wenn an windstillen Tagen die Sonne scheint, kann es dort sehr heiß werden. Zudem besitzen die jungen Kiesböden eine geringe Humusauflage, sind wasserdurchlässig, trocken und nährstoffarm. Die Brenne wirkt deshalb im Auwald wie eine Trockeninsel für Pflanzen- und Tierarten, die sich auf einen warmen und trockenen Lebensraum spezialisiert haben, insbesondere für Arten der Kalkmagerrasen. Der Mensch förderte durch Beweidung, Holzentnahme und Mahd das Magerrasenstadium. Noch heute befinden sich auf den Brennen des Alztales die bedeutendsten Vorkommen an Kalkmagerrasen im Landkreis Altötting.

Seltene Pflanzenarten der Brennen im Alztal sind z. B. Golddistel, Kugel-Rapunzel, Mücken-Händelwurz, Karthäuser-Nelke, Ochsenauge oder auch der Wacholder, der ein Zeugnis der früheren Weidenutzung der Flächen ist. Besondere Raritäten, die im Alztal ihren Verbreitungsschwerpunkt im Landkreis haben, sind unter anderem die Pyramidenorchis und das Alpen-Leinkraut. Ein besonderer Blickfang ist das Helm-Knabenkraut. Es wurde daher als Aushängeschild für das Brennen-Projekt auserkoren. Auch faunistisch hat der Lebensraum Brenne viel zu bieten: Blütensuchende Schmetterlinge, Heuschrecken und Wärmeliebende Arten wie Schlingnatter, Zauneidechse und die zweifarbige Schneckenhaus-Mauerbiene finden auf der Brenne einen idealen Lebensraum. Letztere etwa verwendet verlassene Schneckenhäuser für die Aufzucht ihres Nachwuchses.

Mit den flussbaulichen Maßnahmen wurde ab dem frühen 20. Jahrhundert die Dynamik der Alz stark eingeschränkt, darunter auch die Ab- und Umlagerung von Geschiebe. Seitdem können nur noch in geringem Umfang neue Brennenstandorte entstehen. Die alten Brennen sind auf eine Weiterführung der historischen Nutzung oder auf Pflegemaßnahmen angewiesen (Mahd, Beweidung, Entbuschung). Unterbleibt diese Nutzung oder Pflege, entwickeln sich Gebüsche und Waldbestände. Die wertgebenden Arten der Magerrasen verlieren ihren Lebensraum. Eine Auswertung von Luftbildern der Jahre 1972 – 2007 sowie von Kartierungen im Alztal ergaben, dass sich im mittleren Alztal die offenen Flächen im Bereich der Auen von 113 ha (1972) auf 89 ha (2007) reduziert haben.  Die verbliebenen offenen Flächen sind bis auf die bereits vom Landschaftspflegeverband gepflegten Flächen dabei, zu verbuschen und in Wald überzugehen.